In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Nur einige Brauereien überleben. Simone Strate, Chefin der Strate-Brauerei, verrät, wie sie mit Innovation überlebt.

Johanna Schlotmann
Simone Strate leitet zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter eine 163 Jahre alte Brauerei in Detmold.
Während gerade viele Firmen schließen, sieht Simone Strate in der Krise sogar eine Chance für Innovation.
Auf welche Strategie sie jetzt setzt – und was ihr davon lernen könnt.
Am 15.10.2026 hat Business Insider Simone Strate als Zukunftsmacherin 2026 ausgezeichnet. Der Award wird durch unsere Partner Regis 24, PwC und Urban Sports Club unterstützt.
Laut Wissenschaftlern der Universität Rostock werden die meisten Unternehmen in Deutschland nicht älter als zwölf Jahre. Das ist jedenfalls die Zeit, die eine Firma im Durchschnitt bestehen bleibt.
Für Unternehmer wie Simone Strate spielen diese Zeiträume kaum eine Rolle. Mehr als dreizehnmal so lang gibt es ihre Firma schon: Strate ist Geschäftsführerin einer Brauerei in Detmold.
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Doch die Tradition ist bedroht. Der Absatz der Standardsorten Pilsener oder Helles geht auch dank des neuen Gesundheitsfokus mindestens seit 2020 zurück, wie der Deutsche Brauer-Bund meldet. Alkoholfreies Bier ist die einzige Sparte mit steigenden Verkäufen. Gerade erst, sagt Strate, sei im 25 Kilometer entfernten Herford das Aus für zwei Konkurrenzmarken bekannt geworden. „Wenn irgendwo Bier draufsteht, sind die Leute skeptisch“, sagt die Brauerei-Chefin. Die Lage am Markt sei entsprechend „heftig“.
Aus der Tradition etwas Neues zu erschaffen, das ist Simone Strates Lebensaufgabe. 1995 starb überraschend ihr Vater. Sie entschied sich, die Firma zu übernehmen. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester leitet sie das Unternehmen jetzt schon seit mehr als 30 Jahren. Innovation, sagt Strate, sei entscheidend dafür, sich durchzusetzen.
Bei Strate gibt es 28 verschiedene SortenUnd daran mangelt es nicht. Mittlerweile gibt es 28 verschiedene Sorten aus der Strate-Brauerei. Die Einflüsse kommen von überall: Die Deutschen wollen gesünder leben – deshalb hat die Brauerei-Strate mehrere spezielle alkoholfreie Sorten auf den Markt gebracht. Auch Social Media ist eine Quelle für neue Ideen. Neueste Kreation: „Straterol“ – eine Mischung aus einem alkoholfreien Radler und Aperol, die auf Instagram-Fotos genau so gut aussieht wie Cocktails ohne Bieranteil. „Mit Pilsener Bier allein“, sagt Strate, „gäbe es uns schon nicht mehr.“
15 Millionen Flaschen verlassen die Brauerei pro Jahr. Das ist für Brauereien eine mittlere Größenordnung. Was für Strate viel wichtiger ist als der Absatz allein, ist die außergewöhnlich schnelle Handlungsfähigkeit. Innerhalb von vier Wochen könne Strate eine neue Sorte auf den Markt bringen, sagt sie. Konkurrenten brauchen dafür meistens länger als ein Jahr.
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Diese kleineren Chargen werden immer stärker nachgefragt. Aktuell verkauft sich der Klassiker, die Sorte „1863 Helles“, insgesamt zwar noch am besten, aber individuelle Aufträge spielen eine immer größere Rolle. Dazu kommt auch: Von den neuen Produkten erhofft sich Strate, das öffentliche Image von Bier insgesamt zum Positiven zu verändern.
In Zeiten der Longevity-Bewegung, in der es darum geht, das Leben möglichst auf Gesundheit zu optimieren, seien viele Kunden heute eher skeptisch. Ausgerechnet Bier sei aber eine Möglichkeit, die Tradition des Handwerks und Lifestyle zu verbinden. „Unsere Brauer und Mälzer machen alle eine dreijährige Ausbildung“, sagt Strate. „Statt für die nächsten zehn Jahre fest zu planen, setzen wir auch im Team auf junge Leute und ihre Ideen, was sich verändern oder neu erschaffen ließe.“
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Wie gut diese Verbindung aus Alt und Neu mittlerweile funktioniert, zeigt sich sogar am Gebäude selbst. Auch die Anlage ist schon weit über 100 Jahre alt, aber hochmodern. Kunden forderten heute etwa umweltfreundliche Technologien bei der Herstellung ein, sagt Simone Strate. Doch in der Krise können viele Firmen den kostenintensiven Ansprüchen nicht gerecht werden. Fast die Hälfte der vom IW befragten Unternehmen sah eine „unklare Kosten-Nutzen-Relation von Investitionen in klimafreundliche Technologien“ als Hindernis für ihren Erfolg.
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Bier zu brauen ist ein wärme- und energieintensives Geschäft. Bei Strate gibt es auch Solarzellen, die Firma ist zu 95 Prozent energieautark. Aber auch alte Kühlkeller erlebten gerade eine Renaissance. Die gibt es schon seit Gründung der Firma und würden heute wieder helfen, Strom zu sparen. „Heutzutage müssen Brauereien super effizient sein“, sagt Simone Strate. Die traditionelle Architektur der Firma zu nutzen, helfe heute dabei, innovativ zu bleiben.
Die nächste Innovation? Nach ihrer Ausbildung soll demnächst auch Tochter Johanna ins Geschäft einsteigen. Dann werden es voraussichtlich vier Frauen in der Geschäftsführung sein. Früher sei das noch stärker aufgefallen. Mittlerweile achten die meisten eher nicht mehr auf das Führungsteam – sondern auf seinen Erfolg.
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