Emelia Tenkorang hat in Ghana eine Schule gegründet, die eine Partnerschaft mit dem Bonner Helmholtz-Gymnasium eingegangen ist. Bei einem Besuch an der Duisdorfer Schule erzählt sie, in welchen Punkten sich der Alltag von dem in Deutschland unterscheidet.
Duisdorf · Emelia Tenkorang hat in Ghana eine Schule gegründet, die eine Partnerschaft mit dem Bonner Helmholtz-Gymnasium eingegangen ist. Bei einem Besuch an der Duisdorfer Schule erzählt sie, in welchen Punkten sich der Alltag von dem in Deutschland unterscheidet.
15.10.2026 , 05:00 Uhr
Emelia Tenkorang berichtet am Helmholtz-Gymnasium dem Englisch-Leistungskurs vom Alltag an ihrer Emil's Care Academy in Ghana.
Foto: Stefan KnoppNachdem Emelia Tenkorang vom Unterrichtsalltag an ihrer Schule in Kasoa in Ghana berichtet hat, wird mancher Schüler des Helmholtz-Gymnasiums (HHG) wohl froh sein, nicht ganz so früh aufstehen zu müssen wie die Kinder dort. An Emil’s Care Academy beginnt der Tag um 7 Uhr. „Die Lehrer mögen Verspätungen nicht“, erklärt die Schulleiterin dem Englisch-Leistungskurs der Stufe Q2 von Lehrer Florian Stein. Alle 320 Schulkinder und die Lehrer beten gemeinsam, singen die Schulhymne und begeben sich dann in die Klassen zum Unterricht: Englisch, Mathematik, Sozialkunde, Naturwissenschaften, Französisch, Geschichte und mehr wird dort gelehrt.
Seit Januar 2020 besteht eine Schulpartnerschaft zwischen der Schule in Kasoa, einer Art Vorort der ghanaischen Hauptstadt Accra, und dem Duisdorfer Gymnasium. Zwei Jahre vorher hat Tenkorang die Einrichtung inklusive Kindergarten gegründet, um Kindern von verwitweten oder alleinerziehenden Müttern eine Schulausbildung zu ermöglichen und diese zu entlasten.
Mit der Partnerschaft kam finanzielle Unterstützung aus Deutschland, durch die schon viele An- und Ausbauten angegangen werden konnten. Die Einrichtung hat jetzt einen Computerraum, auch ein Schulbus wurde angeschafft und ein Brunnen für sauberes Trinkwasser auf dem Grundstück der Academy mit ihrem violett-rosafarbenen Maueranstrich gebohrt, damit die Kinder nicht über einen Tanklastwagen mit Wasser versorgt werden müssen.
„Zwei- bis dreimal im Jahr schicken wir Geld, das wir zum Beispiel in den Schulgottesdienst sammeln“, erklärt Lehrerin Maren Bohlen, die das Projekt betreut. Auch aus dem Sponsorenlauf der Aktion Tagwerk kamen Gelder zusammen, außerdem gibt es Einzelspenden. „Wir haben an die 25.000 Euro geschickt in den letzten fünf, sechs Jahren.“ Das sei aber bislang eher eine Patenschaft. „Wir sind bemüht, daraus eine richtige Partnerschaft zu machen“, so Bohlen. Deshalb war sie im letzten Jahr erstmals dort, und nun hat die Leiterin der Academy in Duisdorf besucht. Man wirbt auch für einen Freiwilligendienst dort – einige Schüler aus dem Englisch-Leistungskurs können sich das vorstellen. Weiterhin bemüht man sich um eine Förderung, damit auch Schulkinder aus Ghana ans HHG kommen können.
Vieles ist aus ihrer Sicht anders an der Schule in Duisdorf. Ihr seien zuerst die vielen Fahrräder aufgefallen, sagt Tenkorang. Viele ihrer Kinder fahren mit dem Bus zur Schule. Das große Fußballfeld, das große Gebäude mit großen Klassenräumen, das alles habe sie beeindruckt. Sehr angetan ist sie auch von der Schulbücherei. „Ich möchte das in Zukunft auch haben.“ Und sie hat an einigen Unterrichtseinheiten teilgenommen. Ungewohnt sei nicht nur das Arbeiten mit dem digitalen Smartboard, sondern auch das Konzept von Kleingruppenarbeit und interaktivem Lernen: An ihrer Schule in Ghana werde klassisch frontal unterrichtet.
Die Oberstufenschüler sind auch an Politik, Migration und Klima in Ghana interessiert. Und sie wollen wissen, wie Tenkorang selbst Schule als Kind erlebt hat. In den vergangenen 30 Jahren habe sich da viel getan, sagt sie. „Damals gingen nur Männer zur Schule, Frauen waren zum Kochen da.“ Aber sie habe ihre Eltern überzeugt, sich auch unterrichten zu lassen. Inzwischen gehen Mädchen genauso wie Jungs zur Schule, die im Fall von Emil’s Care Academy von einer Frau geleitet wird. Und, sagt Tenkorang, Ghana hat eine Vizepräsidentin. Das zeige, wie weit es Frauen heute in ihrem Land bringen können.
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