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Der Rolex-Boom erzählt nur die halbe Wahrheit über die neue Schweizer Uhrenwelt

Дата публикации: 06-10-2026 05:38:00

Wartelisten, Luxuspreise, Rekordumsätze: Rolex profitiert vom Boom der Superreichen. Für Swatch und andere Hersteller sieht es düsterer aus.

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Wartelisten, Luxuspreise, Rekordumsätze: Rolex profitiert vom Boom der Superreichen. Für Swatch und andere Hersteller sieht es düsterer aus.

Eine Rolex zu kaufen, ist eine ungewöhnliche Erfahrung. Wer bei einem autorisierten Händler in der Schweiz eines der ausgestellten Modelle kaufen möchte, bekommt häufig zu hören, dass die Uhr derzeit leider nicht verfügbar sei. Wer trotzdem bereit ist, rund 14.000 Schweizer Franken (knapp 15.000 Euro) – den durchschnittlichen Verkaufspreis einer Rolex – auszugeben, landet auf einer Warteliste.

Tausende Kunden tun das jeden Tag. Rolex verkaufte im vergangenen Jahr knapp 1,2 Millionen Uhren und erzielte damit einen Umsatz von mehr als 11 Milliarden Schweizer Franken. Anfang der 2020er-Jahre waren es noch rund 8 Milliarden Franken. Der Anstieg ist vor allem auf höhere Preise zurückzuführen, denn die Zahl der verkauften Uhren hat sich kaum verändert.

Während Rolex boomt, geraten Quarzuhren unter Druck

Für große Teile der Schweizer Uhrenindustrie sieht die Entwicklung dagegen deutlich schwieriger aus. Das Exportvolumen – rund 95 Prozent der Verkäufe entfallen darauf – hat sich innerhalb eines Jahrzehnts halbiert.

Besonders stark unter Druck geraten sind Quarzuhren mit elektronischem statt mechanischem Uhrwerk. Ihnen machen vor allem Smartwatches zu schaffen, von denen die meisten in Asien produziert werden. Bei Rolex und einigen anderen Luxusuhrenherstellern ist die Lage hingegen besser denn je.

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Luxussegment gewinnt weiter an Bedeutung

Obwohl die Zahl der exportierten Uhren deutlich zurückgegangen ist, steigt ihr Wert weiter. Im August lag der Exportwert 9,1 Prozent über dem Vorjahresniveau – bereits den vierten Monat in Folge mit einem Anstieg gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat.

In der Schweiz gibt es rund 450 Uhrenmarken. Doch allein fünf der exklusivsten Hersteller – Rolex, Cartier, Patek Philippe, Omega und Audemars Piguet – vereinten im vergangenen Jahr rund 60 Prozent des Branchenumsatzes auf sich. Mit Ausnahme von Omega konnten alle ihren Marktanteil ausbauen.

Besonders stark entwickelt sich das oberste Luxussegment. Uhren mit einem Preis von mehr als 50.000 Schweizer Franken machten 2025 bereits 37 Prozent des Wertes der Schweizer Uhrenexporte aus. Ein Jahr zuvor waren es 33,5 Prozent.

Ein Teil des Anstiegs lässt sich mit den höheren Preisen für Edelmetalle erklären. Gleichzeitig profitiert die Branche von der weiterhin hohen Kaufkraft vermögender Kunden und deren Nachfrage nach besonders exklusiven Produkten.

„Die Pandemie und die Jahre danach haben die Branche experimentierfreudiger gemacht“, sagt Ben Küffer, Chef des Schweizer Familienunternehmens Norqain. Die durchschnittlichen Preise der Marke liegen bei rund 4500 Schweizer Franken.

Viele Hersteller investierten in neue Materialien und aufwendigere Uhrwerke, um sich stärker voneinander abzuheben. Norqain etwa setzte beim Gehäuse der Luxus-Sportuhr Wild One Meteorite Special Edition auf einen besonders leistungsfähigen Kohlefaser-Verbundwerkstoff. Das Zifferblatt wurde aus einem Eisenmeteoriten aus Schweden gefertigt. Von dem Modell wurden lediglich 300 Exemplare produziert.

Swatch verpasst den Luxus-Trend

Für Swatch, den größten börsennotierten Schweizer Uhrenhersteller, ist die Entwicklung weniger erfreulich. Das Unternehmen gilt als einer der Retter der Schweizer Uhrenindustrie in den 1980er-Jahren. Damals behaupteten sich die auffälligen Kunststoff-Quarzuhren von Swatch erfolgreich gegen günstige Konkurrenz aus Asien.

Heute kämpft der Konzern mit dem Wandel. Swatch habe die sogenannte Premiumisierung weitgehend verpasst, sagt Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel. Zum Konzern gehören zwar mit Omega und anderen Marken einige namhafte Luxusuhrenhersteller, deren Entwicklung jedoch unterschiedlich ausfällt.

Der Aktienkurs von Swatch liegt inzwischen mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2023 und fast 70 Prozent unter seinem Höchststand von Ende 2013. Im vergangenen Jahr brach der Nettogewinn um fast 90 Prozent ein.

Hinzu kommt eine große Produktionsstruktur. Swatch stellte einst bis zu 15 Millionen Uhren pro Jahr in 150 Schweizer Fabriken her. Heute sind es noch rund vier Millionen. Geschlossen wurde bislang jedoch kein einziger dieser Standorte.

Kooperation mit Audemars Piguet sorgt für Aufsehen

Im Mai erhielt Swatch durch eine Kooperation mit dem 151 Jahre alten Luxusuhrenhersteller Audemars Piguet neuen Schwung. Gemeinsam brachten die Unternehmen die „Royal Pop“ auf den Markt – eine Kunststoff-Taschenuhr, die optisch an die berühmte Royal Oak von Audemars Piguet angelehnt ist.

Weltweit standen Käufer dafür stundenlang Schlange. Bereits 2022 hatte eine ähnliche Kooperation von Swatch und Omega für Aufsehen gesorgt und den Konzern nach der Pandemie zurück in die Gewinnzone gebracht.

Der Hype rund um die neue Kooperation ließ den Umsatz im ersten Halbjahr 2025 steigen. Der Nettogewinn lag allerdings weiterhin unter dem Vorjahreswert.

Familienunternehmen dominieren das Luxussegment

Mit Ausnahme von Cartier befinden sich die großen Luxusuhrenmarken überwiegend in privater Hand. Viele gehören bis heute den Gründerfamilien, etwa den Familien Audemars und Piguet. Die meisten dieser Unternehmen sind mindestens 100 Jahre alt.

Doch auch jüngere Marken können vom Trend zu immer höherpreisigen Uhren profitieren. Norqain etwa wurde erst 2018 gegründet und verkauft inzwischen bis zu 10.000 Uhren pro Jahr.

Rolex bleibt die Nummer eins

An der Spitze steht weiterhin Rolex. Der Umsatz der Marke ist etwa dreimal so hoch wie der des zweitplatzierten Herstellers Cartier.

Rolex gehört der Hans Wilsdorf Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die der kinderlose Rolex-Gründer 1945 ins Leben rief. Die Gewinne fließen unter anderem in Forschung und Entwicklung sowie in gemeinnützige Projekte im Kanton Genf.

Dass Rolex-Uhren schwer erhältlich sind, sei keine bewusste Strategie zur künstlichen Verknappung, betont das Unternehmen. Vielmehr liege der Fokus auf handwerklicher Qualität. Knapp ist also vor allem eines: die Zeit.

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