„Was riecht hier denn so streng?“ Das fragte sich eine Freundin plötzlich über ihre Wohnung und fiel aus allen Wolken, als sie die Geruchsquelle entdeckte.
Der Berliner Wohnungsmarkt ist prekär. Ein über die Stadtgrenzen berüchtigtes Unding. Selbst wenn man umziehen wollte, müsste man bei Schönheit, Preis und Lage viele Abstriche machen. Umziehen oder generell nach Berlin ziehen, ist eine brutale Schnapsidee.
Laut dem letzten Berliner Wohnraumbedarfsbericht waren nur 27,8 Prozent der angebotenen Wohnungen für Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen bezahlbar. Und lediglich 4,8 Prozent für Haushalte, die über 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Am besten bleibt man, wo man ist.
Das dachte sich auch eine gute Freundin, die sich ihre Wohnung nach der letzten Mieterhöhung nicht mehr leisten konnte. Eine neue schon gar nicht. Es ist nicht schön, sich mit Mitte 40 plus Kind auf die Suche nach einem Mitbewohner machen zu müssen.
„Bin ich wieder Studentin?“, klagte sie am Telefon über die fast nicht zu bewältigende Masse an Anfragen von Studenten, die via Immoscout und WG-Gesucht.de bei ihr eintrudelten.
Sie entschied sich für eine ordentliche und kinderliebe Cellistin, die ein Lehrauftrag in die Stadt geweht hat und ihre Wochenenden grundsätzlich in Hamburg verbringt. Ideal!
Vor ein paar Tagen lud sie mich zum Essen ein, und noch an der Haustür rutschte mir die Frage raus: „Was riecht hier so nach Katzenklo?“ Sie führte mich mit unglücklichem Gesicht zur Quelle des Übels: das Zimmer der neuen Mitbewohnerin.
Erst hatte sie die drei Katzen der Nachbarin in Verdacht. Sie öffnete die Zimmertür, und sofort schlug mir der Geruch einer schmuddeligen Tierarztpraxis entgegen. „Ich glaube, es ist ihr Sofa.“
Sie hat in Abwesenheit der Mitbewohnerin alles versucht: Stoßlüften im Dreistundentakt, Febreze-Textilspray, Duft- und Räucherstäbchen, Polsterschaum. Sogar einen Dampfreiniger hatte sie sich im Bauhaus geliehen, doch nichts hilft.
Die nächste Offensive findet nächstes Wochenende mit einem luftreinigenden Ozongenerator statt. Kostenpunkt: über 100 Euro. Aber immer noch günstiger als eine unverschämte Miete. Ich habe Mitleid.
Denn wie erzählt man einer frisch eingezogenen Person, dass sie nicht frisch riecht? Und was ist tragischer: der Berliner Wohnungsmarkt oder eine Mitbewohnerin, deren Anwesenheit nur mit hochreaktiven Gas zu ertragen ist?
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