Russland investiert in Putins Langlebigkeitsprojekt, während Gesundheit und Krebsforschung gekürzt werden. Gleichzeitig steigt der Militärhaushalt.
Russland steckt Millionen in Technologien gegen das Altern. Gleichzeitig sinken die Ausgaben für Gesundheit und Krebsforschung, während der Militärhaushalt einen Rekord erreicht.
Russland will in den kommenden Jahren viel Geld in die Erforschung eines längeren und gesünderen Lebens stecken. Im Haushaltsplan für 2027 bis 2029 sind laut dem ukrainischen Nachrichtenportal „UA News“ rund 221 Millionen Dollar für das nationale Projekt „Neue Technologien für den Gesundheitsschutz“ vorgesehen.
Offiziell geht es um neue Medikamente, Fortschritte in der Biomedizin und Technologien für ein längeres Leben. Doch laut „Wall Street Journal“ (WSJ) steht das staatliche Forschungsprogramm auch im Zusammenhang mit Wladimir Putins persönlichem Interesse an der Verlängerung des menschlichen Lebens. Der Kreml hat ein solches Ziel bislang nicht offiziell bestätigt.
Für 2027 sind demnach rund 70,5 Millionen Dollar vorgesehen, 2028 sollen es knapp 79,9 Millionen Dollar sein. Für 2029 sind weitere 71,1 Millionen Dollar eingeplant. Damit würde Russland auch dann noch mehr Geld für das Programm ausgeben als 2026.
Besonders interessant ist, wofür das Geld verwendet werden soll: Rund 13,9 Millionen Dollar sind 2027 für „biomedizinische und kognitive Technologien der Zukunft“ vorgesehen. Davon entfallen etwa 3,5 Millionen Dollar auf den 3D-Druck von Gewebe und Organen, 7,7 Millionen Dollar auf Prävention und Technologien für gesundes Altern und weitere 1,7 Millionen Dollar auf die Erforschung der Ursachen des Alterns.
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Die Forschung klingt dabei teilweise nach Science-Fiction. Russische Wissenschaftler versuchen unter anderem, die Alterung von Zellen mit Gentherapie zu verlangsamen und Organe für Transplantationen zu züchten. Auch gentechnisch veränderte Minischweine spielen eine Rolle: In ihnen könnten künftig Organe für Menschen heranwachsen. Das erste entsprechende Tier soll laut den Berichten bis 2030 geschaffen werden.
Das „Wall Street Journal“ berichtet zudem, dass der fast 74-jährige Putin bereits seit Jahren ein besonderes Interesse an Anti-Aging-Forschung zeigt. Das staatliche Programm wurde 2024 gestartet. Zu den Technologien, die Russland vorantreiben will, gehören Bioprinting und die sogenannte Xenotransplantation – also die Züchtung menschlicher Organe in genetisch veränderten Tieren.
Die wissenschaftlichen Erfolgsaussichten sind offen. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass die von Putins Umfeld vorangetriebene Forschung bislang nur wenige Ergebnisse in internationalen, begutachteten Fachzeitschriften hervorgebracht habe. Der russische Bioprinting-Forscher Alexander Ostrovskiy bezeichnete entsprechende Aussagen deshalb eher als Zielvorstellungen denn als nachgewiesene Ergebnisse.
Aufschlussreich ist der Blick auf den russischen Haushalt für 2027. Während der Kreml derlei neue Technologien fördern will, sollen die Ausgaben für andere zivile Bereiche sinken. Nach Angaben der „Moscow Times“ werden die geplanten Gesundheitsausgaben gegenüber den zuvor vorgesehenen Mitteln für 2027 um 5,5 Prozent reduziert. Die Ausgaben für Bildung sollen um 5,4 Prozent und die Sozialausgaben um sechs Prozent sinken.
Auch innerhalb des Gesundheitsbereichs gibt es deutliche Verschiebungen. Das Programm „Long and Active Life“, das Gesundheitsinitiativen unterstützt, soll dem Bericht zufolge von 181,1 Milliarden Rubel im Jahr 2026 auf 145,9 Milliarden Rubel 2027 sinken. Das entspricht einem Rückgang von rund 20 Prozent.
Noch drastischer fällt die Veränderung beim staatlichen Krebsprogramm aus: Die dafür vorgesehene Summe soll laut „Moscow Times“ von 44,9 Milliarden auf 3,9 Milliarden Rubel fallen.
Einen direkten Zusammenhang zwischen den Kürzungen bei einzelnen Gesundheitsprogrammen und der Finanzierung von Putins Langlebigkeitsforschung belegen die vorliegenden Dokumente nicht. Die Programme stehen in unterschiedlichen Haushaltspositionen.
Auffällig ist allerdings, wohin Russland seine finanziellen Mittel stattdessen lenkt: Während bei Gesundheit, Bildung und Sozialleistungen gespart werden soll, steigen die geplanten Ausgaben für das Militär auf ein Rekordniveau.
Für 2027 sind nach Angaben der „Moscow Times“ 17,1 Billionen Rubel für die Verteidigung vorgesehen. Das entspricht rund 205 Milliarden Dollar und wäre etwa 26 Prozent mehr als im vorherigen Haushalt für dieses Jahr eingeplant war. Rund ein Drittel der gesamten Ausgaben des russischen Bundeshaushalts würde damit auf die Verteidigung entfallen.
Der Kontrast ist damit deutlich: Auf der einen Seite investiert der Kreml in hochambitionierte Forschung für ein längeres Leben. Auf der anderen Seite werden zivile Bereiche zurückgefahren, während der Kriegshaushalt immer weiter wächst.
Die höheren Militärausgaben müssen finanziert werden. Russland plant deshalb unter anderem weitere Steuererhöhungen. Laut „Moscow Times“ sollen die zusätzlichen Einnahmen aus den geplanten Steuermaßnahmen rund 1,5 Billionen Rubel betragen. Vorgesehen sind unter anderem höhere Abgaben auf bestimmte Kapitaleinkünfte sowie neue Belastungen für Online-Einkäufe aus dem Ausland.
Gleichzeitig steigt die Verschuldung des Staates. Für 2027 ist dem Bericht zufolge eine Kreditaufnahme von 6,1 Billionen Rubel vorgesehen. Die Kosten für den Schuldendienst sollen bei 4,6 Billionen Rubel liegen.
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