Die zusätzlichen Gaseinkäufe reichen möglicherweise nicht aus, wenn so viel Gas verbraucht wird wie im vorigen Winter. Regional droht ein Verknappungsrisiko.
Die zusätzlichen Gaseinkäufe reichen möglicherweise nicht aus, wenn so viel Gas verbraucht wird wie im vorigen Winter. Regional droht Verknappung.
Das Problem mit den Gasspeichern ist hinlänglich bekannt: Der 1. November rückt immer näher, die deutschen Gasspeicher sollten eigentlich zu 80 Prozent befüllt sein und haben am 8. Oktober noch nicht einmal die 60-Prozent-Marke erreicht. Obwohl die Gasunternehmen dabei sind, viel neues Gas zu kaufen, zeigt eine aktuelle Rechnung, dass das nicht ausreichen könnte, um Engpässe zu verhindern.
So voll müssen die Gasspeicher sein:
Deutschland steht vor einer Versorgungslücke von 26 Terawattstunden. Zu diesem Schluss kommt eine Modellrechnung des Energieinformationsdienstes Montel im Rahmen des diesmonatigen „Geopolitical Report“. Bei einem Entnahmeverlauf wie im vergangenen Winter würde die bereitgestellte Menge demnach nicht ausreichen, um den Gasbedarf zu decken. Einige der großen deutschen Gasspeicher könnten sich gar vollständig entleeren, warnt das Unternehmen.
In einzelnen Regionen bestünde dann – falls es auch noch zu einer Kältewelle kommt – Gasknappheit.
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Die Bundesregierung hat bereits reagiert und den Gaskonzern Sefe angewiesen, mehr Gas einzuspeichern. Bis zum 15. Dezember soll das Unternehmen acht TWh Gas zusätzlich zusammenbekommen. Montel geht dennoch von einer angespannten Lage aus. „Im größten deutschen Speicher Rehden sind derzeit nur rund 4,5 TWh Erdgas eingespeichert“, teilt das Unternehmen mit. Das entspräche einem Füllstand um die zwölf Prozent.
Der Speicher ist ein Teil des Speicherkomplexes Rehden, der zu 26,7 Prozent gefüllt ist. Die Speicherzone Nord hat daran einen Anteil von 7,4 TWh.
Und während noch die Frage im Raum steht, ob Sefe Rehden ausreichend befüllen kann, gibt es zudem mehrere andere Gasspeicher mit demselben Problem. Konkret geht es dabei um Porenspeicher: Die werden langsamer befüllt, weswegen sie deutlich geringere Füllstandsvorgaben erfüllen müssen als Kavernenspeicher. Sollten diese Speicher nicht die vorgegebenen Füllstände erreichen, geht die Modellrechnung von den erwähnten 26 TWh fehlenden Gases aus.
Zum Vergleich: Pro Tag verbraucht Deutschland durchschnittlich ungefähr 2,37 TWh. Wird es kalt, kann der Verbrauch aber drastisch steigen.
Das Worst-Case-Szenario wäre eine ausgeprägte Kältewelle im Februar. Dann sind die Speicher voraussichtlich weitestgehend entleert, und der zusätzliche Gasbedarf könnte aus der Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssigerdgas ein kritisches Versorgungsrisiko machen.
Trotz der niedrigen Füllstände ist die Bundesnetzagentur optimistisch. Auf ihrer Homepage teilt sie mit, dass sie die Gefahr einer angespannten Gasversorgung weiter als gering einschätzt. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Allerdings rät sie durchgehend dazu, dass private Verbraucher sparsam mit Gas umgehen sollten – das sei auch wegen der erhöhten Preise für Neukundenverträge sinnvoll.
„Ein vergleichsweise niedriger Speicherfüllstand am Ende des Winters ist wahrscheinlich.“ – Bundesnetzagentur
Allerdings sind die Speicher nur ein Teil der deutschen Gasbeschaffungsstrategie. Viel Gas kommt über den Import ins Land. Deutschland importiert viel Flüssigerdgas (LNG) über die Terminals an den Küsten, darüber hinaus kommt Gas über Pipelines ins Land. Wichtige Zulieferer sind Norwegen und die Vereinigten Staaten.
Marktbeobachter warnen bereits: Sollte es zu diesem Einkauf kommen, drohen deutliche Preissteigerungen im Großhandel. Mit einiger Verzögerung wird sich das auch auf Verbraucher auswirken – diese zahlen dann zuerst mehr für Neukundenverträge und später kann es auch Bestandskundenverträge treffen.
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