Der Bonner Frank Baran veranstaltet zum ersten Mal eine eigene Buchmesse. Am 24. Oktober feiert das „Bonner Lesezeichen“ im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg Premiere – das Interesse an der kleinen Buchmesse ist groß.
Brüser Berg · Der Bonner Frank Baran veranstaltet zum ersten Mal eine eigene Buchmesse. Am 24. Oktober feiert das „Bonner Lesezeichen“ im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg Premiere – das Interesse an der kleinen Buchmesse ist groß.
22.10.2026 , 07:15 Uhr
Frank Baran macht in der Buchhandlung Goethe & Hafis Werbung für seine erste Buchmesse: Am 24. Oktober lädt der Bonner Autor und Verleger zum „Bonner Lesezeichen“ ins Nachbarschaftszentrum Brüser Berg ein.
Foto: Stefan HermesManchmal entstehen die besten Ideen aus einer gewissen Unzufriedenheit. Bei Frank Baran war es gleich zweimal so. Als der Duisdorfer Autor für sein Buchprojekt keinen passenden Verlag fand, gründete er kurzerhand selbst einen. Und als er später nach einer kleinen Buchmesse suchte, die seinen Vorstellungen entsprach, wiederholte sich die Geschichte. „Ich habe keine gefunden, also habe ich selber eine ins Leben gerufen“, sagt er und schmunzelt. Was im Frühjahr noch eine Idee war, wird am Samstag, 24. Oktober, Wirklichkeit: Im großen Saal des Nachbarschaftszentrums Brüser Berg (NBB) dreht sich beim „Bonner Lesezeichen“ von 10 bis 16 Uhr alles um Bücher, Geschichten und die Menschen dahinter. Die 23 Ausstellungsplätze waren überraschend schnell vergeben. Die Idee einer kleinen Buchmesse hat bei denen, die Bücher schreiben, verlegen und verkaufen, offenbar den richtigen Nerv getroffen.
Dabei ist der Ausstellungsmacher Baran selbst noch gar nicht so lange in der Literaturszene unterwegs. Der frühere Marinesoldat ging mit 56 Jahren in den Ruhestand. Drei Jahre später erhielt er die Diagnose Krebs. Baran begann zu schreiben, um seine Erfahrungen zu verarbeiten. „Mein Buch ist entstanden, weil mir eines Tages die Worte ausgegangen sind – und gleichzeitig zu viele da waren“, sagte er über seine erste Veröffentlichung „Krebs in Vers Libre – Freie Zeilen einer Krankheit“. Ende 2025 gründete Baran mit „Freie Zeilen“ seinen eigenen Verlag. Und nun organisiert er eine Messe – nicht nur für sich, sondern ausdrücklich auch für kleinere Verlage und unabhängige Autoren. „Mir ist wichtig, dass diese Veranstaltung mehr wird als eine reine Verkaufsmesse“, sagt er. Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und Literatur unmittelbar erleben.
Wie das aussehen kann, beschreibt Autorin Ramona Müller-Linow mit einer kleinen Szene: Zwei Menschen stehen zwischen Bücherstapeln, vertieft in ein Gespräch über Geschichten. Erst als es draußen dämmert, schaut eine Frau überrascht auf ihre Uhr: „So spät schon?“ Solche Begegnungen wünscht sich Müller-Linow auch für das „Bonner Lesezeichen“. „Denn hinter jedem Buch steckt ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte“, sagt sie. Müller-Linow ist Autorin und Lernprozessbegleiterin. Ihr Roman „Die Brutalität der Bedeutungslosigkeit“ handelt von Scham und von Selbstzweifeln – und von Belastungen, die von außen kaum zu erkennen sind. Auf der Messe könnte man von ihr erfahren, wie ihre Figuren entstanden sind und warum sie das Buch schreiben musste. Statt nur hinter ihrem Messetisch zu sitzen, will sie vor allem „mittendrin sein“, Menschen kennenlernen und sich überraschen lassen.
Auch Sigune Schnabel aus Wesseling hofft auf Gespräche und neue Kontakte. Die studierte Literaturübersetzerin veröffentlicht vor allem Lyrik, aber auch Kurzgeschichten in einem Kleinverlag. Sie begrüßt, dass mit der Messe ein „niedrigschwelliges Angebot in der Region“ entsteht, und hofft, dass es sich langfristig etabliert. Neben Autorinnen und Autoren beteiligen sich auch kleinere Verlage und Buchhandlungen. Dazu gehört die „Bücherwelt am Himberg“. Buchhändlerin Janina Dempewulf möchte das Bonner Lesezeichen nutzen, um neue Bücher und Trends zu entdecken, Kontakte zu Autoren und Verlagen zu knüpfen und Anregungen für ihre Buchhandlung zu sammeln. Sie freue sich auf „interessante Begegnungen“ und den Austausch mit anderen Buchbegeisterten.
Für das Publikum eröffnet sich damit die Gelegenheit, nicht nur Literatur abseits der großen Bühnen kennenzulernen, sondern auch die Menschen, die sie schaffen. Initiator Baran hofft auf „eine lebendige, offene Atmosphäre, neugierige Besucher und viele gute Gespräche“. Besonders freuen würde es ihn, „wenn Menschen Bücher entdecken, auf die sie sonst vielleicht nie aufmerksam geworden wären“.
Dass es an diesem Tag um mehr als Bücher geht, zeigt eine Tombola zugunsten des Förderkreises für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn. Müller-Linow, die früher als Kinderkrankenpflegefachkraft tätig war, liegt dieses Engagement besonders am Herzen: „Hier zeigen Bücher, dass sie noch mehr können, als Geschichten zu erzählen.“ Auch für Baran ist die Unterstützung des Vereins eine Herzensangelegenheit.
Ob aus dem „Bonner Lesezeichen“ ein fester Termin im Bonner Kulturkalender wird, wird sich zeigen. Die erste Hürde ist jedenfalls genommen: Aus einer persönlichen Idee wurde eine ausgebuchte Buchmesse. Und vielleicht wird am Ende tatsächlich jemand zwischen Bücherstapeln auf die Uhr schauen und verwundert fragen: „So spät schon?“