Der klassische Mittelstürmer galt in den vergangenen Jahren fast schon als ausgestorben. Phillip Tietz und Niclas Füllkrug beweisen, wie wichtig eine zentrale Spitze sein kann.
Wer vor der Saison Geld darauf gesetzt hätte, das Niclas Füllkrug (sechs Tore) vom SV Werder Bremen nach sechs Bundesliga-Spieltagen auf Platz eins der Torjägerliste (gleichauf mit Patrik Schick) liegt und Phillip Tietz vom 1. FSV Mainz 05 mit fünf Treffern (wie Michael Olise und Younes Ebnoutalib) auf Rang drei folgt, der hätte seinen Einsatz wohl vervielfacht.
Nächster Mainzer Auswärtssieg - DEIN FSV #196 | SWR Sport
Sowohl Füllkrug als auch Tietz sind der Gegenbeweis zu der These, dass echte Mittelstürmer immer mehr aussterben würden, weil der Fußball sich in den vergangenen Jahren stetig gewandelt habe. Es wurde viel diskutiert über fluide und polyvalente Angreifer, die sich fallen lassen oder ständig die Positionen wechseln, über "falsche Neuner" oder darüber, dass ein reiner Zentrumsstürmer die eigene Mannschaft limitiere, weil er nicht genug am Spiel teilnehme. Füllkrug und Tietz zeigen, wie wichtig ein klassischer Neuner sein kann, der sich in Zweikämpfe stürzt, Bälle festmacht, Gegenspieler bindet und natürlich in allererster Linie Zielspieler ist und die Vorlagen idealerweise auch verwertet - was Füllkrug und Tietz momentan exzellent gelingt.
Duell der Top-TorjägerDie beiden erfahrenen Stürmer eint nicht nur ihr Profil, sondern auch ihre niedersächsische Herkunft. Füllkrug wurde 1993 in Hannover geboren, Tietz kam 1997 in Braunschweig zur Welt. Am nächsten Wochenende kommt es zum direkten Duell der Top-Torjäger, wenn Mainz 05 den SV Werder empfängt (24.10., 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion).
Phillip Tietz: "Momentan superschön""Es läuft momentan superschön, ich bin extrem glücklich darüber", sagte Tietz am vergangenen Wochenende, nachdem er Mainz 05 zum 1:0-Auswärtserfolg beim FC Schalke 04 geschossen hatte. "Als Stürmer weiß man, dass es solche und solche Phasen gibt. Momentan kann ich der Mannschaft mit meinen Toren helfen."
Gelsenkirchen
Fünftes Tor im sechsten Spiel und Kneipen-Kult in Mainz: Stürmer Phillip Tietz schießt den FSV zum Sieg auf Schalke. Doch trotz Traumstart hebt beim Tabellenfünften niemand ab.
Tietz hat nur auswärts einen Torlauf
Der 29-Jährige hat in dieser Bundesliga-Spielzeit schon fast so oft getroffen wie in der kompletten Vorsaison (fünf Treffer für Mainz, einer für Augsburg). Ein kleiner Makel: Tietz trifft aktuell fast "nur" vor fremder Kulisse. Der Stürmer netzte in fünf Bundesliga-Auswärtsspielen in Folge ein. Inklusive DFB-Pokal traf er sogar in den vergangenen sechs Gastspielen. In der heimischen Arena erzielte Tietz in dieser Saison hingegen erst einen Treffer - am dritten Spieltag bei der 1:3-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt. Diese Bilanz will er gegen Bremen verbessern.
Sonderlob für Niclas FüllkrugDoch Vorsicht ist geboten - der SV Werder spielt bislang eine starke Saison, angetrieben vom bärenstarken Füllkrug. "Niclas macht das überragend seit Wochen", sagte SVW-Trainer Daniel Thioune nach dem jüngsten 2:2 gegen Paderborn, als Füllkrug einen Doppelpack erzielte. "Wie er die Jungs anschiebt. Wie er vorweggeht. In keiner Trainingseinheit ist er sich zu schade, danach noch mehr zu machen und mehr zu wollen", lobte der Coach und befand: Füllkrugs Einfluss auf seine Mitspieler sei "mega beeindruckend".
Auf den Spuren von Miro Klose und Rudi VöllerFüllkrugs Rückkehr nach Bremen auf Leihbasis hätte kaum besser laufen können: Nach sieben Pflichtspielen steht der 33-Jährige bei sieben Toren. Als erster Bremer seit Claudio Pizarro vor mehr als zehn Jahren (Frühjahr 2016) traf Füllkrug in fünf Bundesliga-Spielen in Folge. Er ist der erste Werder-Profi seit Miroslav Klose 2005/2006, der nach sechs Spieltagen bereits sechs Treffer erzielte. Öfter hatte für die Hanseaten zu diesem Zeitpunkt einzig Rudi Völler 1985/1986 getroffen (siebenmal).
Gute Quote im DFB-TeamDer Mittelstürmer wird bereits mit einer Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft in Verbindung gebracht - trotz seines fortgeschrittenen Fußballer-Alters. Die jüngsten Länderspiele unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp bewiesen, dass dem Team ein klassischer Neuner durchaus gut tun könnte. Füllkrug weiß, wie es mit dem Adler auf der Brust geht: Der Angreifer hat in 24 Länderspielen 14 Tore erzielt. Seinen bislang letzten Einsatz im DFB-Trikot absolvierte er im Juni 2025.
Der Routinier hält indes alle Gedankenspiele in Sachen DFB-Team von sich fern, reagiert sogar fast gereizt. "Und wenn ich jetzt 44-mal gesagt habe, dass ich da nicht drüber reden will, wäre es cool, wenn wir nicht mehr darüber reden", sagte er nach seinem Doppelpack gegen Paderborn auf entsprechende Rückfragen bei "DAZN".
Tietz wurde noch nicht mit deutschen Auswahl in Verbindung gebracht, er freut sich einfach, dass es so gut läuft. Auch Tietz gehört, obwohl er erst im vergangenen Winter aus Augsburg verpflichtet wurde, längst zu den Führungsspielern der 05er. Nun wird er probieren, seinen ersten Treffer gegen Werder zu erzielen. In seinen bisherigen sechs Bundesligaspielen gegen den Nordklub blieb der 29-Jährige nämlich torlos.
Mainz 05 wartet seit sieben Monaten auf einen Heimsieg
Einer oder gar mehrere Treffer von Tietz könnten helfen, eine schwarze Serie der Rheinhessen zu beenden: Aus den saisonübergreifend letzten sechs Bundesliga-Heimspielen holte Mainz 05 nur einen einzigen Punkt. Der letzte Heimsieg ist schon sieben Monate her - am 22. März gelang ein 2:1 gegen Eintracht Frankfurt.
Es ist jedenfalls alles angerichtet für das Duell der beiden Mannschaften, die den Anschluss ans obere Tabellendrittel halten wollen. Und für das Aufeinandertreffen von Phillip Tietz und Niclas Füllkrug, die einmal mehr zu den Protagonísten gehören dürften. Zwei Neuner, die extrem wichtig für ihre Teams und der Beweis dafür sind, dass echte Mittelstürmer noch lange nicht ausgestorben sind.
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