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Die Kunst der Woche: Schönheit und Geduld

Дата публикации: 23-06-2026 09:14:00

Zwei aktuelle Ausstellungen kombinieren Fotografien und Gemälde. Gegen die Hundertstelsekunden der Kamera stehen die langen Stunden der Malerei. mehr...

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Brigitte Werneburg

Zwei aktuelle Ausstellungen kombinieren Fotografien und Gemälde. Gegen die Hundertstelsekunden der Kamera stehen die langen Stunden der Malerei.

Ansicht einer Galerie, in der Schwarz-Weiß-Drucke und dicke Farbaufträge nebeneinander hängen Installationsansicht, Boris Mikhailov und Ingeborg zu Schleswig-Holstein „… ihr werdet noch stille sein“

Foto: Werkstattgalerie e. V.

W enige Schritte von der Kyiv Biennale in den Kunst-Werken entfernt ist die Ukraine ebenfalls Thema: Der Kunstverein Werkstattgalerie am Koppenplatz in Mitte zeigt den Dialog zwischen dem ukrainischen Fotografen und Konzeptkünstler Boris Mikhailov und der abstrakten Malerin Ingeborg zu Schleswig-Holstein.

Die in strengem Raster nebeneinander gesetzten Bilder – auf Alu-Dibond gedruckte Schwarz-Weiß-Fotografien wechseln mit Farbschüttungen – führen schnell zum Thema: die Gewaltgeschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert. Ein ikonisches Motiv Mikhailovs, der britische Panzer Mark V, ist ein Ungetüm aus dem Ersten Weltkrieg, später von der Weißen Armee im russischen Bürgerkrieg genutzt. Die siegreichen Sowjets übergaben die Trophäe 1938 an die Stadt Charkiw.

Die Malerin ergänzt Mikhailovs Bilder der Gewalt mit schweflig-giftigem Gelb und einem entschiedenen Pink, das jeden Gedanken an Blut verbietet. Sie antwortet mit Schönheit.

Interessanterweise ist man verführt in Schleswig-Holsteins Farbauftrag, dessen je verschiedene Gestalt selbst fließend, autonom entsteht, eine Warburg’sche Pathosformel und demnach eine affektgeladene Geste zu sehen. Birgt Schönheit affektive Energie?

Die Ausstellungen

Boris Mikhailov und Ingeborg zu Schleswig-Holstein: „… und ihr werdet stille sein“, Koppenplatz 5, Montag-Samstag 13–20 Uhr, bis 29. Juni

Megan Francis Sullivan: „Pastoral“, schon, Schreinerstraße 16, Laden links, Freitags 16–19 Uhr, bis 31. Juli

Schallgeschwindigkeit und Geduld

Flog man mit der Concorde – wie einst Phil Collins, der am selben Tag, dem 13. Juli 1985, auf den Live-Aid-Konzerten in London und in Philadelphia auftrat –, dann kam man, wie Collins launig anmerkte, früher in New York an, als man in London aus dem Haus gegangen war. Zumindest laut Ortszeit.

Ansicht einer Galerie mit kleinen Bildern an der Wand, im Raum steht ein Plattenspieler Installationsansicht, Megan Francis Sullivan, „Pastoral“

Foto: schon

„Concorde“ heißt ein 1997 erschienenes Fotobuch von Wolfgang Tillmans. Obwohl der Flugbetrieb des Überschallpassagierflugzeugs 2003 eingestellt wurde, wird der Band stetig neu aufgelegt, zuletzt 2024 und 2025. Die interessanteste Neuauflage aber dürfte die von Megan Francis Sullivan im Projektraum „schon“ sein. Dabei handelt es sich allerdings um Malerei.

Im Format 16 × 24 Zentimeter hat Sullivan auf Alu-Dibond zwölf Seiten aus Tillmans „Concorde“ malerisch reproduziert, und zwar in der Form eines Diptychons. Dem Layout des Fotobuchs folgend, zeigt die linke Tafel das leere weiße Blatt während die rechte Tafel ihre malerische Version der Fotoseite zeigt. In dieser mit großer Sorgfalt und stupendem Können ausgeführte Replik wird unumgänglich das Thema Zeit zentral. Gegen die doppelte Schallgeschwindigkeit der Concorde und die Hundertstelsekunden der Fotografie stehen die geduldigen Stunden der Malerei. Noch hat sie Bestand.

Brigitte Werneburg

Brigitte Werneburg

war Filmredakteurin, Ressortleiterin der Kultur und zuletzt lange Jahre Kunstredakteurin der taz. Seit 2022 als freie Journalistin und Autorin tätig. Themen Kunst, Film, Design, Architektur, Mode, Kulturpolitik.

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