Apple hat sich mit seinem ersten faltbaren iPhone viel Zeit gelassen. Unser Test zeigt, was das Duo besonders macht und welche Schwächen bleiben.

BUSINESS INSIDER
Apple hat sich Zeit gelassen. Während Samsung, Google und andere Hersteller seit Jahren faltbare Smartphones verkaufen, bringt der Konzern erst jetzt sein erstes Modell auf den Markt. Das iPhone Duo muss sich deshalb an einem hohen Maßstab messen lassen. Für die typischen Kinderkrankheiten früher Foldables gibt es nach Jahren der Konkurrenzbeobachtung wenig Spielraum.
Im Test wirkt das Duo für ein Erstlingswerk an vielen Stellen erstaunlich ausgereift. Sein Scharnier arbeitet präzise, das große Innendisplay macht schnell Lust aufs Lesen und Videoschauen.
Gleichzeitig trägt man 254 Gramm mit sich herum und bekommt ausgerechnet bei Kamera und Entsperrung weniger Technik als beim iPhone 18 Pro. Auch die Software kann mit der Hardware bisher nicht überall mithalten.
1. Das Innendisplay lässt die Falte fast verschwindenWer Foldables kennt, sucht beim ersten Aufklappen fast automatisch nach der Falte. Beim iPhone Duo muss man schon ziemlich genau hinsehen. Das 7,6 Zoll (19,3 Zentimeter) große Innendisplay besitzt eine Nanotextur-Oberfläche. Sie reduziert Spiegelungen merklich und kaschiert zugleich den Falz in der Mitte. Bei eingeschaltetem Display und normalem Blickwinkel war er in unserem Test praktisch nicht zu erkennen. Erst auf einer schwarzen Fläche und schräg gegen das Licht betrachtet bleibt die Vertiefung sichtbar. Im Alltag störte sie kein einziges Mal.
Apple will beide Displays später mit einem Software-Update auch für den Apple Pencil freigeben. Gerade auf der leicht matten Oberfläche des Innendisplays dürfte sich das anbieten. Zum Verkaufsstart funktioniert der Stift allerdings noch nicht.
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Zusammengeklappt wirkt das Duo fast wie ein kleines digitales Notizbuch im Format eines Reisepasses. Das Außendisplay misst rund 5,4 Zoll (13,7 Zentimeter). Wir haben uns im Test schnell an dieses Format gewöhnt und viele Dinge gleich darauf erledigt. In der vorderen Hosentasche trägt es sich angenehmer als jedes andere Smartphone.
Klappt man das Gerät auf, stehen 7,6 Zoll (19,3 Zentimeter) zur Verfügung. Der Unterschied klingt auf dem Papier kleiner, als er sich anfühlt. Lange Texte, Magazine und Zeitungen als E-Paper, Websites und Videos profitieren erheblich von der zusätzlichen Fläche.
Lange Artikel lassen sich auf dem Duo fast wie auf einem kleinen Tablet konsumieren. Webseiten profitieren ebenfalls von der zusätzlichen Fläche. Videos passen wegen des Seitenverhältnisses gut auf das Display, die schwarzen Balken oben und unten bleiben vergleichsweise schmal.
Nach einiger Zeit entwickelt sich ein ziemlich selbstverständlicher Umgang damit: Für eine Nachricht, einen kurzen Blick auf die Mails oder schnelle Informationen bleibt das Gerät geschlossen. Wer länger liest oder ein Video startet, klappt es auf.
Der A20-Pro-Chip, den Apple auch im iPhone 18 Pro einsetzt, liefert dafür reichlich Leistung. Zwei parallel laufende Anwendungen arbeiten flüssig. Besonders schön ist ein Detail, das wahrscheinlich in keinem Datenblatt viele Käufer überzeugen wird: die Animation beim Aufklappen.
Der Übergang zwischen den Displays läuft derart geschmeidig, dass er nach kurzer Zeit selbstverständlich wirkt. Hier hat Apple sichtbar Zeit in Details investiert, denen andere Hersteller wenig Aufmerksamkeit schenken.
3. Apple hat verstanden, wo der Daumen sitztDas kurze und breite Format verlangt nach einer anderen Bedienung. Apple hat iOS deshalb an einigen Stellen sichtbar umgebaut. Dock, Statusanzeigen und zahlreiche Bedienelemente wandern an den rechten Bildschirmrand.
Für Rechtshänder sind sie dort mit dem Daumen erstaunlich gut zu erreichen. Apple hat seine eigenen Anwendungen entsprechend angepasst. Menüs befinden sich dort, wo die Hand sie ohne Verrenkungen erreicht.
Linkshänder dürften mit diesem Konzept weniger glücklich werden. Vor allem Elemente in der rechten oberen Ecke verlangen dann einen deutlich längeren Daumen. Das Außendisplay funktioniert trotzdem überraschend gut als eigenständiges Smartphone-Display. Es wirkt im Alltag nicht wie ein Hilfsbildschirm, den man nur benutzt, wenn gerade keine Zeit zum Aufklappen bleibt. Die kurze Bauform hat ihren eigenen Charme.
4. Das iPhone-Scharnier ist ein kleines KunststückBei einem normalen Smartphone muss sich kaum jemand für ein Scharnier interessieren. Beim Duo bestimmt es einen erheblichen Teil der Nutzung. Die Konstruktion besteht aus mehr als 100 Einzelteilen und lässt sich über einen großen Bereich stufenlos anwinkeln. Das Display bleibt anschließend zuverlässig in der gewünschten Position.
Das schafft praktische Einsatzmöglichkeiten. Auf einem Tisch steht das Duo von allein für einen Videoanruf – wie man es von einem Notebook kennt. Im Zeltmodus eignet es sich zum Videoschauen. Nachts kann man es beim Laden als Wecker aufstellen. Der Stand-by-Modus bietet dafür verschiedene konfigurierbare Ansichten.
Auch das Öffnen selbst ist fein abgestimmt. Der Widerstand verändert sich während der Bewegung. Das Duo wirkt dadurch mechanisch erstaunlich selbstverständlich, obwohl sich im Gelenk eine ziemlich komplexe Konstruktion verbirgt.
5. IP68 nimmt dem Duo seinen ExotenstatusEiner der technisch beeindruckendsten Punkte lässt sich leicht übersehen: Das iPhone Duo ist nach IP68 gegen das Eindringen von Staub und Wasser zertifiziert. Für ein Smartphone mit flexiblem Display, zwei Gehäusehälften und einem komplexen Scharnier ist das erheblich aufwendiger als bei einem konventionellen iPhone.
Apple schließt damit eine Lücke, die Foldables lange begleitet hat. Ein Smartphone für den Alltag muss schließlich auch Regen, Staub und Missgeschicke vertragen können. Nach den Bedingungen der Zertifizierung ist das Duo gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt. Apple gibt eine maximale Tiefe von sechs Metern für bis zu 30 Minuten an.
Damit behandelt Apple sein erstes Foldable beim Schutz gegen Wasser und Staub weitgehend wie ein gewöhnliches iPhone. Gerade angesichts des aufwendigen Scharniers gehört die IP68-Zertifizierung zu den bemerkenswertesten technischen Leistungen des Duo.

Apple
Ein Foldable muss seinen zusätzlichen Bildschirm sinnvoll nutzen. Das Duo liefert dafür einige gute Beispiele. Beim Fotografieren kann das Außendisplay als Sucher dienen. Fotografiert man eine andere Person, sieht diese auf Wunsch schon bei der Aufnahme das Bild. Für Selfies lässt sich das Prinzip umdrehen: Duo aufklappen, Hauptkamera verwenden und sich selbst auf dem zweiten Display kontrollieren.
Auch Entwickler können mit dem Format spielen. Apples eigene Programme wie Pages und Numbers sind bereits angepasst. Apps können unterschiedliche Inhalte auf beiden Bereichen anzeigen oder auf den Winkel des Displays reagieren.
Ein besonders verspieltes Beispiel ist Deck Man. Die App verwandelt das Duo in eine Art digitalen Retro-Kassettenplayer. Man öffnet das Smartphone, sucht ein Album aus und klappt es anschließend für die Wiedergabe wieder zusammen, als hätte man eine Kassette in einen Walkman gelegt. Solche Anwendungen geben einen Eindruck davon, was Entwickler mit einem Smartphone anfangen können, dessen Bildschirm seine Form verändert.
Das neue iPhone Duo hat jedoch nicht nur Lob verdient. Wie der Test zeigt, gibt es mehrere Dinge, die uns stören.
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Aufgeklappt ist das Duo lediglich 5,2 Millimeter dünn. Zusammengeklappt werden daraus 11,3 Millimeter. Hinzu kommen 254 Gramm Gewicht. Das kurze und breite Format verteilt die Masse erstaunlich angenehm. Auf Dauer lässt sich die Physik trotzdem nicht austricksen. Wer längere Zeit mit einer Hand liest, tippt oder scrollt, spürt das Duo im Handgelenk.
Vor allem im Vergleich mit aktuellen Konkurrenten fällt das Gewicht auf. Das Duo wiegt etwa ein Viertel mehr als Samsungs Galaxy Z Fold 8, das in ähnlichem Format daherkommt. Auch bei der Dicke ist Luft nach oben. 11,3 Millimeter sind für ein Foldable inzwischen kein Bestwert mehr. Apples Ingenieure bekommen damit für die nächste Generation eine ziemlich konkrete Vorgabe: ein paar Millimeter und vor allem einige Gramm weniger.
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Das dürfte zumindest in den ersten Monaten einer der nervigsten Punkte sein. Zahlreiche Anwendungen wissen mit den ungewöhnlichen Abmessungen noch wenig anzufangen. Dann bleiben Flächen ungenutzt, Inhalte erscheinen in einem unpassenden Format oder eine Anwendung wirkt wie eine aufgeblasene iPhone‑App. In unserem Test fiel das beispielsweise beim PressReader unangenehm auf. Ausgerechnet eine App zum Lesen von Zeitungen und Zeitschriften kann von einem 7,6 Zoll (19,3 Zentimeter) großen Display derzeit nur eingeschränkt profitieren.
Wie groß der Unterschied sein kann, merkt man bei gut angepassten Anwendungen. Apples eigene Apps wie Pages und Numbers nutzen die Fläche bereits deutlich geschickter. Entwickler können Menüs an die Seite verschieben, zwei Ansichten nebeneinander darstellen oder sogar die Faltung selbst in die Bedienung einbeziehen.
Für viele Käufer könnte dieses Problem allerdings kleiner ausfallen, als es zum Verkaufsstart wirkt. Wer derzeit ein Duo bestellt, muss rund drei Monate darauf warten. Bis die bestellten Geräte bei ihren Besitzern eintreffen, haben Entwickler zusätzliche Zeit, ihre Anwendungen anzupassen. So bekommt die lange Lieferzeit immerhin einen kleinen Nebeneffekt: Die Software kann dem Gerät ein Stück hinterherlaufen und es trotzdem noch vor seinen Käufern einholen.
3. Das Multitasking nutzt den Platz nur teilweiseZwei Apps nebeneinander sind nützlich. Safari einerseits, Notizen oder Mail andererseits, das funktioniert gut. Man kann sogar zwei Fenster derselben Anwendung gleichzeitig anzeigen. Bei zwei Fenstern ist allerdings Schluss. Auf einem 7,6 Zoll (19,3 Zentimeter) großen Display wirkt iOS dadurch bisweilen erstaunlich restriktiv.
An einigen Stellen drängen sich Funktionen vom iPad geradezu auf. Anwendungen könnten flexibler angeordnet werden, Drag-and-drop könnte bequemer funktionieren. Selbst der Browser behandelt das aufgeklappte Duo teilweise weiterhin wie ein herkömmliches Smartphone und liefert die entsprechende Mobilansicht aus. Das Duo benötigt kein komplettes iPadOS. Die vorhandene Fläche gibt aber mehr her, als iOS derzeit aus ihr herausholt.
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Auf der Rückseite stecken zwei Kameras mit jeweils 48 Megapixeln, eine Hauptkamera und eine Ultraweitwinkelkamera. Ein Zweifachzoom ist ebenfalls möglich. Eine separate Telekamera fehlt. Gerade bei einem Smartphone dieser Preisklasse fällt das auf. Bei stärkeren Vergrößerungen gerät das Duo gegenüber dem iPhone 18 Pro ins Hintertreffen.
Noch größer ist der Kompromiss bei der Kamera unter dem Innendisplay. Ihre Konstruktion gefällt zunächst: Solange man sie nicht verwendet, verschwindet sie fast vollständig hinter dem Bildschirminhalt. Samsung experimentierte schon vor Jahren mit dieser Technik und gab sie später wieder auf.
Beim Duo versteht man schnell, warum Unter-Display-Kameras schwierig sind. Für einen Videoanruf bei gutem Licht reicht die Kamera aus. Bei wenig Licht baut die Qualität deutlich ab. Details gehen verloren, das Bild wird weich und wirkt schnell verrauscht. Aber auch bei viel Licht ist das Ergebnis eher minderwertig für eine Smartphone-Kamera. Die Auflösung beträgt lediglich vier Megapixel. Für einen Schnappschuss würden wir sie deshalb kaum verwenden. Gute Selfies macht man besser mit den hinteren 48-Megapixel-Kameras und benutzt das Außendisplay als Sucher.
5. Face ID fehlt und manches Zubehör passt nichtWer seit Jahren ein iPhone benutzt, dürfte sich anfangs regelmäßig dabei ertappen, erwartungsvoll auf das Duo zu schauen. Es passiert nichts. Face ID fehlt. Apple integriert stattdessen Touch ID in die Seitentaste. Der Sensor arbeitet zuverlässig, wenn auch etwas langsam. Trotzdem verlangt das Entsperren wieder eine bewusste Berührung, wo bei anderen aktuellen iPhones ein Blick genügt.
Hinzu kommt ein profaneres Problem. Das ungewöhnliche Format macht vorhandenes Zubehör teilweise unpraktisch. MagSafe-Ladegeräte funktionieren. Magnetisch befestigte Wallets oder Powerbanks können wegen des kurzen Gehäuses dagegen über die Unterkante hinausragen.
Auch eine physische SIM-Karte lässt sich nicht mehr einlegen. Das Duo gibt es nur mit eSIM.
6. Das flexible Display birgt ein teures RisikoFlexible Displays bleiben eine sensible Angelegenheit. Beim Duo bekommt dieser Punkt durch die Reparaturpreise zusätzliches Gewicht. Ein neues Außendisplay kostet 489 Euro, beim Innendisplay werden sogar 1149 Euro fällig.
Kurz nach dem Marktstart sind zudem einzelne Berichte über Schäden am Innendisplay aufgetaucht. Auffällig ist, dass mehrere der beschriebenen Defekte im Bereich des Scharniers liegen. Zu sehen waren unter anderem helle Pixellinien und Schäden entlang der Faltstelle.
Daraus lässt sich bislang kein Serienfehler ableiten. Belastbare Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht. Bei einigen beschädigten Geräten ist zudem unbekannt, was ihnen zuvor widerfahren ist. In Belastungstests mit zehntausenden Faltungen traten entsprechende Schäden wiederum nicht auf. Auch bei unserem Testgerät gab es keine Probleme.
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Nach einigen Tagen mit dem iPhone Duo wirkt das Aufklappen erstaunlich selbstverständlich. Das spricht für Apples Konzept. Man sucht nach kurzer Zeit keine Gründe mehr, den großen Bildschirm zu benutzen. Die ergeben sich beim Lesen, Surfen oder Videoschauen von allein.
Die Hausaufgaben für Generation zwei sind trotzdem klar. Das Duo muss leichter und dünner werden. Face ID und eine Telekamera sollten zurückkommen. iOS darf die große Bildschirmfläche konsequenter nutzen.
Bei den Apps könnte sich ein Teil der Kritik schon erledigen, bevor viele Käufer ihr Gerät zum ersten Mal aufklappen. Wer derzeit bestellt, muss rund drei Monate warten, bis das Duo verfügbar ist. Entwickler bekommen damit zusätzliche Zeit, ihre Programme an das neue Format anzupassen.
Bleibt der Preis. Knapp 2300 Euro verlangt Apple bereits für das Duo mit 256 Gigabyte, für zwei Terabyte werden fast 3800 Euro fällig. Damit fallen die Kompromisse stärker ins Gewicht. Das Duo ist damit vorerst ein teures Versprechen darauf, wie das iPhone der Zukunft aussehen könnte. Doch das Erstlingswerk zeigt bereits einen großen Teil dieser Zukunft.
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