Eigentlich will die EU alle Importe russischen Gases stoppen. Beim LNG dauert es jedoch noch länger. Das nutzt die EU für Milliarden-Zukäufe.
Eigentlich will die EU alle Importe russischen Gases stoppen. Beim LNG dauert es jedoch noch länger. Das nutzt die EU für Milliarden-Zukäufe.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 hat die EU etwa 7,88 Milliarden Euro für Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) ausgegeben, das aus einem russischen Energieprojekt stammt. Insgesamt soll es sich um etwa 12,2 Millionen Tonnen LNG handeln, das an europäischen Häfen abgeliefert wurde. Und das in einer Zeit, in der die EU Sanktionen gegen russische Energieimporte verhängt und den Import schrittweise verbietet.
Das müssen Sie dazu wissen:
Im Detail betrifft das LNG-Importe aus dem Jamal-Projekt in Sibirien. Im Zeitraum Januar bis September fielen die Importe um 9,5 Prozent höher aus, als es im Vorjahr der Fall gewesen war. Fast drei Viertel der EU-Lieferungen im September gehen auf Frankreich zurück. Wie „Euronews“ unter Berufung auf Kpler-Daten berichtet, waren auch die Niederlande und Portugal unter den Abnehmern. Die spanischen Terminals und Zeebrugge in Belgien hatten im September keine LNG-Lieferungen aus der Arktis zu verzeichnen.
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Was die arktischen LNG-Importe so besonders macht: Sie sind auf spezialisierte Tankschiffe angewiesen, die das flüssige Gas über die Nordmeerroute entweder nach Europa oder Asien bringen. Die Umweltgruppierung Urgewald fordert eine Verschärfung der geltenden EU-Richtlinien und will, dass das Länderbündnis die LNG-Lieferungen aus der Arktis schärfer sanktioniert.
Bestimmte LNG-Lieferungen sind also noch erlaubt – ein Großteil der Einfuhrkapazitäten ist durch langfristige Verträge gebunden. Die eigentliche Bewährungsprobe für die Jamal-Lieferungen steht also erst 2027 bevor. Urgewald reicht das nicht aus.
„Die EU sollte nicht untätig darauf warten, dass das Embargo von 2027 in Kraft tritt. Das nächste Sanktionspaket sollte die verbleibenden Schlupflöcher schließen – vor allem jene, die den Betrieb der unverzichtbaren Arc7-LNG-Tankerflotte ermöglichen.“ – Aus einem Statement von Urgewald
Die Zeit, Alternativen zu finden, läuft ab – ganz abgesehen davon, dass teilweise die Infrastruktur ausgebaut oder neu aufgebaut werden muss, um Gas anderer Zulieferer abzunehmen. Über die vergangenen Jahre war als potenzieller Lieferant für Pipeline-Gas Aserbaidschan im Gespräch.
Und Deutschland hat selbst im EU-Vergleich niedrige Gasspeicher-Füllstände. Am 12. Oktober waren die Speicher laut Bundesnetzagentur etwas weniger als 60 Prozent gefüllt. Innerhalb der vergangenen Wochen hatten die leeren Speicher viel Aufmerksamkeit erregt; vor allem, weil die Regierung bereits eingeschritten ist und den Gaskonzern Sefe mit dem Zukauf von Gas beauftragt hat.
Ein Engpass besteht nicht. Die Bundesnetzagentur verweist regelmäßig auf die Importkapazitäten und den Weltmarkt. Bei Bedarf kann Deutschland seinen Bedarf decken.
Auch wenn die LNG-Importe von Russland in die Europäische Union aufs ganze Jahr gerechnet noch hoch waren, gab es zuletzt einen drastischen Einbruch. Laut dem Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) gingen die Importmengen an russischem LNG zwischen Juli und August um 46 Prozent zurück. Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine waren die Einfuhren nicht so niedrig gewesen. CREA zufolge ist die EU dennoch der größte Käufer von russischem LNG – 49 Prozent der Ausfuhren fließen nach Europa. Dahinter folgen China (24 Prozent) und Japan (18 Prozent).
Russlands Haushalt ist erheblich auf die Verkäufe von Energieprodukten wie Öl und Gas angewiesen. Die westlichen Ukraine-Verbündeten haben sich daher früh darauf verlegt, diese Einkünfte zu beschneiden, um Russlands Kriegsfähigkeit zu schwächen. Wie sich dieses Gasverbot mit den europäischen Füllstandsvorgaben verträgt, wird sich spätestens im Winter 2027/2028 herausstellen.
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