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Die Kunst der Woche: Ein zukunftsweisender Irrtum

Дата публикации: 14-07-2026 08:00:00

Linien, Kurven und Bewegungen in der Fotografie sind in der Galerie Springer zu sehen. Farbe, Punkt für Punkt nebeneinandergesetzt, im Museum Barberini. mehr...

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Brigitte Werneburg

Linien, Kurven und Bewegungen in der Fotografie sind in der Galerie Springer zu sehen. Farbe, Punkt für Punkt nebeneinandergesetzt, im Museum Barberini.

Viele Fotos von Vögeln an der Wand, eine Installationsansicht mit Fotos von Stefanie Seufert in der Galerie Springer „Others“: eine Installationsansicht mit Fotos von Stefanie Seufert in der Galerie Springer

Foto: Galerie Springer

D ie aktuellen Arbeiten von Loredana Nemes – in der Galerie Springer mit zwei weiteren Positionen präsentiert – überraschen erneut. Nur der Titel „overexposed“ macht deutlich, dass es sich bei den schwarzen Blättern, die von rhythmisch übereinander gestaffelten weißen Linien durchzogen sind, um Fotografien handelt. Eigentlich meint man künstlerische Grafik der Nachkriegszeit zu sehen. Doch es sind die Schnittkanten von übereinander geschichteten Fotopapieren, die von der Sonne belichtet, tief schwarz wurden, die die weißen Linien bilden.

Die Hommage an Karl Blossfeldt ist zwar bei Aitor Ortiz sofort deutlich. Rätselhaft bleiben die „Pflanzen“ der schwarzweißen Großformate des Künstlers aus Bilbao dennoch. Tatsächlich sind es Metalllocken – Abfall und Reminiszenz an die Industriegeschichte der Stadt.

Mit den Kohl- und Blaumeisen der Berliner Parks bringt Stefanie Seufert quirliges Leben in die Galerie. Um ihre immer in Bewegung befindlichen Protagonisten einzufangen, entwarf die Fotografin kleine Aufnahmestudios im Freien und übte sich dann in Geduld. Wenn die Vögel sich vor die Hohlkehle verirrten, wurden sie – ähnlich den „portable studio portraits“ von Richard Avedon oder Irving Penn – fotografiert.

Ein Gemälde zeigt ein Segelboot auf einem See bei Sonnenuntergang, Paul Signac hat "Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez)" 1892 gemalt Paul Signac und „Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez)“ von 1892

Foto: Museum Barberini

1904 bemängelte der Kunstkritiker Julius Meier-Graefe, dass „wir Deutschen an dem Irrtum leiden, Kunst zu denken, statt zu betrachten“. Das aber stellte sich letztlich als gute Voraussetzung für die Rezeption moderner Kunst heraus. Zunächst für die von Meier-Graefe – und jetzt im Museum Barberini in Potsdam – gefeierte „Symphonie der Farben“, also die Kunst von Paul Signac (1863–1935) und des Neoimpressionismus.

Signac selbst bevorzugte den Begriff des Divisionismus, weil die Farbpigmente nicht mehr additiv zusammengerührt, sondern in ihrer Integrität unberührt Punkt für Punkt oder Strich für Strich, Linie für Linie auf der Leinwand nebeneinander gesetzt wurden. Die Mischung vollzieht sich erst im Auge des Betrachters.

Mit dem Ansatz über die Gesetze der Optik ihre Malweise wissenschaftlich zu definieren, kommt in den lichtdurchfluteten neoimpressionistischen Landschaften der sonnigen Côte d'Azur dann doch ein kühler Wind auf. Er liegt in einem distanzierten Blick, der das Konstruierte der Malerei betont. Analog zur Musik begreift Signac das Bild als eine Komposition. Das Streben nach visueller Harmonie führt in die Selbstreflexion, aber auch ins Kalkulierte und in die Ironie, etwa bei den bürgerlichen Interieurs.

Liegt es an diesem anderen, nicht-genialisch gedeuteten Verständnis der Malerei oder den anarchistischen, gesellschaftskritischen Überzeugungen von Signac und seinen Freunden, dass doch erstaunlich viele Malerinnen bei den Neoimpressionisten mitmischen konnten? Die großartigen Kuratorinnen des Barberini haben sie nicht wie sonst übersehen, sondern präsentieren sie in großer Vielfalt.

Galerie Springer: „Lines – Curves – Motion“ Loredana Nemes, Aitor Ortiz, Stefanie Seufert, Fasanenstr. 13, Di.–Fr. 12–18 Uhr, Sa. 12–15 Uhr, bis 25. Juli.

Museum Barberini: Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus, Alter Markt, Potsdam, Mi.–Mo. 10–19 Uhr, bis 11. Oktober.

Brigitte Werneburg

Brigitte Werneburg

war Filmredakteurin, Ressortleiterin der Kultur und zuletzt lange Jahre Kunstredakteurin der taz. Seit 2022 als freie Journalistin und Autorin tätig. Themen Kunst, Film, Design, Architektur, Mode, Kulturpolitik.

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Классификация: Культура. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 10.4. Источник: www.taz.de.