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Single braucht 700 Euro mehr Bruttolohn, um die Inflation auszugleichen

Дата публикации: 02-10-2026 05:22:00

Seit 2021 sind die Preise um 24,6 Prozent gestiegen. So stark trifft die Inflation Singles, Paare und Familien – und so viel Gehalt brauchen Sie.

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Seit Jahresbeginn 2021 stiegen die Preise in Deutschland um 24,6 Prozent. Nie seit der Wiedervereinigung stiegen die Preise in einem vergleichbaren Zeitraum so stark. Haushalte werden davon unterschiedlich getroffen.

Die vorläufige Inflationsrate liegt im September 2026 bei plus 3,3 Prozent. Damit setzt sich ein Trend fort, denn die Inflationsrate in Deutschland kletterte von Januar 2021 bis August 2026 um satte 24,6 Prozent. Bis zum vergangenen Jahr waren solche Raten innerhalb von 67 Monaten in Deutschland unbekannt.

Diese Rate ermittelt das Statistische Bundesamt mit einem statistisch zusammengestellten Warenkorb. Dabei hat es die schwere Aufgabe, diesen Korb so zu gestalten, dass er möglichst den Durchschnitt aller deutschen Haushalte abdeckt. Doch Menschen mit niedrigem Einkommen geben einen höheren Anteil ihres Einkommens etwa für Wohnen und Lebensmittel aus, dafür wenig bis gar nichts für Urlaube oder Luxusartikel. Bei Spitzenverdienern ist die Verteilung komplett anders.

Drei Musterhaushalte werden verglichen

So geben etwa Singles rund 43 Prozent ihrer Konsumausgaben für Wohnkosten aus. Dazu zählen Mieten, Heizung und Reparaturen. Bei kinderlosen Paaren sind es nur 36 Prozent der Ausgaben. Bei Familien sinkt der Anteil auf 35 Prozent. Dafür ist der Anteil der Lebensmittelausgaben an den Konsumausgaben bei Familien höher. Kinder wollen eben auch essen und trinken, bringen aber kein eigenes Einkommen ein.

Ähnliche Trends lassen sich auch bei anderen Warengruppen, etwa Bekleidung, Gesundheit und Verkehr erkennen. Wir haben drei Musterhaushalte verglichen:

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  • Alleinlebende Singles mit einem verfügbaren Einkommen von 2000 Euro im Januar 2021.
  • Kinderlose Paare mit einem verfügbaren Einkommen von 3500 Euro im Januar 2021.
  • Familien mit Kindern und einem verfügbaren Einkommen von 5000 Euro im Januar 2021.

Zur Vereinfachung der Rechnung gehen wir davon aus, dass das verfügbare Einkommen gleichzeitig auch die Höhe der Konsumausgaben darstellt. In der Praxis wird jeder Haushalt nicht sein komplettes Einkommen ausgeben, sondern einen Teil zurücklegen oder ansparen. Das Statistische Bundesamt gliedert die Konsumausgaben in zwölf Hauptgruppen.

  • Den Löwenanteil machen die Wohnkosten aus. Typische Singles mit 2000 Euro im Jahr 2021 hätten 852 Euro fürs Wohnen ausgegeben. Die Inflation dieser Kosten liegt seitdem bei 18,7 Prozent. Heute müsste der Single also 1011 Euro bezahlen. Bei Paaren steigen die Kosten im selben Zeitraum von 1270 auf 1506 Euro. Familien zahlen heute 2057 statt 1734 Euro.
  • Zweitgrößter Ausgabenposten sind Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Unser Mustersingle gab dafür im Jahr 2021 rund 265 Euro pro Monat aus. Hier schlägt die Inflation stark zu. Waren aus dieser Gruppe sind heute 32,7 Prozent teurer. Das erhöht die Kosten auf 351 Euro. Bei Paaren steigen sie von 492 auf 653 Euro. Familien zahlen heute 1014 statt 764 Euro.
  • Verkehr ist der drittgrößte Ausgabenposten. Diese Gruppe ist aber sehr gemischt. Sie beinhaltet sowohl den Kauf von Fahrzeugen als auch alle Arten von Kraftstoffen, Wartung und Reparatur. Doch auch Fahrkarten und Tickets für ÖPNV, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr fallen hier hinein. Die Preise haben sich aber sehr unterschiedlich entwickelt. Sprit kostet heute im Schnitt fast 77 Prozent mehr als im Januar 2021. Neue Pkw sind nur um 24 Prozent im Preis gestiegen, Bahntickets sogar nur um 12 Prozent. Insgesamt kommt die gesamte Ausgabengruppe aber auf 34,9 Prozent. Für unseren Single bedeutet das Ausgaben von 274 statt 203 Euro. Das Paar zahlt 568 statt 421 Euro und die Familie 840 statt 623 Euro.
  • Es gibt auch Bereiche, in denen die Preise gesunken sind. Das betrifft die Gruppe Information und Kommunikation. Hier sind etwa Mobilfunkverträge und Smartphones zusammengefasst. Die Tarife kosten heute rund 10 Prozent weniger als noch vor fünfeinhalb Jahren. Mobiltelefone sind etwa 0,4 Prozent günstiger. Insgesamt sind alle Preise dieser Gruppe um 0,2 Prozent gesunken. Auf den gesamten Haushaltskonsum hat das geringe Auswirkungen, denn Information und Kommunikation machen nur rund fünf bis sechs Prozent der Haushaltsausgaben aus.
So hoch liegt die persönliche Inflation

Zusammengerechnet hätte unser Mustersingle seit Januar 2021 eine Inflationsrate von 22,2 Prozent erlebt. Kinderlose Paare kämen auf 23,3 Prozent, Familien auf 23,5 Prozent. Auffällig ist zunächst, dass all diese Werte unter der offiziellen Inflationsrate von 24,6 Prozent liegen. Das liegt schlicht daran, dass der offizielle Index noch mehr Haushaltsformen einschließt. Dazu zählen etwa Alleinerziehende, Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhaushalte und alle Haushalte mit einem Einkommen von deutlich mehr als 5000 Euro im Monat oder deutlich weniger als 2000 Euro.

So viel mehr müssten Sie heute verdienen

Die von uns errechneten Zahlen geben aber auch an, wie stark Ihr Einkommen gestiegen sein müsste, damit Sie sich heute noch genauso viel leisten können wie vor fünfeinhalb Jahren.

  • Single: 2000 Euro Nettoeinkommen eines Singles entsprachen damals einem Bruttoeinkommen von rund 3000 Euro. Wir nehmen dabei an, dass Sie angestellt sind, gesetzlich krankenversichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag, keine Kirchensteuer zahlen und nicht in Sachsen wohnen. Um sich heute dasselbe leisten zu können, müsste das Gehalt des Singles auf rund 3700 Euro brutto angestiegen sein. Das wäre ein Plus von 23,3 Prozent.
  • Kinderlose Paare hätten für ihr Budget von rund 3500 Euro im Jahr 2021 gemeinsam ein Bruttoeinkommen von etwa 5100 Euro benötigt. Wir nehmen hier eine gemeinsame Veranlagung in den Steuerklassen IV/IV an. Heute müsste das Budget bei 4314 Euro liegen. Das entspricht einem Bruttoeinkommen von rund 6350 Euro. Das Paar hätte sein Einkommen also um fast 25 Prozent steigern müssen.
  • Familien hatten 2021 unser angenommenes Budget von 5000 Euro. Das beinhaltet auch das Kindergeld für zwei Kinder von damals 219 Euro pro Kind. Effektiv hätte also ein Bruttoeinkommen beider Partner gemeinsam von rund 7100 Euro ausgereicht, um das Budget zu decken. Heute liegt das Kindergeld bei 259 Euro je Kind. Das Budget ist aber auf 6175 Euro angewachsen. Entsprechend wäre ein Bruttoeinkommen von etwa 8800 Euro notwendig. Das ist ein Anstieg von rund 24 Prozent.

Die Rechnung zeigt: Um Ihr Budget zu halten, muss das Bruttoeinkommen ein wenig stärker steigen als die Inflationsrate. Das liegt erstens an den seit 2021 gestiegenen Sozialabgaben. Hier wiegt vor allem der Zusatzbeitrag der Krankenkassen schwer. Zweitens erreichen Sie mit höherem Bruttoeinkommen aber auch höhere Tarife in der Einkommensteuer. Von jedem zusätzlich verdienten Euro kommt netto also nur ein Teil bei Ihnen an. Dieser Effekt ist aber im Zeitraum von 2021 bis heute geringer, weil diese kalte Progression von den jeweiligen Bundesregierungen nahezu ausgeglichen wurde.

Die persönliche Inflation hängt stark vom Einzelfall ab

Selbst unsere drei Musterhaushalte sind nur sehr grobe Typisierungen. Die persönliche Inflationsrate kann sich noch deutlich nach anderen Merkmalen unterscheiden. Ärmere Haushalte zahlen etwa deutlich mehr ihres Einkommens für Wohnen und Lebensmittel. Wohlhabende Haushalte geben prozentual mehr für Bekleidung und Schuhe aus. Deren Inflationsrate liegt mit 7,6 Prozent deutlich unter der offiziellen Teuerung. Reiche Haushalte haben auch höhere Ausgaben für Tech-Gadgets, deren Preise weniger stark wachsen.

Auch der Wohnort spielt eine Rolle. Wer in der Großstadt wohnt, fährt tendenziell mehr mit Bus und Bahn. Deren Preise sind aber deutlich schwächer gestiegen als für Sprit. Darauf sind aber wiederum Menschen angewiesen, die auf dem Land wohnen. Wer ein Eigenheim mit Wärmepumpe hat, ist beim Heizen zudem nur von der Teuerung von Strom (17 Prozent) betroffen, aber weniger von der von Erdgas (77 Prozent) oder gar Heizöl (95 Prozent).

So haben wir gerechnet

Wir haben für einige Musterhaushalte die eigene Inflationsrate berechnet. Grundlage dafür ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Für die EVS befragt das Statistische Bundesamt Zehntausende Haushalte zu ihren Einnahmen und Ausgaben. Die letzten Zahlen sind noch von 2023. Das Statistische Bundesamt erstellt daraus eine Tabelle, aus der hervorgeht, wie sich die Ausgaben in verschiedenen Haushaltskonstellationen verteilen.

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