Seit 15 Jahren bietet die Landmetzgerei Kessel selbst eingekochte Mahlzeiten im Glas an. Kunden können aus mehr als 60 Sorten wählen. Und die Nachfrage steigt weiter.
21.10.2026 · 04:50 Uhr
In der Grefrather Landmetzgerei Kessel sind die Gerichte im Glas ein wahrer Verkaufsschlager, wie Georg Kessel verrät.
Foto: Stefan BüntigNeuss · Seit 15 Jahren bietet die Landmetzgerei Kessel selbst eingekochte Mahlzeiten im Glas an. Kunden können aus mehr als 60 Sorten wählen. Und die Nachfrage steigt weiter.
Ob Grünkohl, Kartoffelsuppe oder Geschnetzeltes – wer diese Mahlzeiten zubereiten möchte, muss nicht lange in der Küche stehen. Zumindest, wenn sie in der Grefrather Landmetzgerei Kessel gekauft worden sind: Dort bietet der Inhaber Georg Kessel mehrere Gerichte im Glas an. Zu Hause muss nur der Deckel abgenommen und der Inhalt im Topf oder der Mikrowelle erwärmt werden.
Suppen, verschiedene Fleischsorten, Gemüse und sogar Wild stehen zur Wahl. Die Preise variieren je nach Gericht zwischen sechs und zwölf Euro. „Aktuell schwenken wir verstärkt auf Fisch um“, erzählt Kessel: Dazu gehört etwa der Seeteufel in Hummersoße oder eine bretonische Fischsuppe. Rund 70 Gerichte umfasst das Sortiment – immerhin wollen die Kunden eine Auswahl haben, sagt Kessel. Und die Nachfrage ist da: Seit etwa vier Jahren beobachtet Kessel, dass die schnellen Gerichte für die Mittagspause oder als Abendessen immer beliebter werden. „Einige kommen in die Metzgerei, biegen vor der Fleischtheke direkt zu den Glasregalen ab“, erzählt er. Teilweise kämen seine Kunden sogar aus Düsseldorf, um sich mit mehreren Mahlzeiten aus dem Glas einzudecken.
Seine Erfahrungen decken sich mit Daten des Statistischen Bundesamtes: Demnach sind Produktion und Nachfrage nach Fertiggerichten in Deutschland stark gestiegen. Lag die Menge 2019 noch bei 1,4 Millionen Tonnen, waren es 2024 bereits 1,7 Millionen Tonnen.
Kessel erklärt sich das mit Blick auf seine Gläser so: „Viele Berufstätige haben heute keine Zeit mehr, unter der Woche zu kochen, sie möchten aber auf eine gesunde Ernährung und gute Qualität nicht verzichten“, sagt Kessel. Er erlebt aber auch, dass einige Kunden es schätzen, durch die Gläser ohne viel Aufwand verschiedene Gerichte zum Familienessen anbieten zu können: „Der eine mag vielleicht lieber etwas Vegetarisches, der andere hat Lust auf Wild, und der Dritte freut sich über eine Suppe.“ Neben Berufstätigen gehören aber auch Senioren zu seinen Stammkunden.
Auf die Idee, fertig gekochte Mahlzeiten im Glas anzubieten, ist Kessel vor rund 15 Jahren gekommen: Damals ist er mit seiner Frau auf die Jagd in den Rheingau gefahren. Um abends etwas Warmes zu essen zu haben, kochten sie Gulasch und eine Bolognese vor. „Vor Ort mussten wir dann nur noch Nudeln kochen. So hat alles angefangen.“
Dabei besann er sich auch auf seine Oma zurück, bei der das Einkochen gang und gäbe war. „Genau wie bei Oma wird auch bei uns auf Zusatzstoffe verzichtet“, sagt er. Da seine Metzgerei freitags und samstags geöffnet hat, werden unter der Woche nach Bedarf die Mahlzeiten gekocht. In einer speziellen Anlage werden sie pasteurisiert. Abgepackt in den Gläsern bleiben sie rund neun Monate gekühlt haltbar. „Man spricht dabei von einer Dreiviertelkonserve“, sagt Kessel und fügt hinzu: „Bei Vollkonserven würden die Vitamine verloren gehen.“ Außerdem schmecke das Gericht auf diese Weise weiterhin wie frisch gekocht. Und so habe er schon Rückmeldungen von Kunden bekommen, die sich anhand der Gläser ein Weihnachtsmenü zusammengestellt haben. Andere haben sich für ein Partybuffet gleich mehrere Gläser bestellt.
Dass die Nachfrage nach schnell gemachten Mahlzeiten da ist, zeigt sich auch in anderen Angeboten. Die Neusser Metzgerei Herten, Steubenstraße 7, bietet Eintöpfe und Suppen im Schlauch zum Aufwärmen an. Und auch die Imbissbude Curry am Büchel bietet ihre Currywurst im Glas für 5 Euro an – auch in der veganen Variante. Darüber hinaus lassen sich auch die Original-Soßen kaufen. „Anfangs sollte es nur ein Goodie sein, aber die Nachfrage ist groß“, sagt Marc Michael. Manche würden gleich mehrere Gläser mitnehmen, zum Beispiel zum Campen. 50 bis 60 Gläser werden hergestellt, die teils innerhalb von einer Woche vergriffen sind.
Gerichte im Glas werden auch von dem Feinkostgeschäft „Paul kocht“ mit Sitz in Holzbüttgen angeboten, dessen Produkte auch in Neusser Supermärkten wie Rewe und Edeka zu finden sind.
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