Das Fanprojekt beim KFC Uerdingen steht zum Jahresende vor dem Aus. Nach Angaben der Stadt Krefeld ist vor allem die schwierige Personalsituation ein Grund. Der KFC möchte das Projekt jedoch fortführen.
Krefeld · Das Fanprojekt beim KFC Uerdingen steht zum Jahresende vor dem Aus. Nach Angaben der Stadt Krefeld ist vor allem die schwierige Personalsituation ein Grund. Der KFC möchte das Projekt jedoch fortführen.
11.09.2026 , 16:14 Uhr
Die Stadt will die finanziellen Mittel, die bislang in das Fanprojekt geflossen sind, anders nutzen.
Foto: Stefan BrauerDas Fanprojekt Krefeld steht vor dem Aus. Das bestätigt die Stadt Krefeld auf Anfrage unserer Zeitung. Es soll nicht über den 31. Dezember 2026 hinaus fortgeführt werden. Hintergrund sei auch die schwierige Personalsituation. Das Projekt, dass die Fans des KFC Uerdingen begleitet, wurde im Jahr 2021 ins Leben gerufen. Mehrere Ausschreibungen zur Besetzung der offenen Stellen blieben erfolglos, sagt die Stadt. Die Projektleitung war fast durchgängig alleine tätig, was eine adäquate sozialpädagogische Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unmöglich macht. Aufgrund der personellen Engpässe konnten die geplanten Angebote nur eingeschränkt und vor allem nicht nachhaltig umgesetzt werden. Eine Einzelfallhilfe konnte nur in begrenztem Umfang angeboten werden.
Die Stadt schlägt deshalb im kommenden Jugendhilfeausschuss am 17. September vor, die für das Projekt vorgesehenen personellen und finanziellen Ressourcen stattdessen für die Umsetzung der Familiengrundschulzentren einzusetzen. Diese Entscheidung sei nicht als Bewertung gegen die grundsätzliche Zielsetzung von Fanprojekten zu verstehen. Sie sei vielmehr das Ergebnis einer fachlichen und wirtschaftlichen Abwägung, wie begrenzte Ressourcen unter den konkreten örtlichen Rahmenbedingungen so eingesetzt werden können, dass sie eine möglichst große Zielgruppe erreichen.
Das DFB-Fanprojekt sei eine sehr begrüßenswerte Initiative, die Jugendliche an 71 Standorten deutschlandweit gezielt im Umfeld ihrer Lieblingsvereine sozialpädagogisch unterstützt. Dieser Ansatz ist sinnvoll und wichtig, muss jedoch mit den bestehenden Rahmenbedingungen vor Ort in Einklang gebracht werden. In Krefeld sei dies trotz zahlreicher Versuche und trotz der hervorragenden Arbeit der Projektleitung nicht dauerhaft gelungen. Die Stadt Krefeld geht aber davon aus, dass sie Teile der Klientel auch nach Beendigung des Fanprojekts über die allgemeine Jugendsozialarbeit der Stadt Krefeld erreicht. Natürlich bleibe man auch weiterhin offen für eine Zusammenarbeit mit dem KFC Uerdingen. Sollte der Verein künftig wieder höherklassig spielen, wird die Stadt Krefeld eine erneute Beantragung und Etablierung des Fanprojekts prüfen.
Der KFC Uerdingen bekräftigt, das Projekt auch im kommenden Jahr fortzuführen und stehe mit der Stadt Krefeld in Kontakt dazu, wie KFC-Pressesprecher Manuel Kölker sagt: „Für uns ist die Arbeit des Fanprojektes ein großer Mosaikstein im Gebilde KFC Uerdingen. Nicht ohne Grund erwähnen wir es auf unserer Website und unterstreichen dort seine Wichtigkeit.“ Gerade junge Fans erhalten durch das Fanprojekt Unterstützung. Diese facettenreiche und nachhaltige Arbeit sorge dafür, dass Jugendliche unbeschwert und sicher Heim- und Auswärtsspiele besuchen könnten. Das Fanprojekt zeige vielfach Wirkung. So habe der KFC kein Problem mit Gewaltausschreitungen noch mit Rassismus. Um das auch sichtbar zu machen, wirkt der Slogan: Love Oeding – Hate Racism. Das Fanprojekt sei auch in vielen anderen Bereichen Ansprechpartner. So ist es aktuell in den Prozess eingebunden, beim KFC einen Fanbeirat zu bilden. Fans werden ab Oktober in regelmäßigen Treffen zusammenkommen und den Verein in zahlreichen Belangen unterstützen. Kölker unterstreicht: „Ein Aus des Fanprojektes wäre für den KFC fatal. Man würde eine Brücke einreißen, die seit Jahren verbindet und zu einem guten Miteinander innerhalb der Fangemeinde führt. Die Arbeit von Jahren würde zunichtegemacht.“
Überrascht und mit erheblicher Sorge reagiert auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW auf die Pläne, das Fanprojekt Krefeld stadtseitig einstellen zu wollen. Patrick Arnold, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW, sagt: „Selbstverständlich kennen wir die finanziellen Herausforderungen der Kommunen. Gleichzeitig beobachten wir seit Jahren, dass Gewalt, Radikalisierung und demokratiefeindliche Einstellungen unter jungen Menschen zunehmen. In einer solchen gesellschaftlichen Situation dort den Rotstift anzusetzen, wo junge Menschen noch erreicht und pädagogisch begleitet werden können, ist für uns das falsche Signal.“ Wer an der präventiven Jugendhilfe spare, spare nicht an Problemen, sondern an deren Lösungen und verschiebe die gesellschaftlichen Kosten lediglich in die Zukunft.
Erst im Rahmen der Beiratssitzung des Fanprojekts am 7. Mai 2026 wurde die Arbeit des Fanprojekts von allen Beteiligten ausdrücklich positiv bewertet. Sowohl Vertreter des KFC Uerdingen als auch der Polizei, des Jugendamtes und weiterer Netzwerkpartner hoben die hohe Qualität der sozialpädagogischen Arbeit hervor. Darüber hinaus wurde in der Sitzung sogar darüber gesprochen, das Angebot künftig durch eine neue Anlaufstelle am Stadion weiter auszubauen. Vor diesem Hintergrund sei die nun bekannt gewordene Entscheidung nicht nachvollziehbar. Hinzu käme, dass das Fanprojekt zu rund 75 Prozent durch den Deutschen Fußball Bund sowie das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert werde. Der kommunale Eigenanteil fällt entsprechend vergleichsweise gering aus. Umso unverständlicher erscheint es, ausgerechnet ein bewährtes Präventionsangebot aufzugeben, dessen Nutzen fachlich unbestritten ist und das weit über Krefeld hinaus als wichtiger Bestandteil der Jugendhilfe wahrgenommen wird.
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