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Dunkelflaute: Die Briten werfen ihre Gaskraftwerke an, da Windkraft nicht liefert

Дата публикации: 30-09-2026 05:10:00

Britanniens Dunkelflaute legt Schwächen im Stromsystem offen. Nun greift der Staat ein – und auch Deutschland steht vor ähnlichen Risiken.

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Eine Dunkelflaute zwingt Großbritannien zu mehr Gasstrom – und entfacht eine Grundsatzdebatte über staatliche Eingriffe ins Netz. Auch Deutschland kennt das Risiko.

Einen Tag lang zeigte Großbritanniens Stromsystem, wie schnell eine Dunkelflaute die Gewichte verschieben kann. Am Montag lieferten Windräder zeitweise zu wenig Strom, Gaskraftwerke mussten einspringen, um den Bedarf zu decken.
Die akute Warnung ist inzwischen aufgehoben. Doch schon rückt in Großbritannien eine grundsätzlichere Frage in den Mittelpunkt: Wie viel Staat braucht das britische Stromnetz?

Das Wichtigste zur britischen Stromdebatte im Überblick:

  • Der britische Netzbetreiber National Energy System Operator (NESO) hob die Strom-Warnung am Montag kurz nach 16 Uhr wieder auf.
  • Der zunächst erwartete Fehlbetrag im Sicherheitspuffer schrumpfte bis Montagmittag von rund 1400 auf nur noch 104 Megawatt.
  • Premierminister Andy Burnham will am Dienstag mit „GB Grid“ einen neuen staatlichen Akteur für Investitionen ins Stromnetz vorstellen.
  • Dafür soll das Unternehmen auf einen bereits für Great British Energy vorgesehenen Finanzierungstopf von bis zu vier Milliarden Pfund zugreifen können.
Aus dem Strom-Engpass wird eine Grundsatzfrage

Am Sonntagabend hatte der National Energy System Operator (NESO) eine sogenannte Electricity Margin Notice ausgegeben. Zwischen 16 und 19 Uhr am Montag drohten die Reserven knapper zu werden als vorgesehen. Ursache war nach Berichten des britischen „Telegraph“ eine Kombination aus wenig Wind, schwacher Solarproduktion und steigender Stromnachfrage am Abend.

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Zur Versorgungskrise kam es jedoch nicht. Medienberichten zufolge zog NESO die Warnung kurz nach Beginn des kritischen Zeitfensters zurück. Marktteilnehmer hatten zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt.

Burnham will den Staat wieder ins Netzgeschäft bringen

Genau dort setzt die britische Regierung nun an. Premierminister Andy Burnham will nach Angaben von Reuters auf dem Labour-Parteitag am Dienstag „GB Grid“ vorstellen. Das neue staatliche Unternehmen soll unter dem Dach von Great British Energy stehen, in Stromnetze investieren und den Anschluss neuer Industrie- und Energieprojekte beschleunigen.

GB Grid soll erstmals seit der Privatisierung wieder einen staatlichen Wettbewerber im britischen Netzgeschäft schaffen und unter anderem mit privaten Unternehmen wie National Grid konkurrieren.

Nach Angaben des Guardian erhält das Unternehmen Zugriff auf einen bereits Great British Energy zugewiesenen Topf von bis zu vier Milliarden Pfund. Dass die gesamte Summe eingesetzt wird, ist bislang nicht vorgesehen.

Burnham verbindet das Projekt mit dem Ziel, die britischen Energiekosten innerhalb von zehn Jahren stärker an das Niveau anderer europäischer Länder heranzuführen. Ob zusätzliche staatliche Investitionen tatsächlich niedrigere Strompreise bringen, hängt allerdings nicht allein vom Eigentümer des Netzes ab. Entscheidend sind auch Baukosten, Regulierung, Finanzierung und die Geschwindigkeit neuer Netzanschlüsse.

Dunkelflaute: Deutschland muss mehr Strom transportieren

Auch Deutschland kennt das britische Problem. Je mehr Kohle- und andere konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen und je stärker Wind- und Solarstrom das System prägen, desto wichtiger werden Kraftwerke, Speicher und flexible Verbraucher, die bei einer Dunkelflaute einspringen können.

Die Bundesnetzagentur hält die deutsche Stromversorgung zwar weiterhin für sicher, knüpft das aber ausdrücklich an den rechtzeitigen Ausbau solcher steuerbaren Kapazitäten. Deshalb hat Deutschland 2026 mit Ausschreibungen für zusätzliche Langzeitkapazitäten begonnen, die gerade mehrtägige Phasen mit wenig Wind und Sonne absichern sollen.

Das Risiko besteht dabei in knappen Reserven, hohen Strompreisen und einer wachsenden Abhängigkeit davon, dass Netze, Speicher und europäischer Stromhandel gleichzeitig funktionieren. Schon heute können Dunkelflauten die Börsenpreise kräftig nach oben treiben.

Gleichzeitig muss Deutschland deutlich mehr Strom durchs Netz transportieren, während der Netzausbau vielerorts hinterherhinkt. Die britische Debatte ist damit auch eine deutsche: Die Energiewende entscheidet sich nicht allein daran, wie viele Windräder und Solaranlagen gebaut werden – sondern daran, ob genügend gesicherte Leistung und Netze für jene Stunden vorhanden sind, in denen beide wenig liefern.

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