Markus Söder will Berlin beim Länderfinanzausgleich unter Druck setzen. So funktioniert das System und so lässt es sich ändern.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte Berlin Mittel aus dem Länderfinanzausgleich kürzen. Dahinter steckt ein komplexes System, aus dem Bayern nicht einfach aussteigen kann.
Der Länderfinanzausgleich (LFA) ist ein Mechanismus, bei dem finanzstarke Bundesländer Teile ihrer Überschüsse an finanzschwache Bundesländer abgeben. Praktisch geschieht das darüber, dass der Bund die Verteilung der Umsatzsteuereinnahmen jedes Jahr anpasst. Die werden nach einem bestimmten Schlüssel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt. Es gibt also keine direkten Zahlungen zwischen Bundesländern. Seit 2020 heißt er offiziell Finanzkraftausgleich.
Im Kaiserreich und zuvor im Norddeutschen Bund gab es zwar bereits finanzielle Beziehungen zwischen den Gliedstaaten und dem Zentralstaat, aber noch keinen Ausgleich zwischen reichen und armen Ländern. Ein solcher entstand erst in der Weimarer Republik, wurde aber von den Nationalsozialisten wieder abgeschafft.
Nach Gründung der Bundesrepublik wurde 1950 wieder ein Länderfinanzausgleich eingeführt. Eine große Finanzreform legte 1969 die Grundlagen des späteren Systems. Sie regelte unter anderem die Aufteilung von Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Seit 2020 gilt eine neue Form des Länderfinanzausgleichs.
Seit 2020 funktioniert das System so:
Praktisch gab es im vergangenen Jahr vier „Geberländer“, die Abschläge bekamen. Am größten war er in Bayern mit rund 11,7 Milliarden Euro. Baden-Württemberg und Hessen bekamen jeweils rund vier Milliarden Euro weniger. Für Hamburg waren es rund 300 Millionen Euro.
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Alle anderen zwölf Bundesländer bekamen Zuschläge. Den geringsten erhielt Schleswig-Holstein mit 300 Millionen Euro, die drei größten gingen an Berlin (4,2 Milliarden Euro), Sachsen (3,5 Milliarden Euro) und Thüringen (2,2 Milliarden Euro).
Bayern kann nicht einfach Zahlungen kürzen oder einstellen. Praktisch wird auch kein Geld von Bayern nach Berlin überwiesen. Stattdessen verteilt der Bund die Steuereinnahmen nach dem obigen System. Änderungen daran wären nur mit einem Gesetz möglich, dem sowohl Bundestag als auch Bundesrat zustimmen. Das dürfte aber wohl kaum Berlin als einziges Bundesland benachteiligen. Änderungen am 63-Prozent-Ausgleichssatz oder der höheren Wertung von Stadtstaaten würden aber wohl kaum eine Mehrheit finden. Schließlich profitieren 12 von 16 Bundesländern von dem aktuellen System.
Es gibt aber ein anderes Verfahren. Laut Grundgesetz dürfen Bundesregierung, Bundestag oder drei Bundesländer gemeinsam ab 2031 eine Neuverhandlung verlangen. Die muss dann innerhalb von fünf Jahren zu einem Ergebnis führen. Ansonsten tritt das bisherige System außer Kraft.
Bayern geht bereits seit 2023 vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das System vor. Die Staatsregierung hält mehrere Regeln des Finanzkraftausgleichs für verfassungswidrig. Eine Entscheidung steht noch aus.
„Geberländer bezahlen Wohltaten der Nehmerländer“
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