Russlands Banken haben wachsende Probleme mit nicht bedienten Krediten. Eine wichtige Bank spricht eine Warnung aus. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Russlands Banken haben wachsende Probleme mit nicht bedienten Krediten. Eine Lösung ist nicht in Sicht, darum warnt eine der wichtigsten Banken vor dem mehrmonatigen „Trend“.
Hohe Zinsen und das schwächelnde Wirtschaftswachstum belasten Russlands Banken. Eine aktuelle Warnung aus der Sberbank verdeutlicht das Problem. Ihr Finanzvorstand, Taras Skworzow, gibt an, dass die staatlich kontrollierte Bank immer mehr faule Kredite beklagt. Zu viele Unternehmen lassen ihre Schulden unbeglichen. Eine andere Bank fürchtet, ausstehende Zahlungen in Höhe von acht Milliarden US-Dollar aufgeben zu müssen.
Das Wichtigste in Kürze:
Ein grundlegendes Problem dabei: Die finanzielle Lage vieler russischer Unternehmen ist zu schwach. Das berichtet „Moscow Times“ unter Berufung auf Skworzow. Die Krise kommt nicht plötzlich, sie baut sich schon seit längerer Zeit auf.
„Seit einigen Monaten beobachten wir einen stetigen Trend zu mehr überfälligen Krediten und einer Verschlechterung der finanziellen Lage von Firmenkunden.“ – Taras Skworzow
Das Problem zeigt einen wachsenden Druck, der auf dem Bankensektor als Ganzes lastet. Skworzow gibt an, dass verschiedenste Branchen von diesen Schwierigkeiten betroffen sind. Darunter Wohnungsbauprojekte, der Einzelhandel, Gewerbeimmobilien und Online-Marktplätze. Über die vergangenen Monate war zudem immer wieder von Insolvenzen oder drastischen Sparmaßnahmen zu lesen, selbst bei wichtigen Unternehmen oder für die Wirtschaft überlebenswichtigen Branchen.
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Gleichzeitig ist das Haushaltsdefizit viel höher als zu Jahresbeginn geplant. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das Defizit im Jahr 2026 bei um die drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts stehen soll.
Befeuert wird diese Schwäche im russischen Bankensektor von westlichen Sanktionen: Unter anderem haben viele russische Banken keine Anbindung mehr zum wichtigen globalen SWIFT-Nachrichtennetzwerk. Russische Vermögenswerte in Milliardenhöhe sind im Westen eingefroren, außerdem sind internationale Portfolioinvestitionen fast zum Erliegen gekommen.
Die „Bank of Finland“ hat in einer aktuellen Analyse festgestellt, dass der durchschnittliche Anteil der notleidenden Unternehmenskredite im gesamten Sektor weiter unter vier Prozent liegt. Der Anteil der „Problemkredite“ soll unter zwölf Prozent des gesamten Kreditvolumens an Unternehmen liegen. Das seien zwar keine „alarmierenden Werte“, aber das Volumen der notleidenden Kredite wächst – zwischen Juni 2025 und Juni 2026 waren es 13 Prozent mehr. Außerdem gibt sie zu bedenken, dass die restrukturierten Kredite nicht immer in den Gesamtzahlen der Russischen Zentralbank gelistet sind.
„Angesichts der zunehmenden Unternehmensinsolvenzen ist es unwahrscheinlich, dass dieses Problem in absehbarer Zeit verschwinden wird.“ – Bank of Finland
Wichtig dabei: Der Durchschnittswert kann drastisch schwanken, je nachdem, welche Bank man sich ansieht. Vor wenigen Wochen hatte zum Beispiel „Bloomberg“ berichtet, dass die Credit Bank of Moscow PJSC etwa 27 Prozent ihres Unternehmenskredite-Portfolios als problematisch einstuft. Es geht um Schulden in Höhe von umgerechnet acht Milliarden US-Dollar, die aller Vermutung nach nie zurückgezahlt werden.
Hinter alldem steht der Ukraine-Krieg, der für Russland mehr und mehr zu einer wirtschaftlichen Falle wird. 2025 veröffentlichte der Forscher Craig Kennedy einen ausführlichen Report, demzufolge der Kreml-Chef Wladimir Putin den Bankensektor ausnutze, um zusätzliche Kriegsfinanzierung zu erwirken. Im Kern brachte der Kreml die Banken dazu, bestimmten Unternehmen Kredite zu Konditionen zu gewähren, die der Markt eigentlich nicht hergab. Das Ziel dahinter: Der Staatshaushalt sollte weniger belastet werden, um den Krieg zu finanzieren.
Die Unternehmen, die davon profitierten, produzierten entweder direkt für die Kriegswirtschaft oder waren zumindest an sie angebunden. Kennedy sprach in diesem Zusammenhang von einem Grundstock an „toxischen Krediten“, der den Markt für Unternehmerkredite in Russland überschwemmen sollte.
Das, was jetzt in Form solcher Warnungen wie der des Sberbank-Finanzvorstands zutage tritt, ist eine Konsequenz daraus. Russlands Banken brauchen viel Geld, aber der Kreml genauso – und die wachsenden Kriegskosten verschlingen Unsummen. Solange der Krieg in der Ukraine währt, werden diese Probleme kaum schrumpfen.
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