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Verlust der Kaufkraft: Was Sparer wissen müssen

Дата публикации: 29-09-2026 04:46:00

Eine Studie zeigt, wie stark die Kaufkraft von Euro und Dollar über Jahrzehnte gesunken ist – und was das für den Vermögensaufbau bedeutet.

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Wer heute 100.000 Euro auf dem Konto hat, besitzt auch morgen noch 100.000 Euro. Zumindest auf dem Papier. Wirtschaftlich kann die Realität ganz anders aussehen.

Eine neue Studie zeigt, wie stark die Kaufkraft unseres Geldes langfristig geschrumpft ist. Für mich liegt darin eine der wichtigsten Lektionen für jeden, der Vermögen aufbaut. Wenn Menschen über ihr Vermögen sprechen, nennen sie fast immer eine Zahl. 50.000 Euro, 100.000 Euro oder eine halbe Million. Wir schauen auf den Kontostand, das Depot oder den Wert einer Immobilie und leiten daraus ab, wie vermögend wir sind. Ich halte diese Betrachtung für unvollständig.

Ronny Wagner setzt als Finanzstratege und Geschäftsführer der Nobel Metal Factory OHG seit fast 30 Jahren auf Rohstoffe und Edelmetalle. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Die Kaufkraft ist entscheidend

Am Ende entscheidet nicht die Zahl auf dem Konto darüber, was wir uns von unserem Vermögen leisten können. Entscheidend ist seine Kaufkraft. Und genau die verändert sich, während der nominale Betrag derselbe bleiben kann.

Die Untersuchung kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Von der Kaufkraft des Euro beziehungsweise seiner Vorgängerwährungen aus dem Jahr 1996 waren Ende 2025 rechnerisch noch 55,73 Prozent vorhanden. Der kumulierte Kaufkraftverlust beträgt damit 44,27 Prozent. Beim US-Dollar fällt das Ergebnis über den längeren Untersuchungszeitraum seit 1971 noch drastischer aus: Hier beträgt der errechnete Kaufkraftverlust 87,72 Prozent.

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Inflation ist kein vorübergehendes Ärgernis

Wir haben uns in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, Inflation vor allem über aktuelle Monats- und Jahresraten zu diskutieren. Liegt sie bei zwei, drei oder vier Prozent? Werden Lebensmittel wieder günstiger? Wann senkt oder erhöht die Zentralbank die Zinsen?

Das ist verständlich. Für den langfristigen Vermögensaufbau greift diese Perspektive aber zu kurz.

Inflation wirkt kumulativ. Zwei Prozent Kaufkraftverlust in einem Jahr erscheinen überschaubar. Über Jahrzehnte verändert selbst eine moderate Geldentwertung jedoch erheblich, was ein bestimmter Geldbetrag tatsächlich wert ist.

Beim Sparen zählt nicht nur die Summe

Das wird besonders relevant, wenn wir für Ziele sparen, die weit in der Zukunft liegen: die Altersvorsorge, die Ausbildung der Kinder, den Kauf einer Immobilie oder schlicht finanzielle Unabhängigkeit.

Wer sich heute vornimmt, in 20 Jahren einen bestimmten Eurobetrag erreicht zu haben, sollte deshalb eine zweite Frage stellen: Was werde ich mir von diesem Betrag dann noch kaufen können?

Diese Frage klingt banal. In vielen Finanzentscheidungen spielt sie trotzdem eine erstaunlich geringe Rolle.

Geld ist nicht das Problem

Aus diesen Zahlen den Schluss zu ziehen, Geld sei grundsätzlich eine schlechte Form des Vermögens, wäre falsch.

Liquidität ist unverzichtbar. Wer eine unerwartete Rechnung bezahlen, eine berufliche Chance nutzen oder kurzfristig auf eine Krise reagieren muss, braucht verfügbares Geld. Ein Vermögen, das ausschließlich aus langfristig gebundenen Anlagen besteht, kann genauso problematisch sein wie eines, das ausschließlich auf dem Konto liegt.

Nicht jedes Geld muss dasselbe leisten

Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Liquidität und langfristiger Vermögenserhalt sind zwei unterschiedliche Aufgaben. Genau diese Unterscheidung fehlt mir häufig in der Diskussion über Geldanlage. Wir suchen zu oft nach dem einen richtigen Investment. Aktien oder Immobilien? Tagesgeld oder Gold? ETF oder Festgeld?

Dabei beginnt eine vernünftige Vermögensstrategie meines Erachtens nicht mit der Frage nach einem Produkt. Sie beginnt mit der Frage, welche Aufgabe ein bestimmter Teil des Vermögens erfüllen soll.

Auch unsere Studie kennt keinen Sieger

Das ist übrigens eine Erkenntnis der Untersuchung, die ich besonders wichtig finde. Verglichen wurden über lange Zeiträume unter anderem Geldanlagen, Gold und Aktienmärkte. Berücksichtigt wurden dabei Inflation, Kosten und teilweise auch steuerliche Effekte. Das Ergebnis liefert keine schöne, einfache Schlagzeile nach dem Muster: „Diese Anlage schlägt alle anderen.“

In der US-Langfristbetrachtung seit 1971 erreichte die untersuchte Kapitalmarktansparung den höchsten realen Endwert. In der Deutschland-Betrachtung seit 1996 lag dagegen die Goldansparung im untersuchten Zeitraum vor dem DAX. Genau das halte ich für lehrreich.

Was gestern lief, muss morgen nicht funktionieren

Rückblickend lässt sich immer ein Gewinner finden. Daraus entsteht schnell die Versuchung, diesen Gewinner einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Doch Wirtschaft verläuft nicht linear. Inflation, Zinsen, politische Rahmenbedingungen, Unternehmensgewinne und Krisen verändern sich.

Was gestern hervorragend funktioniert hat, muss morgen nicht automatisch dieselbe Wirkung entfalten.

Vermögen sollte nicht von einer einzigen Zukunft abhängen

Deshalb halte ich eine andere Frage für wesentlich hilfreicher als die Suche nach dem nächsten Gewinner: Wie robust ist mein Vermögen, wenn die Zukunft anders verläuft, als ich heute erwarte?

Niemand weiß, wie hoch die Inflation 2035 sein wird. Niemand kann seriös vorhersagen, wo der DAX dann steht, welche Immobilienregionen gefragt sein werden oder welchen Preis eine Feinunze Gold haben wird. Wer langfristig plant, sollte deshalb nicht darauf angewiesen sein, mit einer einzigen Prognose richtigzuliegen.

Jeder Vermögenswert hat seine Stärken

Liquidität erfüllt dabei eine andere Funktion als Aktien. Produktive Unternehmensbeteiligungen haben eine andere Risikostruktur als Immobilien. Reale Vermögenswerte wiederum können Eigenschaften besitzen, die klassische Geldforderungen nicht haben.

Auch Gold gehört für mich in diese Betrachtung – aber ausdrücklich nicht als vermeintliche Wunderwaffe. Physisches Gold ist, wie die Studie herausarbeitet, ein nichtschuldrechtlicher Vermögenswert. Es ist also keine Forderung gegenüber einer Bank, einem Unternehmen oder einem Staat. Gleichzeitig bestehen selbstverständlich eigene Risiken, etwa durch Preisentwicklung, Verwahrung, Versicherung oder Liquidität.

Genau deshalb halte ich wenig von absoluten Aussagen wie „Alles in Aktien“, „Betongold ist immer sicher“ oder „Gold schützt vor jeder Krise“. Vermögenswerte haben unterschiedliche Stärken – und unterschiedliche Schwächen.

Die falsche Zahl auf dem Konto

Vielleicht müssen wir deshalb auch unsere Vorstellung davon ändern, was finanzieller Erfolg bedeutet. Ein höherer Kontostand ist zunächst einmal nur ein höherer Kontostand. Interessant wird er erst im Verhältnis zu dem, was dieses Geld ermöglicht.

Wer über Jahrzehnte Vermögen aufbaut, sollte deshalb nicht ausschließlich fragen: Wie viele Euro möchte ich besitzen?

Die wichtigen Fragen stellen

Die wichtigeren Fragen lauten:

  1. Welche Kaufkraft möchte ich erhalten?
  2. Welche Risiken kann ich tragen?
  3. Wie liquide muss ich sein?
  4. Und wie abhängig möchte ich von einzelnen Märkten, Institutionen oder wirtschaftlichen Entwicklungen sein?

Die Zahlen unserer Studie sind für mich deshalb weniger ein Argument für oder gegen eine bestimmte Anlageklasse. Sie sind vor allem eine Erinnerung daran, worum es beim langfristigen Vermögensaufbau eigentlich geht.

Wir sparen zwar in Euro. Aber leben werden wir später nicht von der Zahl auf unserem Konto – sondern von dem, was wir uns dafür noch leisten können.

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