Kameras in Ferienwohnungen und Hotelzimmern sind kein Einzelfall. Wie Sie sie erkennen, sich schützen und rechtlich vorgehen können.
Kameras in Ferienwohnungen und Hotelzimmern sind kein Einzelfall. Wie Sie sie erkennen, sich schützen und rechtlich vorgehen können.
Die Herbstferien stehen in vielen Bundesländern bevor oder haben bereits begonnen – für viele Menschen ist das die Zeit für einen Kurzurlaub oder eine Reise. Wer eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer bucht, verlässt sich darauf, dass die eigenen vier Wände für die Dauer des Aufenthalts wirklich privat sind.
Dass diese Erwartung nicht immer erfüllt wird, zeigen Berichte über Vermieter, die heimlich Kameras in ihren Unterkünften installieren. Manchmal steckt ein falsch verstandenes Sicherheitsbedürfnis dahinter, weil Gastgeber ihr Eigentum schützen wollen. In anderen Fällen verbirgt sich eine weitaus bedenklichere Absicht, wenn Gäste ohne ihr Wissen gefilmt und die Aufnahmen später verbreitet werden.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Besonders häufig richten sich die Objektive auf das Bett oder auf den Bereich rund um die Dusche, weil dort die größte Intimität herrscht. Da solche versteckten Miniaturkameras schon für wenige Euro im Internet erhältlich sind, ist die Hemmschwelle für ihren Einsatz gesunken, während die Erkennung gleichzeitig schwieriger geworden ist.
Wie real die Gefahr ist, zeigen öffentlich gewordene Vorfälle: So wurde im Oktober 2025 bekannt, dass ein Vermieter in Italien Bewohner heimlich durch versteckte Kameras in Duschkabinen, Deckenlampen und sogar in der Waschmaschine gefilmt haben soll – bis eine Studentin im Badezimmer eine Kamera entdeckte und die Polizei verständigte.
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Ein britisches Ehepaar fand im Sommer 2026 in einer spanischen Ferienwohnung eine auf das Bett gerichtete Kamera und war deshalb gezwungen, die Unterkunft zu verlassen. Airbnb selbst räumte vor Gericht ein, binnen zehn Jahren mit rund 35.000 Hinweisen auf Überwachungsgeräte in Wohnungen konfrontiert worden zu sein.
Haben Sie eine verdächtige Kamera entdeckt, sollten Sie das Gerät weder entfernen noch zerstören, sondern zunächst fotografieren und an Ort und Stelle belassen, um Beweise nicht zu vernichten. Anschließend ist es ratsam, die Polizei zu informieren und parallel die Buchungsplattform sowie den Vermieter zu benachrichtigen.
Verlassen Sie die Unterkunft, wenn Ihnen unwohl ist, und bestehen Sie auf einer vollständigen Erstattung, denn ein solcher Eingriff in Ihre Privatsphäre stellt einen erheblichen Reisemangel dar.
In Deutschland stellt Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen unter Strafe, wenn eine Person in einer Wohnung ohne ihr Wissen gefilmt wird.
Vergleichbare Regelungen gelten auch in Österreich und der Schweiz sowie weiteren Teilen Europas, sodass Betroffene nicht rechtelos gestellt sind. Neben einer strafrechtlichen Verfolgung des Vermieters können auch Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend gemacht werden, wenn es durch den Vorfall zum Beispiel zu psychischen Folgeschäden kommt.
Einen hundertprozentigen Schutz vor versteckten Kameras gibt es nicht, doch lässt sich das Risiko bereits bei der Auswahl der Unterkunft verringern. Bewertungen früherer Gäste geben oft erste Hinweise, wenn dort schon von ungewöhnlichen Beobachtungen berichtet wird.
Wer zusätzliche Sicherheit sucht, ist bei etablierten Hotelketten mit einheitlichen Qualitätsstandards häufig besser aufgehoben, weil dort feste Vorgaben zur Zimmerausstattung gelten und einzelne Mitarbeiter kaum unbemerkt eigene Kameras installieren können.
Bei privat vermieteten Ferienwohnungen lohnt sich zudem ein Blick in die Nutzungsbedingungen der Plattform, da viele Anbieter wie Airbnb Kameras in Innenräumen inzwischen ausdrücklich untersagen. Wer diese Hinweise mit einer kurzen Kontrolle bei der Ankunft verbindet, reist anschließend deutlich beruhigter.
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