Zucker verteuert sich seit Jahresbeginn um rund 37 Prozent. El Niño, schwache Ernten und Wetterextreme treiben den Preis. Doch nicht jeder profitiert vom Boom.
Zucker verteuert sich seit Jahresbeginn um rund 37 Prozent und zählt zu den Gewinnern am Rohstoffmarkt. Schwache Ernten und Wetterextreme treiben die Preise – doch der Boom hat auch Verlierer.
Zucker ist der heimliche Gewinner des Rohstoffjahres. Seit Jahresbeginn verteuerte sich der süße Rohstoff bis Anfang Oktober um rund 37 Prozent, rechnet Joel Frick von der Bendura Bank vor.
Damit liefert sich Zucker ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Weizen. Gold liegt auf Jahressicht dagegen leicht im Minus. Den Grund sieht der Anlageexperte im Wetterphänomen El Niño.
Zu Jahresbeginn rechneten Fachleute noch mit einem weltweiten Überangebot. Doch die Ernten in wichtigen Anbauländern fielen schwach aus. Europa holte nach schweren Hitzewellen die kleinste Zuckerrübenernte seit einem Jahrzehnt ein. Auch Thailand meldet trübere Aussichten. Indien, der zweitgrößte Produzent der Welt, leidet unter Dürre und erlaubt deshalb ausnahmsweise zollfreie Importe. Anfang Oktober kappten Prognostiker die Erwartungen für die indische Ernte erneut.
An der Terminbörse Intercontinental Exchange kostet Rohzucker aktuell etwa 20 US-Cent je Pfund. Mitte Oktober erreichte der Preis mit 21,28 US-Cent den höchsten Stand seit Februar 2025. Zusätzlichen Auftrieb liefert Brasilien, wo heftige Regenfälle die Ernte verzögern. Etwas Entlastung könnte Indien bringen. Ab dem 1. November sollen staatliche Tankstellenketten dort kein Ethanol aus Zucker mehr kaufen. Mehr Zuckerrohr dürfte dann in die Zuckerproduktion fließen.
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Für Europas größten Zuckerhersteller ist der Preisanstieg Fluch und Segen zugleich. Südzucker steigerte das operative Ergebnis im ersten Halbjahr auf 153 Millionen Euro. Das Zuckergeschäft schreibt aber weiter rote Zahlen. Wegen Dürre und Pflanzenkrankheiten erwartet der Konzern eine deutlich kleinere Verarbeitungskampagne. Das treibt die Kosten.
Vorstandschef Niels Pörksen rechnet laut Reuters mit wieder steigenden Preisen. Die Aktie verlor in den vergangenen Handelstagen gut fünf Prozent. Die DZ Bank sieht den fairen Wert bei 13 Euro und rät zum Halten.
Der Zuckerboom zeigt, wie schnell das Wetter ganze Märkte dreht. Frick sieht darin eine Bestätigung für breit gestreute Rohstoffanlagen. Sie könnten Depots vor Inflation und Angebotsschocks schützen. Wer auf Zucker setzt, sollte die Schwankungen nicht unterschätzen. Ein Wetterumschwung kann die Rallye ebenso schnell beenden.
Von Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
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