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Neurowissenschaftlerin: Bryan Johnsons Magen zerstört sich, mit Folgen fürs Gehirn

Дата публикации: 03-09-2026 05:09:00

Bryan Johnson leidet an Autoimmungastritis. Die Krankheit blieb lange unentdeckt – trotz niedriger Ferritinwerte in seinem Blutbild.

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Bryan Johnson leidet an Autoimmungastritis. Die Krankheit blieb lange unentdeckt – obwohl niedrige Ferritinwerte in seinem Blutbild schon seit Jahren auf ein Problem hingedeutet haben. Was die Krankheit für sein Gehirn bedeuten kann.

Der US-amerikanische Tech-Millionär Bryan Johnson investiert Millionen, um den Tod zu besiegen. Und er misst ziemlich viel: Schlaf, Körpertemperatur, Körperfett, Blutwerte, biologisches Alter. Vermutlich gibt es wenige Menschen, deren Körper so gründlich durchleuchtet wird wie seiner. Nur sein Magen hatte offenbar kein Dashboard.

Bei dem 49-jährigen Longevity-Unternehmer wurde eine Autoimmungastritis diagnostiziert. Johnson selbst formulierte es drastischer: Sein Magen „esse sich selbst auf“. Ganz stimmt das nicht: Bei einer Autoimmungastritis richtet sich das Immunsystem gegen Zellen der Magenschleimhaut und zerstört sie nach und nach. Was zunächst nach einer Erkrankung des Verdauungssystems klingt, kann jedoch Folgen haben, die bis ins Gehirn reichen.

Dr. Teresa Cramer ist Neurowissenschaftlerin am Picower Institute des MIT und Chief Scientific Officer von FoodFor. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Deshalb kann eine fortgeschrittene Autoimmungastritis langfristig zu einem Vitamin-B12-Mangel führen. Und B12 ist für Nervenzellen keine Wellness-Zugabe: Es wird für Stoffwechselprozesse benötigt, die unter anderem die Myelinscheiden erhalten – die isolierende Hülle der Nervenfasern, die schnelle Signalweiterleitung ermöglicht. Fehlt B12 über längere Zeit, kann diese Isolierung leiden. Aus einem Magenproblem wird so ein Problem der Informationsübertragung im Nervensystem.

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Wenn Nerven ihre Isolierung verlieren

Ein B12-Mangel kann zunächst unspezifisch wirken:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • depressive Verstimmungen
  • Kribbeln in Händen und Füßen

Bei einem ausgeprägten, lang anhaltenden Mangel können Gedächtnis und Koordination leiden, das Gangbild unsicher werden. In schweren Fällen drohen Schäden am Rückenmark oder sogar am Sehnerv.

Wichtig ist die Unterscheidung: Es gibt keinen Hinweis, dass Johnson all diese Probleme hat. Eine Erkrankung, die einen B12-Mangel verursachen kann, ist nicht dasselbe wie ein schwerer Mangel oder neurologische Schäden. Interessant ist, wie unauffällig der Weg dorthin verlaufen kann.

Das Blutbild kann zu spät kommen

Johnson berichtet, seine Ferritinwerte – ein Maß für die Eisenspeicher – seien seit über einem Jahrzehnt niedrig gewesen. Eine Autoimmungastritis erschwert durch den Säureverlust auch die Eisenaufnahme. Eisenmangel tritt dabei häufig früher auf als ein ausgeprägter B12-Mangel, was die Erkrankung leicht übersehbar macht. Johnson hatte niedrige Eisenspeicher, aber normale Hämoglobinwerte – war also nicht klassisch anämisch.

Der Körper wartet aber nicht auf ein Lehrbuchkriterium, bevor er reagiert: Neurologische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels können auftreten, bevor sich die typische Blutarmut zeigt . Ein normales Blutbild ist deshalb kein Freispruch fürs Nervensystem. Auch Eisen selbst ist fürs Gehirn wichtig – für Energiestoffwechsel, Botenstoffe und Myelinisierung. Ein Mangel kann Müdigkeit und Konzentrationsprobleme begünstigen.

Bei einer Autoimmungastritis lohnt sich deshalb der Blick hinter den Laborwert: Nicht nur „Wie hoch ist mein Ferritin?“, sondern „Warum bleibt es niedrig?“

Die Ursache bleibt schwieriger als der Messwert

Johnson vermutet, seine Erkrankung habe schon vor Jahrzehnten begonnen. Mit 21 wurde bei ihm eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung festgestellt – beide Erkrankungen treten überdurchschnittlich oft gemeinsam auf. Das heißt aber nicht, dass die Schilddrüse den Magen krank gemacht hat. Auch seine Vermutung, frühere Ernährung mit viel Zucker habe beigetragen, bleibt Spekulation.

Warum manche Menschen eine Autoimmungastritis entwickeln und andere nicht, ist nicht vollständig verstanden. Genetik, Immunregulation und Umweltfaktoren dürften zusammenspielen. Biologie hat eben selten Interesse an einer schönen Storyline.

Bryan in der Petrischale

Johnson gibt sich damit nicht zufrieden. Sein Team will rund eine Million seiner Immunzellen charakterisieren, jene T-Zellen identifizieren, die seinen Magen angreifen, und daraus ein experimentelles Modell bauen: einen „Bryan in a dish“. Langfristig sollen gezielt die angreifenden Immunzellen ausgeschaltet oder umprogrammiert werden.

Faszinierend – aber noch keine Therapie. Für Autoimmungastritis gibt es derzeit keine Behandlung, die den Prozess zuverlässig stoppt. Behandelt werden vor allem die Folgen: Eisen- und B12-Mangel. Zusätzlich wird der Magen regelmäßig kontrolliert, da die Erkrankung das Risiko bestimmter Tumoren erhöht.

Der interessanteste Messwert ist der, den niemand misst

Vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Gesundheit hängt nicht nur davon ab, wie viele Daten wir sammeln, sondern welche Fragen wir ihnen stellen. Elf Jahre lang war Johnsons niedriger Ferritinwert einfach nur ein niedriger Ferritinwert – erst die Frage „Warum?“ führte zur Biopsie und Diagnose.

Sein Fall zeigt: Ein Magenproblem kann ein neurologisches Problem werden. Ein normaler Hämoglobinwert kann falsche Sicherheit vermitteln. Und ein Mangel an nur einem Vitamin kann Stimmung, Gedächtnis, Rückenmark und Sehnerv beeinflussen.

Der Körper funktioniert eben nicht wie ein Dashboard mit getrennten Kästchen für Magen, Gehirn und Immunsystem. Alles hängt zusammen – auch die Dinge, die wir lieber getrennt optimieren würden.

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