Der Prozess um die Ermordung von Tupac Shakur hat gezeigt, wie eng die blutigen L.-A.-Bandenkriege mit der Geschichte des Gangsta-Rap verflochten sind.
Der Prozess um die Ermordung von Tupac Shakur hat gezeigt, wie eng die blutigen L.-A.-Bandenkriege mit der Geschichte des Gangsta-Rap verflochten sind.
14.10.2026, 15.28 Uhr
11 Leseminuten

Axel Koester / Corbis Historical / Getty
Im Spätsommer 1974 treffen sich in South Central Los Angeles sechs junge Afroamerikaner. Ausgerüstet mit halbautomatischen Waffen, setzen sie sich in einen Ford Mustang, den einer von ihnen gerade gestohlen hat. Die herbstliche Dämmerung legt sich über das weite Einerlei ärmlicher Ein- oder Zweifamilienhäuser, während der Mustang durch eine staubige Strasse langsam immer tiefer in feindliches Territorium rollt.
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Schliesslich passiert der Wagen eine Gruppe junger Männer, die sich am Strassenrand versammelt haben. Hinter dem nächsten Block hält er an. Von hier können sich die Bewaffneten zwischen Büschen und Bäumen unbemerkt den Feinden nähern. Als diese die Attacke bemerken, ist ihr Schicksal schon besiegelt. Die Angreifer springen aus dem Schatten heraus und schiessen los. Kody Scott beobachtet zuerst, wie die Gestalten dumpf zu Boden fallen. Dann leert auch er das Magazin seiner Pump-Gun.

PD
Wenn die Aktion später gefeiert wird, ist Kody noch wie im Rausch. Für ihn war das ein ganz spezieller Abend: eine Initiation. Erst musste sich der Elfjährige von den Kollegen verprügeln lassen. Macht nichts, das muss aushalten, wer zur Bande gehören will. Vor allem aber durfte er danach zum ersten Mal dabei sein bei einem Shooting. Tatsächlich ist ihm eine grosse Gangsterkarriere beschieden. Für seinen Mut und seine Kaltblütigkeit wird er dereinst mit dem Übernamen «Monster» belohnt.
1994 veröffentlicht Kody Scott aus dem Gefängnis heraus seine Autobiografie: «Monster. The Life of an L. A. Gang Member». Die Schilderung seiner mörderischen Gang-Initiation lässt er darin in eine überraschende Beichte münden: «Während ich hellwach in meinem Bett lag, empfand ich Schuldgefühle und schämte mich meiner selbst (. . .) Ich versuchte, meine Handlungen mit jedem nur erdenklichen, halbwegs vernünftigen Grund zu rechtfertigen. Es gab keinen.»
Stillschweigen trotz aller BrutalitätIn den letzten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts herrscht ein blutiger Gang-War in South Central Los Angeles. Er bestimmt die Existenz Tausender Teenager, die seine Ursache und Geschichte nicht verstehen. Sie waren zu jung oder noch nicht geboren, als die Fehde Anfang der siebziger Jahre entflammte. Die Gang erweist sich für sie als ein Schicksal. Je nachdem, in welcher Nachbarschaft sie aufgewachsen sind, haben sie sich den Crips oder den Bloods anschliessen müssen, die gegeneinander um die Kontrolle einzelner Quartiere kämpfen.
Die Konfliktlage ist insofern noch komplexer. Fast jeder Strassenzug bildet ein eigenes «Set» – eine männerbündische Untereinheit der Gang, die auf strenger Loyalität und einer Hierarchie beruht. Kody Scott gehört zum Set der Eight-Tray-Crips, das mit dem Set der Rolling Sixties auf Kriegsfuss steht, obwohl beide zur gleichen Gang gehören.
Viele schwarze Kinder in South Central wachsen in Zeiten des Gang-Wars bei einer Mutter auf, die vom Vater längst verlassen wurde. Oft leiden Familien auch unter der Armut oder der Drogensucht der Eltern. Für Kinder und Jugendliche bedeutet das Set so oft eine Art Ersatzfamilie. Die Ghetto-Kids schauen hier zu den Älteren hoch und orientieren sich an deren Verhalten, Kleidern und Sprache – aus Brüdern werden «niggaz», aus Schwestern «bitches».

Axel Koester / Corbis Historical / Getty
Primäre Aufgaben des Sets sind Schutz und Rache. Der Feind mag eine Grenze überschritten, einen Gangster verhöhnt oder erschossen haben. Alles muss solidarisch vergolten und an Brutalität überboten werden. Die Blutrache ist das Getriebe des Gang-Wars, der laut Kody Scott mehr Opfer gefordert hat als der nordirische Bürgerkrieg.
Um nicht in Feindesland zu geraten, verlassen Gangster die eigene Nachbarschaft wenn möglich nicht – oder wenn schon, für eine Racheaktion im Verbund ihres Sets. Viele junge Männer hätten deshalb die kalifornische Pazifikküste nie gesehen, schrieb die Journalistin Léon Bing in ihrem Buch «Do or Die» (1991). Ende der achtziger Jahre hatte sie dafür zahlreiche Interviews mit Häftlingen geführt.
In den kalifornischen Gefängnissen, die sich seit den siebziger Jahren mit Abertausenden schwarzen Männern füllen, schwelt der Gang-War weiter. Jede Gelegenheit wird genutzt, um Feinde zu schlagen, zu foltern, zu töten. Kody Scott berichtet, wie Gefangene gezwungen wurden, Urin ihrer Gegner zu schlucken. Doch bei aller Brutalität herrscht unter den Gangstern absolutes Stillschweigen; Untaten werden von den Opfern ebenso geheim gehalten wie von den Tätern.
South Central wurde zum GhettoEs gibt eine Geschichte des Gang-War – und eine Vorgeschichte. Ende des Zweiten Weltkrieges zogen viele Afroamerikaner aus dem Süden in nördliche Metropolen wie Los Angeles, wo ihnen Industrieunternehmen wie Lockheed oder General Motors neue Jobs versprachen. Aber längst nicht alle fanden Arbeit. In Los Angeles mischten sich die schwarzen Migranten nicht unter die weisse Bevölkerung; vielmehr wurde South Central zu ihrem Ghetto.

Hulton Archive / Getty

Express / Getty
Die Polizei sorgte durch stete Kontrollen dafür, dass die Segregation eingehalten wurde. Es waren deren Schikanen, die die Frustration in den Armenvierteln schliesslich hochkochen liessen. Als 1965 ein Gerücht die Runde machte, eine schwangere schwarze Frau sei von Polizisten tätlich verletzt worden, brandeten die sogenannten Watts-Riots auf. Es kam zu heftigen Ausschreitungen und Plünderungen.
In den Jahren danach setzten sich vermehrt Organisationen kommunistischer, panafrikanischer oder religiöser Prägung für die Interessen der schwarzen Minderheit ein. Radikale Parteien wie die Black Panthers aber wurden von CIA und Polizei sogleich verfolgt und aufgerieben. Gleichzeitig fielen schwarze Leader mörderischen Attentaten zum Opfer. 1965 wurde Malcolm X erschossen, drei Jahre später auch Martin Luther King.
Nihilismus und Selbsthass1971 schliessen Raymond Washington und Stanley Tookie Williams, beide 18-jährig, eine Allianz ihrer Peer-Groups und nennen die neue Organisation «Crips». Es soll eine Art Jugendarmee zum Schutze der schwarzen Bevölkerung sein. Die Polizei mag allgegenwärtig sein in South Central L. A. Aber sie begegnet den Jugendlichen zumeist als willkürliche, feindliche Autorität. So fehlt hier das Gewaltmonopol, das für Schutz und Sicherheit garantiert. Diese Ausgangslage ist zentral für den Krieg der Gangs.
Stanley Tookie Williams schreibt in seiner Autobiografie «Blue Rage, Black Redemption» (2004), schon vor der Gründung der Crips habe in South Central ein Krieg aller gegen alle geherrscht: in den Familien, in den Schulen – insbesondere aber auf der Strasse, wo junge Männer der Willkür von Polizisten, kriminellen Typen oder aggressiven Banden ausgesetzt waren. Die Home-Boys der Crips und die Home-Girls der Cripsettes beschäftigen sich im Alltag zwar mit Spielen und Muskeltraining; sie besuchen gemeinsam auch Partys und Konzerte. Aber gedacht ist die Organisation eigentlich als Bürgerwehr.

Lucas Jackson / Reuters

Lucas Jackson / Reuters
Wie gross das Schutzbedürfnis gewesen sein muss, zeigt der Erfolg der Crips. In wenigen Jahren hat sich die Bewegung über ganz L. A. ausgebreitet. Bald aber sorgen die Crips selber für Angst und Schrecken. Den jungen Männern fehlt es an kulturellen, politischen oder religiösen Idealen. Es grassiert der kalte Nihilismus samt Macht und Besitzgier.
Kody Scott wie Tookie Williams schreiben über den Selbsthass, der sich unter den Crips ausgebreitet habe. Von den Weissen verachtet oder gefürchtet, von der Polizei ständig drangsaliert, hätten sie sich in eine Wut gegen das eigene Ego gesteigert und diese an ihresgleichen ausgelassen. Er sei nicht als Krimineller auf die Welt gekommen, schreibt Williams. Vielmehr habe ihn die Strasse zum Sklaven von Selbsthass, Drogen und Gewalt gemacht.
Das aggressive Auftreten der Crips führt bald zu zahlreichen Gewaltverbrechen. Nach einem Konzert des Soul-Stars Curtis Mayfield belästigen Crips ein Mädchen; der 16-jährige Robert Ballou, der ihm zu Hilfe eilt, wird kaltblütig erschlagen. Diese Untaten erweisen sich als Initialzündung des Bandenkrieges. Eine Reihe kleinerer Banden bildet nun unter dem Namen «Bloods» eine Gegenallianz, die rasch zum Gegenangriff bläst.
«War on drugs»Die Konkurrenz zwischen den rot gekleideten Bloods und den blau gekleideten Crips verschärft sich durch den Crack-Boom der achtziger Jahre. Der Strassenhandel der Billigdroge ist zwar nie nur eine Angelegenheit der Gangs, es gibt in L. A. auch unabhängige Dealer. Die Gang aber mit ihrer hierarchischen Struktur erweist sich als vorteilhaft. Der Vertrieb der aus Kolumbien geschmuggelten Droge verläuft von der Einfuhr durch die «Original Gangsters» direkt zu den jungen «Training Gangsters», die den Stoff unter die Kunden ihrer «Hood» bringen.

Ted Soqui / Corbis Historical / Getty

Donaldson Collection / Michael Ochs Archives / Getty
Mit dem Erlös aus dem Drogenhandel können die Gangs noch mehr Waffen beschaffen. Die Auseinandersetzungen werden deshalb umso blutiger. Die Zahl der gefürchteten Drive-by-Shootings aus fahrenden Autos heraus nimmt zu. Dabei werden oft auch Unbeteiligte verletzt.
Im Zeichen der Eskalation führt die Polizei einen «War on drugs», der ganz auf die Crack-Epidemie ausgerichtet ist; die Dealer und Konsumenten von Kokain, der Modedroge in der kalifornischen High Society, werden hingegen in Ruhe gelassen. So erlebt die schwarze Bevölkerung auch den Drogenkrieg als rassistische Diskriminierung.
Noch mehr Gangster landen im Gefängnis; aber auch unbescholtene Afroamerikaner werden präventiv festgesetzt. Im Ghetto gärt die Wut. 1992 ist am Fernsehen zu sehen, wie der Afroamerikaner Rodney King von vier Polizisten misshandelt wird. Als die Beamten später freigesprochen werden, explodiert die Gewalt in den Rodney-King-Riots.
Zum Christentum und Islam im GefängnisIm Anschluss an die Aufstände raufen sich die Angehörigen der Crips und Bloods erstmals zusammen. Namhafte Original Gangsters, die zum Teil selber schon Väter junger Söhne sind, treffen sich an langen Tischen und suchen nach Möglichkeiten, ihre Fehde beizulegen. Noch sind die Bemühungen nicht erfolgreich; der Bandenkrieg geht weiter. Und doch hat sich gerade unter älteren Gangstern ein Umdenken angedeutet, für das es unterschiedliche Erklärungen gibt.
Kody Scott ist im Gefängnis zum Islam und zum Black Nationalism konvertiert. Und der wegen vier Morden – die er stets abstritt – zum Tode verurteilte Stanley Tookie Williams wird in Gefangenschaft zum frommen Christen. Er bringt Kinderbücher heraus, in denen er vor den Gangs warnt. Damit weckt er allenthalben Sympathien, es formiert sich eine internationale Bewegung gegen sein Todesurteil. Der Zürcher Sozialdemokrat Mario Fehr, in «Blue Rage, Black Redemption» dankend erwähnt, empfiehlt den früheren Gangster 2000 gar für den Friedensnobelpreis. 2005 aber wird das Todesurteil vollstreckt.
Tupac Shakurs TodEs gibt auch Gangster, die, durch den Drogenhandel plötzlich vermögend, eine bürgerliche Existenz anstreben. Sie hätten sich Sorgen um ihre Kinder gemacht, so werden zwei ehemalige Bloods in Léon Bings Interview-Band «Do or Die» zitiert. Dank ihrem Kapital konnten sie die Kriminalität hinter sich lassen und ihre Existenz «legalisieren».
Wie aber sollten reich gewordene Gangster das schmutzige Drogengeld waschen? Die Doku-Serie «Hip Hop Uncovered» (2021) lässt vermuten, dass es nicht wenige in Entertainment und Musik haben fliessen lassen. Das gilt etwa für Big U alias Eugene Henley, einen Dealer der Crips, der seine Gewinne in Gangsta-Rap-Produktionen investierte.
Die Geschichte des Gangsta-Rap reicht musikalisch in die achtziger Jahre zurück. Der Westcoast-Star Ice-T etwa tat sich schon 1986 in «6 ’N The Mornin’» durch die Glorifizierung des gangbanging hervor. Der Genre-Begriff aber wurde erst durch den Song «Gangsta Gangsta» des Rapper-Kollektivs N.W.A. (Niggaz Wit Attitudes) geläufig. In «Gangsta Gangsta» setzt sich der Rapper Ice Cube selber als schiesswütiger Gangster in Szene: «I got a shotgun (. . .) Boom, boom, boom! Yeah, I was gunnin’. And then you look, all you see is niggas runnin’ and fallin’ and yellin’ and pushin’ and screamin’.»

Raymond Boyd / Michael Ochs Archives / Getty

Steve Marcus / Reuters
N.W.A. bildeten eine Art Knotenpunkt zwischen der Gang- und der Gangsta-Rap-Szene. Das Gründungsmitglied Eazy-E war zunächst Drogendealer im Verbund der Crips, bevor er seine Einkünfte in das eigene Label Ruthless Records investierte, das N.W.A. zum Durchbruch verhalf. Als sich aber der Rapper und Produzent Dr. Dre, auch er zunächst ein N.W.A.-Mitglied, von der Band lösen wollte, brauchte er die Unterstützung des Blood-Gangsters Suge Knight, der das Label Death Row Records führte. Death Row wurde von Bloods gegen Anfeindungen der Crips verteidigt; dabei sollen sieben von ihnen ums Leben gekommen sein.
Bekannter und geradezu legendär ist das blutige Ende des Death-Row-Star-Rappers Tupac Shakur. Im Herbst 1996 hatte er zusammen mit Suge Knight einen Boxkampf von Mike Tyson besucht. Danach kam es zu einem Streit und einer Schlägerei mit dem Crips-Mitglied Baby Lane alias Orlando Anderson. Dieser lauerte ihm später auf der Strasse auf. Aus seinem fahrenden Cadillac heraus erschoss er den prominenten Rapper im entgegenkommenden Auto.
Das CNN der SchwarzenBekannt geworden sind die Hintergründe dieses Mordanschlages erst vor kurzem. Der ehemalige Gangster-Boss Duane Davis, Onkel des Täters, hat die Vorfälle in seiner jüngst veröffentlichten Autobiografie im Detail geschildert. Dass er so gut informiert war, liegt offenbar daran, dass er die Racheaktion seines Neffen selber arrangiert hatte. Aus diesem Grund wurde er diese Woche - dreissig Jahre nach der Ermordung des Rappers - zu vierzig Jahren Gefängnis verurteilt.
Dass einige ehemalige Gangster ihr Leben autobiografisch, einige andere wiederum filmisch festgehalten haben, deutet darauf hin, dass sie selbst vieles zu verarbeiten und zu beichten haben. Aus ihren Beichten spricht überdies oft die Frustration darüber, dass die Gang-Geschichte von der amerikanischen Gesellschaft verdrängt worden sei. Niemand habe wirklich Notiz von diesem Krieg genommen, schreibt zum Beispiel Kody Scott; die Geschichte der Gangs sei «ein Kratzer auf dem Gesicht von Miss America» geblieben.
Stimmt das? Es fehlte vielleicht an journalistischer und wissenschaftlicher Vertiefung. Dafür wurde die Gang-Realität später in Kino und Musik ausgekostet. Ende der neunziger Jahre nehmen die kriegerischen Auseinandersetzungen in L. A. allmählich ab. Das mag durch einen Strategiewechsel der Polizei zu erklären sein, die sich nun mehr auf führende Gangster konzentriert. Unterstützt von früheren Gangstern, spielt auch die soziale Arbeit unter Jugendlichen eine wachsende Rolle. Die Gewalt nimmt jedenfalls ab. Aber die Gangs verschwinden damit nicht. Und immer stärker inspirierten sie nun die kalifornische Kulturproduktion.
Man muss sich das vor Augen führen: Mitten in Los Angeles das «gangbanging» und ein paar Strassenzüge weiter Hollywoods Entertainment-Industrie. Kein Wunder, wird die Dramatik der Bandenkriege in diversen Filmproduktionen aufgesogen. Es kommen Filme wie «Colors» (1988), «Boyz n the Hood» (1991) und «Menace II Society» (1993) heraus. Eine Dekade später schlägt sich das Thema Gangs in epischen TV-Serien wie «The Shield» (2002–2008) und «Southland» (2009–2013) nieder.
In den Filmen und Serien werden die L.-A.-Gangster meist von aussen gezeigt, sehr oft aus der Perspektive der Polizei. So verkörpern die Gangster das Böse und erscheinen als dämonische Warriors. Die Hintergründe der sozialen Misere und der blutigen Fehden werden höchstens angetönt.
Im Hip-Hop wiederum wird der Gangster, der sich, befreit von Gesetz und Moral, im Dschungel der Metropolen durchschlägt, zumeist glorifiziert und gefeiert in den Rollenspielen des Gangsta-Rap. Das jugendliche Publikum findet weltweit Gefallen an den schweren Jungs. Kopftücher, Tattoos und halbautomatische Waffen passen scheinbar ebenso zur Natur der schwarzen Rebellen wie die gepumpte Muskulatur und die aggressive, chauvinistische Sprache. Die Gangsta-Rapper jedenfalls verkörpern kühnste Träume entfesselter Männlichkeit.
Hip-Hop sei das CNN der schwarzen Amerikaner, behauptete einst Chuck D, der Leader der Rap-Gruppe Public Enemy. Man kann sich fragen, wie weit sich im Gangsta-Rap die Realität des Gangster-Lebens offenbart. Es verhält sich ähnlich wie schon mit den Versen Homers oder mit den Geschichten von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Die Legenden des Krieges werden in Dichtung und Rollenspiel geformt und überhöht.
Stoff für Gangsta-RapperViele Rapper mögen bis heute mit den Crips oder den Bloods liiert sein. Und sie lassen dies das Publikum wissen, um ihre Credibility zu unterstreichen. Obwohl sie sich am Bling-Bling und an der Prahlerei der Gangster orientieren, haben aber die wenigsten selber einschlägige Erfahrungen als Gangster gesammelt.
Snoop Dogg ist bis heute der Vorzeige-Rapper der Crips. Auf der Gegenseite hat sich The Game sozusagen als Sprachrohr der Bloods positioniert. Und noch in seinem neusten Album «The Documentary III» (2026) verklärt er das Gangster-Leben in Songs wie «LA Monster».

Monica Schipper / Getty

Gregory Bojorquez / Getty
Aber es gibt auch kritischere Stimmen. Auf seinem herausragenden zweiten Album «Good Kid. M. A. A. D City» (2012) etwa rappt Kendrick Lamar aus der Perspektive eines Jugendlichen, der sich gegen die Dominanz der Gangs wehrt – und trotzdem in ihre Abgründe gleitet. «What am I ’posed to do when the topic ist red or blue», so erklärt er sein Schicksal in «Good Kid». Was kann man machen, wenn es überall um die Bloods und die Crips geht?
Ähnlich skeptisch hat sich auch der Rapper Vince Staples ausgedrückt. Er kritisiert den Gangster-Mythos ebenso wie das weisse Publikum, das ihn feiert. Für ihn ist klar, dass es sich beim Gang-War um ein weiteres spätes Kapitel in der Geschichte des amerikanischen Rassismus handelt. «The Crips and the Bloods, the new Jim Crow. The guns and the drugs, the new noose rope», so rappt er 2015 im Song «’06» – die Gangs seien eine Folge der diskriminierenden Jim-Crow-Realität; Waffen und Drogen hätten den Strick ersetzt, an dem Schwarze einst aufgehängt worden seien.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Tupac Shakur: Mordprozess fast 30 Jahre nach der Tat beginnt in Las Vegas | 0 | 11.45 | 09-08-2026 |
| 2 | Mord an Rap-Ikone Tupac Shakur: 40 Jahre Haft für Drahtzieher | 0 | 16.28 | 14-10-2026 |
| 3 | 30 Jahre nach Mord an Tupac Shakur: Prozess startet | 0 | 13.26 | 10-08-2026 |
| 4 | Las Vegas: Prozess um Mord an Rapper Tupac Shakur begonnen | 0 | 9.33 | 18-08-2026 |
| 5 | Признания могли быть выдумкой в деле об убийстве известного рэпера | 0 | 10.41 | 28-08-2026 |
| 6 | Video: 40 Jahre Haft im Prozess um Mord an US-Rapper Tupac Shakur | 0 | 15.9 | 14-10-2026 |
| 7 | Haftbefehl hat die Sprache einer Generation erfunden. Nach seinem jüngsten Drogenrückfall wächst die Sorge um ihn | 0 | 7.72 | 16-10-2026 |
| 8 | Известный рэпер задолжал в России более полумиллиона рублей | 0 | 5 | 13-07-2026 |
| 9 | ‘Sean Combs: The Reckoning’ Scores Three Emmy Nominations, Including for Best Documentary or Nonfiction Series | 0 | 5 | 08-07-2026 |