Das Ziel ist es, mehr Öl nach Asien zu verkaufen und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Der Bau könnte im kommenden September 2027 beginnen.
Kanada will mit einer neuen Ölpipeline mehr Rohöl nach Asien exportieren und seine Abhängigkeit von den USA verringern. Doch der Bau ist noch nicht endgültig genehmigt.
Kanada macht den Weg für eines der größten Energieprojekte des Landes frei: Premierminister Mark Carney hat die geplante Pacific Link Pipeline am 1. Oktober als Projekt von nationalem Interesse eingestuft. Damit erhält das Vorhaben ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren, wie die norwegische Wirtschaftszeitung „Finansavisen“ berichtet. Die Pipeline soll künftig bis zu eine Million Barrel Rohöl pro Tag von Alberta an die kanadische Westküste transportieren. Von dort könnte das Öl vor allem nach Asien exportiert werden.
Was Kanada mit der Pipeline erreichen will:
Das Projekt ist Teil von Carneys Strategie, die kanadische Wirtschaft unabhängiger von den USA zu machen. Rund 90 Prozent des Öls aus der Provinz Alberta gehen derzeit in die USA, sagte Carney. Mit Pacific Link soll nun ein zusätzlicher Zugang zu internationalen Märkten entstehen.
Die geplante Pipeline soll rund 1250 Kilometer lang werden. Sie soll in Bruderheim in der Provinz Alberta beginnen und bis zur Pazifikküste von British Columbia führen. Dort ist ein Tiefwasser-Terminal vorgesehen, das auch große Rohöltanker abfertigen kann.
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Die Kosten könnten zwischen 35,2 und 43,7 Milliarden kanadischen Dollar liegen – rund 22 bis 27,3 Milliarden Euro. Die genaue Summe steht allerdings noch nicht fest, weil Route, technische Planung und weitere Details des Projekts noch ausgearbeitet werden.
Kanada und die Provinz Alberta sollen das Projekt gemeinsam kontrollieren. Die beiden Regierungen sollen jeweils 45 Prozent halten. Der Pipelinekonzern Pembina soll zunächst zehn Prozent übernehmen und könnte seinen Anteil später auf 20 Prozent erhöhen. Indigenen Gemeinschaften soll mindestens eine Beteiligung von zehn Prozent angeboten werden.
Für Premierminister Carney geht es bei dem Projekt nicht nur um eine neue Pipeline. Es geht um die strategische Ausrichtung des Landes.
„Pacific Link ist entscheidend für diese Mission“, sagte Carney bei seinem Auftritt in Fort McMurray, dem Zentrum der kanadischen Ölsand-Industrie. Kanada habe die Chance, zu einer globalen Energiemacht aufzusteigen.
Kanada ist beim Export seines Rohöls stark vom US-Markt als Abnehmer abhängig. Die bestehende Trans-Mountain-Pipeline zur kanadischen Westküste wurde 2024 erweitert und kann mittlerweile rund 890.000 Barrel pro Tag transportieren. Sie läuft nach Angaben von Reuters bereits mit hoher Auslastung.
Pacific Link würde eine zusätzliche Exportmöglichkeit schaffen. Das Öl könnte über die Pazifikküste unter anderem nach China, Japan, Südkorea und Indien gelangen.
Für Kanada ist das angesichts des angespannten Verhältnisses zu den USA besonders wichtig. Der Handelskonflikt mit US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf Ottawa erhöht, neue Absatzmärkte zu erschließen.
Ganz so weit, wie es die Ankündigung zunächst vermuten lässt, ist das Projekt allerdings noch nicht. Gebaut wird derzeit noch nicht. Die Einstufung als Projekt von nationalem Interesse beschleunigt zwar das Verfahren, ersetzt aber nicht sämtliche Prüfungen und Genehmigungen.
Die kanadische Regierung will die Bedingungen für das Projekt bis zum 1. September 2027 festlegen. Dazu gehören unter anderem Vorgaben für Umwelt- und Sicherheitsstandards sowie die Beteiligung indigener Gemeinschaften. Sind die erforderlichen Prüfungen, Konsultationen und Genehmigungen abgeschlossen, könnte der Bau anschließend beginnen. Alberta nennt deshalb den 1. September 2027 als möglichen frühesten Baubeginn. Als Fertigstellung wird derzeit 2032 angepeilt.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Wirtschaftlichkeit. Die Pipeline soll zwar eine Million Barrel Öl pro Tag transportieren. Damit sie tatsächlich ausgelastet wird, müssen allerdings genügend Produzenten langfristig Transportkapazitäten buchen. Zudem müssen die endgültigen Investitionsentscheidungen noch getroffen werden.
Die genaue Route, die Kostenschätzung und weitere Investitionsbedingungen sollen im weiteren Prüfverfahren festgelegt werden. Auch die langfristige Finanzierung des Milliardenprojekts ist noch nicht abgeschlossen.
Hinzu kommt: Damit die Pipeline ihre volle Kapazität erreicht, müsste die Ölproduktion in Alberta weiter steigen. Reuters weist darauf hin, dass dafür neue Ölsand-Projekte notwendig wären.
Die geplante Route führt durch British Columbia und soll weitgehend in der Nähe des bestehenden Trans-Mountain-Korridors verlaufen. Damit will die Regierung besonders sensible Gebiete an der Nordküste umgehen.
Gleichzeitig steigt mit dem zusätzlichen Ölexport auch der Schiffsverkehr an der Pazifikküste. Für die Regierung ist deshalb der Ausbau der Infrastruktur am Roberts Bank Terminal ein wichtiger Bestandteil des Projekts.
Auch die Rechte indigener Gemeinschaften sind ein zentraler Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Die Regierung gibt an, bereits mehr als 130 indigene Gemeinschaften entlang möglicher Routen konsultiert zu haben. Die Gespräche sollen während des gesamten Prüfverfahrens fortgesetzt werden.
Kanada verfügt über enorme Ölvorkommen, hatte bislang aber ein Problem: Ein großer Teil des Rohöls landet auf dem US-Markt. Mit einer zweiten großen Exportverbindung zur Pazifikküste könnte Kanada seine Abnehmer stärker diversifizieren.
Das könnte den kanadischen Ölproduzenten mehr Auswahl bei ihren Abnehmern verschaffen. Gleichzeitig bedeutet die Pipeline aber nicht automatisch sinkende Ölpreise für Verbraucher. Der Rohstoff wird auf einem globalen Markt gehandelt, und die tatsächlichen Auswirkungen hängen unter anderem von Fördermenge, Nachfrage, Transportkosten und Weltmarktpreis ab.