Marcel Friederich lebt seit seiner Geburt mit einer seltenen Krankheit. Doch aus seiner vermeintlichen Schwäche, dem „schiefen Lachen“, zieht er heute eine besondere Stärke – und macht anderen Mut. Dafür kommt der Autor am 24. Oktober nach Grevenbroich.
17.10.2026 · 04:50 Uhr
Marcel Friederich lebt seit seiner Geburt mit dem Möbius-Syndrom. Sein schräges Lachen ist heute eine Art Markenzeichen.
Foto: Thorsten KahleGrevenbroich · Marcel Friederich lebt seit seiner Geburt mit einer seltenen Krankheit. Doch aus seiner vermeintlichen Schwäche, dem „schiefen Lachen“, zieht er heute eine besondere Stärke – und macht anderen Mut. Dafür kommt der Autor am 24. Oktober nach Grevenbroich.
Es bedarf wohl nur dieser kleinen Anekdote, die beschreibt, mit welcher Haltung Marcel Friederich durchs Leben geht. „Du hast aber ein schräges Gesicht!“, sagte ihm ein Kind vor einigen Tagen beim Vorbeilaufen. Friederich habe ihm dann ganz geduldig erklärt, woran das liegt. Und ihm dann noch einen kleinen Sticker mit einem grinsenden Smiley geschenkt. „Das Grinsen ist heute mein Markenzeichen. Für solche Momente habe ich die Sticker immer in meiner Tasche“, sagt er und lacht. Friederich kennt diese Begegnungen nur zu gut. Die Momente, in denen er von fremden Menschen auf der Straße oder in der Straßenbahn komisch angeschaut wird.
Der Journalist lebt seit seiner Geburt mit dem Möbius-Syndrom. Aufgrund der seltenen neurologischen Erkrankung ist unter anderem seine Gesichtsmuskulatur beeinträchtigt. Das führt zu dem dauerhaften „schrägen Lachen“, bei dem sich sein Mundwinkel auf einer Seite verzieht. „Als Kind dachte ich immer, ich bin weniger wert. In der Schulzeit musste ich mir auch mal einen blöden Spruch anhören. Zu dieser Zeit habe ich meine Krankheit als Schwäche empfunden“, sagt er.
Um das zu kompensieren, arbeitet Friederich härter als andere in seinem Alter. Mit 15 fängt er in seiner Heimatstadt Mainz bei einer Lokalzeitung an – und sammelt erste Schreiberfahrung als Journalist. Später folgen Stationen bei der „Sport Bild“, bei den Fußball-Bundesligisten RB Leipzig und Schalke 04 sowie als Kommunikationschef bei der Deutschen Fußball Liga. „Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Natürlich hatte ich anfangs Zweifel und hab mich gefragt, ob jemand mit meinem Gesicht diesen Job in der Öffentlichkeit machen kann“, sagt er.
Doch während seiner Laufbahn lernt er, mit seiner Krankheit umzugehen – und diese in Positivität umzuwandeln. Als er Chefredakteur des Basketball-Magazins „BIG“ wird, reist der Mainzer regelmäßig zu NBA-Spielen in die USA. Dort trifft er mehrfach auf den deutschen Basketball-Star Dirk Nowitzki. „Irgendwann hat er mich in der Journalistentraube erkannt und ist auf mich zugekommen. Das hat mir gezeigt, dass mein Gesicht auch Vorteile haben kann“, sagt Friederich.
Während seiner Zeit beim Basketball-Magazin lernt er Jan Finken kennen, der die Pressearbeit beim Grevenbroicher Stadtmarketing macht. Dieser Kontakt führt schließlich dazu, dass Friederich Ende Oktober auf einer Veranstaltung in der Stadtbücherei spricht. Zum „Tag der Bibliotheken“ am 24. Oktober lädt diese mit Unterstützung des Inklusionsbeauftragten und der Stadtentwicklungsgesellschaft zu einem Vortrags- und Gesprächsrundennachmittag auf die Stadtparkinsel ein.
Was man wissen muss: Heute ist Friederich Buchautor, Speaker, Moderator sowie Initiator des „Mutmacher-Wegs“. Regelmäßig spricht er bei Unternehmen, Verbänden, Vereinen und Schulen darüber wie es ist, anders zu sein. „Wir haben alle unser Päckchen zu tragen. Jeder darf Verletzlichkeit zeigen. Wichtig ist, dass man zu sich steht und an den Punkt kommt, sich selbst zu lieben“, sagt Friederich. In seinem Buch „Mutmacher-Menschen“ porträtiert er Persönlichkeiten, die in ihrem Leben unterschiedliche Hürden und Schicksalsschläge bewältigt haben. „Ich habe mich dafür mit elf Menschen getroffen und mir ihre Geschichte angehört. Es geht um mentale Gesundheit, Homosexualität oder etwa um Probleme in der Familie“, sagt der Autor.
Darin erzählen die Protagonisten, wie aus vermeintlichen Schwächen Stärken entstehen können und welche Bedeutung Mut, Selbstvertrauen und ein Perspektivwechsel dabei haben. Sein „schräges Lachen“ hat Friederich heute zu seinem Markenzeichen gemacht. Neben den Stickern, die er verteilt, haben sich mittlerweile sogar schon Menschen den Emoji tätowieren lassen. „Ich weiß zumindest schon von zehn Leuten, die sich das schiefe Grinsen tätowiert haben lassen, weil ich sie mit meiner Geschichte so berührt habe“, sagt er.
Der Mainzer kann heute ganz offen mit Menschen über seine Krankheit sprechen. „Ich erkläre es dann einfach ganz nüchtern. Natürlich nur, wenn ich angesprochen oder gefragt werde“. So wie erst vor wenigen Tagen, als Friederich einem Kind erklärte, warum er so schräg grinst – und ihm dann seinen Sticker schenkte.
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