Ex-Bayern-Profi Gianluca Gaudino erlebt beim VfR seine bisher torgefährlichste Zeit. Wie der Mittelfeldspieler das Team prägt und warum er plötzlich so viele Tore schießt.
Stand: 12.10.2026, 17:30 Uhr

Ex-Bayern-Profi Gianluca Gaudino erlebt beim VfR seine bisher torgefährlichste Zeit. Wie der Mittelfeldspieler das Team prägt und warum er plötzlich so viele Tore schießt.
Aalen. Als Gianluca Gaudino im Sommer vom Drittligisten Alemannia Aachen zum Regionalliga-Aufsteiger VfR Aalen wechselte, war die Neugier groß: Würde der einstige Bundesliga- und Champions-League-Spieler des FC Bayern seiner neuen Mannschaft wirklich einen Unterschied machen? Nach elf Spieltagen ist die Antwort eindeutig: Ja, und wie!
Seit seinem Positionswechsel von der Sechs auf die Zehn ist der 29-Jährige häufig der auffälligste Akteur im Aalener Team. In sieben Partien als offensiver Mittelfeldspieler traf Gaudino sechs Mal ins gegnerische Netz – darunter zwei verwandelte Elfmeter – und bereitete zwei weitere Treffer vor. Der VfR war nach dem jüngsten 2:0-Auswärtssieg in Fulda sogar kurzzeitig Tabellenführer, aktuell steht das Team auf Rang zwei der Regionalliga Südwest.
Der Positionswechsel als GlücksgriffNoch zu Saisonbeginn agierte Gaudino auf der defensiven Sechs, ehe Trainer Beniamino Molinari ihn ab dem vierten Spieltag in Mainz auf die Zehn beorderte. Seither explodiert seine Scorer-Statistik. „Ich spiele sowohl auf der Sechs als auch auf der Zehn sehr gerne. Am Ende entscheidet der Trainer, aber natürlich fühle ich mich derzeit auf der Zehn sehr wohl – gerade jetzt auch Tore schießen zu können“, sagt Gaudino. Der Unterschied zur defensiveren Rolle sei spürbar: „Auf der Sechs kontrolliert man mehr das Spiel, gestaltet von hinten heraus. Auf der Zehn hast du mehr Aktionen im gefährlichen Bereich, wo du auch Tore schießen kannst, was mir mittlerweile auch sehr viel Spaß macht.“
Seine jüngsten Spiele zeigen, wie wertvoll er für das Aalener Offensivspiel ist: Beim 3:1 in Mainz traf er per Strafstoß, gegen Eintracht Trier erzielte er beide Tore, davon einen Elfmeter. Im Derby gegen Ulm steuerte er eine Vorlage zum 2:0 bei. Beim 2:3 gegen Tabellenführer Heilbronn-Freiberg trug er sich ebenfalls in die Torschützenliste ein, gegen den FSV Frankfurt war er erneut mit Tor und Vorlage beteiligt, und zuletzt markierte er das 2:0 beim souveränen 2:0-Auswärtssieg in Fulda-Lehnerz.
Führungsfigur mit Ruhe und SpielwitzDass Gaudino beim VfR eine Führungsrolle einnimmt, überrascht nicht. „Ich bringe viel Erfahrung mit. Ich habe gelernt, in Drucksituationen ruhig zu bleiben und kann der Mannschaft helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Am Ende zählt aber, dass das Team funktioniert“, betont der frühere Bayern-Profi. Seine Entwicklung zum torgefährlichen Spielmacher ist beachtlich: In seinen beiden Drittliga-Spielzeiten für Aachen gelangen ihm jeweils nur zwei Saisontreffer.
Trainer Beniamino Molinari lobt die Bedeutung seines Mittelfeldstars: „Gianni macht es offensiv herausragend: Ruhe am Ball, Übersicht, das richtige Timing, er findet die Tiefe. Ich kann als Trainer gar nicht verhindern, dass er seine Qualität auf den Platz bringt.“
Erfahrung und Motivation: Die Mischung stimmtGaudino bringt nicht nur fußballerische Klasse, sondern auch den Willen, sich immer weiterzuentwickeln. „Für uns gilt es jede Woche willig zu sein, sich verbessern zu wollen, gierig in den Spielen zu sein – dann kann dabei herauskommen, dass man mal zwischenzeitlich auf Platz 1 steht“, erklärt er nach dem jüngsten Auswärtssieg. Dass der VfR nach elf Spieltagen mit sechs Siegen, drei Remis und zwei Niederlagen voll im Aufstiegsrennen ist, hat auch viel mit seiner Präsenz und seinem Einfluss im Mittelfeld zu tun.
Vor seinem Wechsel hatte sich Gaudino intensiv mit dem Team beschäftigt: „Ich habe mich, bevor ich gekommen bin, mit der Mannschaft auseinandergesetzt. Deswegen wusste ich, was die Mannschaft für einen Fußball spielt, das hat mich nicht überrascht. Es macht einfach Spaß, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen.“
Nah bei der Familie – und am sportlichen MaximumEin wichtiger Grund für den Wechsel nach Aalen war für Gaudino auch die Nähe zu seinem Sohn in München. Sportlich reizt ihn das ambitionierte Aalener Projekt, was er schon vor der Saison betonte: „Natürlich gehe ich eine Liga runter, aber das Projekt ist sehr attraktiv. Die Gespräche mit Trainer und Verantwortlichen waren top, die Ambitionen des Vereins stimmen. Und die Nähe zu München passt für mich auch privat sehr gut.“
Mit seinem aktuellen Lauf könnte Gaudino sogar seine beste Saison als Scorer erleben – in der Schweiz gelangen ihm für die Young Boys Bern 2019/20 vier Tore und sieben Vorlagen. In Aalen ist er auf dem besten Weg, diese Marke zu übertreffen.
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