Wo ist der Wohnungskauf noch bezahlbar? Die Analyse zeigt, welches Einkommen Sie in 400 Regionen für 100 Quadratmeter brauchen.
Experten empfehlen, maximal 30 Prozent des Nettolohns für den Hauskauf auszugeben. Wer sich an diese Regel hält, braucht ein hohes Einkommen, um sich in Deutschland eine Wohnung leisten zu können.
332.000 Euro kostet aktuell die durchschnittliche Eigentumswohnung mit 100 Quadratmetern in Deutschland. Die Summe enthält schon Kaufnebenkosten wie Makler, Grunderwerbsteuer und Notar. Durchschnittlich bringen deutsche Immobilienkäufer 20 Prozent dieser Summe als Eigenkapital ein. Übrig bleiben also 266.000 Euro, die per Kredit abgezahlt werden. Beim einem Zinssatz von durchschnittlich 4,12 Prozent bei 15 Jahren Zinsbindung läge die Monatsrate bei 1423 Euro. Damit wäre die Wohnung in 25 Jahren abbezahlt.
Wer kann sich das allerdings leisten? Nun, Finanzexperten empfehlen als Faustregel, maximal 30 Prozent Ihres Nettoeinkommens für die Monatsrate auszugeben. Für 1423 Euro im Monat bräuchten Sie also einen Nettoverdienst von 4742 Euro. Für Alleinstehende in Steuerklasse I sind das brutto ungefähr 8311 Euro. Wer so viel verdient, gehört in Deutschland allerdings schon zu den obersten acht Prozent der Einkommen.
Im Video: Hier können Sie sich als Normalverdiener eine Wohnung kaufen
Nun sind die 332.000 Euro aber nur der bundesweite Durchschnittswert. Die Spannbreite ist groß. Die teuersten Wohnungen gibt es in München. Hier zahlen Sie für 100 Quadratmeter mittlerweile rund eine Million Euro. Wer sich finanziell nicht übernehmen will, müsste dafür monatlich 4300 Euro zahlen. Das ginge nur mit einem Nettoeinkommen von 14.331 Euro im Monat, was wiederum brutto etwa 25.763 Euro entspricht. In dieser Höhe verdient nicht einmal das oberste Prozent in Deutschland.
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Am anderen Ende der Skala steht der sächsische Vogtlandkreis. Hier zahlen Sie für eine Eigentumswohnung mit 100 Quadratmetern rund 102.000 Euro. Das lässt sich bequem mit einer Monatsrate von 434 Euro finanzieren. Dafür wiederum reichen 1448 Euro netto und 1983 Euro brutto im Monat. Nach Daten des IW Köln erreichen 83 Prozent der deutschen Haushalte diesen Wert.
Thüringen und Sachsen-Anhalt dominieren die günstigsten Regionen. 13 der 16 Städte und Landkreise, in denen Sie sich 100 Quadratmeter mit weniger als 3000 Euro brutto leisten können, liegen hier. Darunter sind mit Dessau-Roßlau und Gera auch zwei Mittelstädte mit immerhin mehr als 10.000 Einwohnern.
Wer in der Großstadt wohnen will, muss schon deutlich besser verdienen. Chemnitz ist mit einem notwendigen Bruttoeinkommen von 3189 Euro die günstigste in Deutschland. In Salzgitter (Niedersachsen), Bremerhaven (Bremen), Gelsenkirchen und Herne (beide Nordrhein-Westfalen) reichen ebenfalls weniger als 5000 Euro brutto im Monat.
Der mittlere deutsche Arbeitnehmer erhält aktuell etwa 4500 Euro brutto im Monat. Mit diesem Einkommen ständen Ihnen gerade einmal 52 der 400 deutschen Regionen offen. 40 davon liegen in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aus dem Westen ist Niedersachsen mit Salzgitter und vier ländlichen Kreisen vertreten. Rheinland-Pfalz hat drei passende Landkreise für Durchschnittsverdiener, NRW, Hessen, das Saarland und Bayern je einen.
Den Spitzensteuersatz zahlen Sie in Deutschland als Alleinstehender ab einem Bruttoeinkommen von etwa 6800 Euro. 90 Prozent der Deutschen liegen unter dieser Marke. Doch gerade einmal 145 Regionen sind damit problemlos finanzierbar. Immerhin: Mit Wolfsburg (Niedersachsen), Duisburg, Mönchengladbach, Oberhausen, Remscheid, Wuppertal, Bottrop, Bochum, Hagen, Hamm (alle NRW), Halle an der Saale und Magdeburg (beide Sachsen-Anhalt) liegen zwölf weitere Großstädte im Budget.
255 Regionen, darunter 51 Großstädte, sind aber selbst für Gutverdiener nicht zu finanzieren. Visualisiert man dies auf einer Karte, werden drei große Cluster sichtbar. Das eine ist eben München mit seinen umliegenden Städten und Landkreisen. Erst an der tschechischen Grenze werden die Wohnungen auf dem Land wieder günstiger. Das zweite Cluster ist rund um die Hauptstadt Berlin. Die selbst benötigt ein Bruttoeinkommen von 16.000 Euro für 100 Quadratmeter Wohnung. Das nebenan liegende Potsdam kommt sogar auf 16.500 Euro. Doch auch alle angrenzenden Landkreise liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Das dritte Cluster bilden die Ferienregionen. Das betrifft einmal alle Küstengebiete an der Nord- und Ostsee. Hier sind die Durchschnittspreise aber oft wegen der Ferieninseln wie Sylt oder Rügen sehr teuer. Auf dem Festland können die Preise deutlich niedriger liegen. Teuer sind auch die Voralpenregionen in Bayern und Baden-Württemberg.
Für interessierte Wohnungskäufer bedeutet die Statistik vor allem eins: Die Zeiten, in denen Sie eine Wohnung mit einem einzigen Einkommen kaufen konnte, sind für die überwiegende Mehrheit der Deutschen vorbei. Wer heute noch eine Wohnung kaufen möchte, braucht meist zwei Einkommen. Alternativ muss er mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens ausgeben. Oder er muss kleiner kaufen als 100 Quadratmeter.
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