Steigende Zinsen machen Kredite teurer und Sparen attraktiver. Wie sich Bauzinsen, Tagesgeld, Staatsanleihen und Immobilienpreise ändern.
Mit den Leitzinsen sind in den vergangenen Monaten auch viele andere Zinsen und Kosten in Deutschland angestiegen. Wir zeigen an sieben Beispielen, wie sich das auf Ihr Leben auswirkt.
Die steigende Inflation durch den Iran-Krieg führt wieder zu höheren Zinssätzen. Im September kletterte der Leitzins auf 2,5 Prozent. Weitere Anhebungen durch die EZB könnten folgen. Der Begriff Leitzins klingt abstrakt, doch diese Änderungen haben konkrete Auswirkungen auf Ihren Alltag, da er viele Bereiche beeinflusst. Hier sind sieben Beispiele:
Steigen die Leitzinsen, steigen in der Regel auch alle Kreditzinsen von Geschäftsbanken. Der Leitzins ist vereinfacht gesagt die Gebühr, die die Bank an die EZB zahlen muss, um sich Geld zu leihen. Um mit diesem geliehenen Geld weiteres zu verdienen, muss die Bank dies also zu höheren Zinssätzen an ihre Kunden verleihen.
Besonders deutlich spüren das Immobilienkäufer. Seit Juli ist der durchschnittliche Zinssatz für einen Immobilienkredit mit zehnjähriger Zinsbindung von 3,8 auf 4,4 Prozent gestiegen. Bei 15 Jahren Zinsbindung ging es von 4,0 auf rund 4,6 Prozent nach oben.
Das macht den Haus- und Wohnungskauf deutlich teurer. Brauchen Sie für eine Immobilie etwa einen Kredit über 250.000 Euro, hätten Sie dafür im Juli bei zehn Jahren Zinsbindung noch rund 9500 Euro Zinsen im ersten Jahr gezahlt. Jetzt wären es 11.000 Euro. Bei gleicher Monatsrate bleiben Ihnen dadurch jährlich 1500 Euro weniger für die Tilgung. Sie müssten also entweder Ihre Monatsrate um 125 Euro erhöhen oder die Laufzeit verlängern.
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Es geht aber nicht nur ums erste Jahr, sondern auch um die gesamte Finanzierung. Nehmen wir an, Sie kaufen eine Immobilie mit einem Kredit über 250.000 Euro. Im Juli haben Sie bei 3,8 Prozent Zinsen mit sechs Prozent Annuität geplant. Unter der Annahme, dass die Zinsen konstant bleiben, hätten Sie die Immobilie bei einer Monatsrate von 1250 Euro nach 26 Jahren und sechs Monaten abbezahlt. Jetzt, mit 4,4 Prozent Zinsen, müssen Sie entweder 1375 Euro pro Monat zahlen und sind dann nach 25 Jahren und einem Monat fertig oder Sie bleiben bei 1250 Euro Monatsrate, brauchen dann aber 30 Jahre und zwei Monate. Im ersten Fall zahlen Sie zudem rund 16.000 Euro extra an Zinsen über die Laufzeit, im zweiten Fall sogar 55.000 Euro.
Ähnlich trifft es Immobilienkäufer, die vor zehn Jahren ein Haus oder eine Wohnung gekauft haben. Sie haben damals einen sehr günstigen Immobilienkredit mit meist weniger als zwei Prozent Zinsen bekommen. Doch die Zinsbindung läuft jetzt aus und die Restschulden müssen mit einem deutlich teureren Kredit finanziert werden.
Nehmen wir wieder das Beispiel mit 250.000 Euro und sechs Prozent Annuität. Wer dies vor zehn Jahren finanziert hat, bekam im Schnitt 1,2 Prozent Zinsen. Er hätte damit bis heute 1250 Euro Monatsrate gezahlt und noch eine Restschuld von rund 123.000 Euro zu begleichen. Dies mit 4,4 Prozent Zinsen zu bezahlen, ließe die Monatsrate auf 1428 Euro steigen.
Steigende Leitzinsen haben nicht nur schlechte Auswirkungen. Sie beschreiben wie gesagt, zu welchem Zinssatz sich Banken Geld von der EZB leihen können. Banken können sich Geld aber auch ihren Kunden leihen. Das geschieht zum Beispiel über Tagesgeldeinlagen. Steigen die Leitzinsen, steigen deswegen meist auch die Tagesgeldzinsen. Banken wollen ihre Kunden dann motivieren, ihnen mehr Geld zu leihen.
Entsprechend meldet das Portal Tagesgeldvergleich.net einen Anstieg der durchschnittlichen Tagesgeldzinsen von 1,8 auf 2,1 Prozent. Das klingt nicht viel, macht aber je nach Anlagesumme schon etwas aus. Bei 10.000 Euro würden Sie etwa 210 statt 180 Euro Zinsen pro Jahr bekommen. Bei 100.000 Euro sind es 2100 anstatt 1800 Euro.
Nicht nur Banken wollen sich Ihr Geld leihen, sondern auch Staaten. Diese machen das über Staatsanleihen. Die Schuldscheine haben immer einen bestimmten Zinssatz, den der Staat meist jährlich an die Anleger auszahlt. Auch dieser Zinssatz konkurriert mit dem Leitzins der EZB.
So sind die durchschnittlichen Zinsen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen von Mitte Juli bis heute von rund 3,1 auf rund 3,5 Prozent gestiegen. Anders als beim Tagesgeld ist dieser Zinssatz bei einer neu ausgegebenen Anleihe aber auf zehn Jahre garantiert. Bei 100.000 Euro Anlagesumme erhalten Sie dadurch in Summe also 35.000 statt 31.000 Euro Zinsen. Ähnlich sieht es bei den Zinssätzen anderer Länder aus. Zehnjährige Anleihen der USA etwa bringen 5,2 Prozent Zinsen. Ende Juni waren es noch 4,4 Prozent. Auch die US-Notenbank Fed hat seitdem die Leitzinsen erhöht. In Großbritannien gibt es derzeit 5,4 statt 5,0 Prozent Zinsen.
Was gut für Sie als Anleger ist, ist schlecht für den Staat. Je höher die Zinssätze seiner Anleihen, desto mehr Geld muss er ausgeben. Der Bund muss dabei ebenso wie Privatleute auch günstige Altkredite von vor zehn Jahren heute mit teureren Anleihen refinanzieren.
Das erhöht die Zinskosten im Bundeshaushalt.
Hier spielen aber nicht nur höhere Zinsen eine Rolle, sondern auch die hohe Neuverschuldung. Sie entsteht vor allem durch die Sondervermögen für die Bundeswehr, Infrastruktur und Klimaschutz. Zudem werden die Zinskosten buchhalterisch mittlerweile anders veranlagt, was zu einem leichten Anstieg der künftigen Zinskosten führt. Ganz gleich, woher die Kosten kommen, sie müssen über höhere Einnahmen, Ausgabenkürzungen an anderer Stelle oder neue Schulden gegenfinanziert werden. Das dürften Sie im Alltag spüren.
Höhere Leitzinsen haben zwei Effekte auf den Aktienmarkt. Erstens machen sie Anlageklassen wie Anleihen und Tagesgeld attraktiver. Das bedeutet, dass mehr Menschen Geld dort investieren könnten und weniger in Aktien und ETFs. Zweitens müssen sich auch Konzerne Geld leihen. Mit steigenden Kreditzinsen wird das auch für diese teurer. Sie können also weniger investieren und damit auch ihr Geschäft weniger stark ausbauen. Beides setzt die Aktienkurse unter Druck.
Dieser Effekt ist praktisch belegt, vor allem in US-Untersuchungen. Aber er tritt meist nur kurzfristig nach überraschenden Zinsänderungen auf. Sind die Änderungen absehbar, etwa wegen vorhersehbarer Konjunkturaussichten, ist der Effekt geringer oder gar nicht vorhanden. Das zeigte sich etwa in den vergangenen Jahren in Deutschland. Trotz des enormen Leitzinsanstiegs kletterte der Dax 2023 um rund 20 Prozent an. Selbst unter Berücksichtigung, dass er im Jahr zuvor wegen Ukraine-Krieg und Energiekrise 12 Prozent verloren hatte, war das noch ein Anstieg um 5,6 Prozent gegenüber 2021 – trotz deutlich höherem Leitzins.
Steigende Bauzinsen haben einen negativen Effekt auf Immobilienpreise. Das ergibt sich direkt aus dem Problem, dass wir in Punkt eins erklärt haben. Steigende Zinsen erhöhen für Immobilienkäufer die Gesamtkosten. Entsprechend können sich also weniger Menschen einen Immobilienkauf leisten. Die Nachfrage nach Immobilien sinkt. Wenn Verkäufer also Objekte loswerden wollen, müssen sie dafür jetzt oft die Preise senken. Im Endeffekt zahlen Immobilienkäufer dadurch zwar meist trotzdem mehr oder zumindest nicht weniger als vor den Zinserhöhungen, aber es bessert die Lage zumindest etwas.
Für den Euroraum hat die EZB diesen Effekt mit Daten von 1995 bis 2019 untersucht. Sie fand heraus, dass die Immobilienpreise um etwa fünf Prozent fallen, wenn die Bauzinsen um ein Prozent steigen. Waren die Zinsen vorher besonders niedrig, können die Preise sogar um rund neun Prozent fallen. Im aktuellen Fall sind die Bauzinsen seit Juli um rund 0,6 Prozent gestiegen. Daraus würden sinkende Preise von rund drei Prozent resultieren.
Für das vorherige Rechenbeispiel bedeutet das, dass ein Käufer zuvor 250.000 Euro für 3,8 Prozent finanzieren musste. Bei sechs Prozent Annuität ergibt das eine Monatsrate von 1250 Euro und eine Laufzeit von 26 Jahren und sechs Monaten mit Zinskosten von 147.000 Euro.
Bei 4,4 Prozent Zinsen müsste die Kreditsumme dann auf 242.500 Euro sinken. Bei ebenfalls sechs Prozent Annuität liegt die Monatsrate jetzt immer noch bei 1250 Euro. Die Rückzahlung dauert aber 28 Jahre und vier Monate und die Zinszahlungen steigen auf 182.000 Euro an. Das sind rund 24 Prozent mehr.