Als Starkoch führte er lange das Restaurant „Zur Traube“ in Grevenbroich. Mit 89 Jahren ist Dieter L. Kaufmann gestorben; der größte Teil seiner Sammlung mit prominenten Grußworten und Rezepten ging ins Kreisarchiv Zons.
20.10.2026 · 15:19 Uhr
Starkoch Dieter L. Kaufmann in seinem Element am Herd in seiner Küche.
Foto: Berns, Lothar (lber)Grevenbroich · Als Starkoch führte er lange das Restaurant „Zur Traube“ in Grevenbroich. Mit 89 Jahren ist Dieter L. Kaufmann gestorben; der größte Teil seiner Sammlung mit prominenten Grußworten und Rezepten ging ins Kreisarchiv Zons.
Laut übereinstimmenden Medienberichten starb Kaufmann am Samstag im Alter von 89 Jahren. „Kaufmann prägte mit seinem Restaurant über Jahrzehnte die deutsche Spitzengastronomie“, erklärt die in Frankfurt ansässige Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (Ahgz). Der renommierte Gastro-Kritiker und Wegbegleiter Jürgen Dollase bezeichnet Kaufmann als eine „prägende Persönlichkeit“. Er lobte auf Facebook die geschmackliche Eleganz sowie die klare Unverwechselbarkeit von Kaufmanns Küche. Neben den Gerichten betonte Dollase das gemeinsame Wirken von Dieter L. Kaufmann und dessen Frau Elvira. Das Paar habe den Gästen eine feine, tiefgründige Esskultur vermittelt.
Das Ehepaar Dieter L. und Elvira Kaufmann im Restaurant Zur Traube.
Foto: Hans-Juergen Bauer/Bauer, Hans-Jürgen (hjba)„Alle Welt redet von seinem ,Parfait vom Stör mit Kaviar‘, für mich war noch wichtiger, dass er in seinem Restaurant mit seiner Frau Elvira – geboren aus den internationalen Erfahrungen der beiden – ein Gefühl von Gourmetküche und Gourmet-Gastronomie vermittelte, das sofort durch viele klassische Merkmale überzeugte, die heute oft fehlen und die wir wiedergewinnen sollten.“
Dieter L. Kaufmann machte eine Lehre als Konditor in Grevenbroich sowie eine Kochlehre in Düsseldorf. 1958 arbeitete er im Grand-Hotel Eden Montreux in der Schweiz und besuchte gleichzeitig bis 1959 die Hotelfachschule Heidelberg. Anschließend trat er eine Stelle im schwedischen Grand-Hotel „Saltsjöbaden“ an. Serviceerfahrungen sammelte er ab 1960 zuerst im „Savoy-Hotel“ in London und anschließend im dortigen „Mayfair-Hotel“. 1962 kehrte er in seine Geburtsstadt Grevenbroich zurück und erwarb dort das Hotel-Restaurant „Zur Traube“.
Elf Jahre später erhielt er den ersten Michelin-Stern, 1983 den zweiten. Die 2-Sterne-Auszeichnung behauptete das Restaurant bis 2009. Auch weitere Auszeichnungen unterstrichen Kaufmanns Stellung als Starkoch. 1994 ernannte ihn der Gault Millau zum Koch des Jahres. Von der Fachzeitschrift „Der Feinschmecker“ erhielt er diese Auszeichnung im Jahr 2000. Feinschmecker aus aller Welt flogen ein, um im Gourmet-Tempel „Zur Traube“ zu speisen.
Das Haus wurde zur Legende und machte Grevenbroich zu einer Wegmarke. Prominenten Politikern wie Tony Blair begegnete Kaufmann. Dieser wiederum staunte, dass der Starkoch als junger Mann Anfang der 1960er-Jahre Sir Winston Churchill im Londoner Savoy begegnet war. Auch den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel (FDP) konnten die Kaufmanns begrüßen. Ins Gästebuch trugen sich auch Otto Graf Lambsdorff (FDP), die NRW-Ministerpräsidenten Heinz Kühn (SPD), Johannes Rau (SPD) und Wolfgang Clement (SPD). Showmaster Hans-Joachim Kuhlenkampf speisten bei ihm, Trude Herr, Formel 1-Legende Stirling Moss, die Fußballtrainer Hennes Weisweiler und Udo Lattek oder die Reiter Fritz Thiedemann, Reiner Klimke oder Alwin Schockemöhle.
2014 ging Kaufmann in den Ruhestand und schloss das Restaurant nach 52 Jahren. 2018 verkaufte er das Gründerzeit-Haus, das im gleichen Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurde, und gab dort eine Abschluss-Veranstaltung. Für die Stadt- und Regionalgeschichte gab der Starkoch wesentliche Impulse. So übergaben Dieter L. Kaufmann und seine Frau Elvira im März 2024 eine imposante Sammlung an Speisekarten, Rezepten, Büchern, Handschriften in zwei Teilen jeweils an das Deutsche Archiv der Kulinarik in Dresden, das von der dortigen Technischen Universität und der Sächsischen Universitätsbibliothek gegründet wurde.
Der größte Teil der Sammlung Kaufmann, insbesondere standortbezogene Belege wie Fotografien, Gästebücher, Beiträge der (internationalen) Presse und auch audiovisuelle Medien ging an das Kreisarchiv mit Sitz in Zons, das auch das Stadtarchiv in Grevenbroich betreut.
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