Fernando Alonso fremdelt mit den Formel-1-Autos. Der zweimalige Weltmeister erklärt, wie viel weniger Spaß die besten Strecken machen und was verändern würde.
Für den zweimaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso fühlen sich die Rennautos der Generation 2026 immer noch fremd an. „Ich bin eben mit einem anderen Motorsport aufgewachsen“, sagte der 45-Jährige vor dem Grand Prix von Aserbaidschan.
Ein Fahrer müsse mit den aktuellen Autos „sehr viel nachdenken“, schon vor dem Einsteigen. Es sei zu viel durch das Reglement, das Engineering und die Simulationen „vorgegeben und programmiert. Deshalb macht es deutlich weniger Spaß, diese Autos zu fahren.“
Laut Alonso ist dieses Phänomen auf die Formel 1 beschränkt: „Es gibt keine andere Rennserie, in der man langsam fahren muss, um schnell zu sein!“ Der Saisonverlauf habe die Schwächen des neuen Technischen Reglements aufgezeigt:
„Silverstone ist eine unglaubliche Strecke, aber sie macht keinen Spaß mehr. Spa war beinahe peinlich. Eau Rouge, Suzuka mit der 130R - es gab einige Strecken, die in diesem Jahr regelrecht kaputtgemacht wurden.“
Der Spanier weiter: „Ich fahre viele verschiedene Fahrzeuge. Und bei jedem einzelnen Auto, das ich fahre, fühlt es sich für mich ganz natürlich an, schnell zu fahren. Man bremst später, geht früher aufs Gas, geht mehr Risiken ein und lernt dabei. Man entwickelt sich weiter. Mit jeder Runde wird man schneller, weil man das Auto immer besser kennt und seine Grenzen immer besser versteht. Das ist der pure Fahrinstinkt. Mit dem aktuellen Reglement funktioniert das nicht so.“
Was also würde er anders machen? Alonso erklärte: „Eine Möglichkeit wäre, die Spitzenleistung der Batterie zu reduzieren und die Leistung dafür über einen längeren Zeitraum bereitzustellen. Dann würde die Geschwindigkeit auf der Geraden kontinuierlicher steigen.“
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Das ist derzeit nicht der Fall: Aufgrund des Energiemanagements des aktuellen Antriebskonzepts erreichen die Formel-1-Autos teilweise schon zur Mitte einer langen Geraden ihre Höchstgeschwindigkeit und werden anschließend sogar wieder langsamer.
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Grund dafür ist das sogenannte Super-Clipping: Bei hohen Geschwindigkeiten wird die elektrische Leistungsabgabe der MGU-K stark reduziert. Dadurch sinkt die Gesamtleistung des Antriebs, obwohl der Fahrer weiterhin Vollgas gibt.
Das würde Alonso gerne vermeiden. Seine Vorschlag: „Wenn man weniger Leistung hätte, diese aber länger zur Verfügung stünde, würde die Geschwindigkeitskurve eher wie bei einem Rennwagen aussehen. Dann würde man die Kurve mit der Höchstgeschwindigkeit erreichen - und nicht die Höchstgeschwindigkeit schon in der Mitte der Geraden.“
Formel-1-Chef Stefano Domenicali sieht das anders - und kein Problem beim aktuellen Antriebskonzept der Motorsport-„Königsklasse“. Im Gegenteil: Laut Domenicali steht die Formel 1 besser da denn je.
„Was den Sport an sich betrifft, stimme ich ihm eher zu“, sagte Alonso. „Die Formel 1 wächst enorm. Neue Fans kommen hinzu. Die Rennen sind teilweise unterhaltsam anzusehen. All diese Dinge. Wenn ich mir zum Beispiel den Grand Prix von Miami anschaue: Das ist fantastisch. Ich nehme meine Familie immer mit nach Miami. Ich würde auch gerne als VIP und Zuschauer zum Grand Prix von Miami gehen. Es ist eine großartige Veranstaltung.“
Die andere Sache aber sei die „Cockpit-Pperspektive“, betonte Alonso. „Dann gibt es wahrscheinlich eine gewisse Frustration.“ Er und Max Verstappen seien Fahrer, die ihre Meinung sehr deutlich zum Ausdruck bringen. „Ich glaube aber, im Grunde empfinden alle [Fahrer] dasselbe.“
Von Stefan Ehlen, Co-Autor: Ronald Vording