OM System baut eine neue Systemkamera im Retro-Look. Ob die OM System Pen nicht nur klein und schick, sondern auch gut ist, verrät der Test von COMPUTER BILD.

Die OM System Pen ist sehr kompakt, leicht und in der schwarzen Modellvariante recht unauffällig.
Foto: Sven Schulz
OM System baut eine neue Systemkamera im Retro-Look. Ob die OM System Pen nicht nur klein und schick, sondern auch gut ist, verrät der Test von COMPUTER BILD.
Testnote
2,1
gut
Die OM System Pen ist eine interessante Alternative zu den größeren OM-Modellen. Denn sie liefert eine vergleichbare Qualität für weniger Geld. Das kleinere Gehäuse ist mit kleineren Objektiven ein Vorteil, bei großen und schweren Tele-Objektiven ist es ein Nachteil. In dieser Preisklasse selten: Bei der Pen ist nicht nur das Gehäuse, sondern auch das Kit-Objektiv wettergeschützt.
Pro
Kontra
Mit der OM-Serie bedient OM Digital Solutions eine ganz spezielle Nische im Kameramarkt: wetterfeste Systemkameras, die wie eine Mini-Spiegelreflex aussehen. Die neue OM System Pen kommt mit einem komplett anderen Design. Das zitiert fröhlich die Vergangenheit von Olympus (deren Kamerasparte OM Digital Solutions 2021 übernommen hatte) und fällt somit schön kompakt aus, ist aber wettergeschützt.
Die eingebaute Technik kommt von der OM-5 IIDen Bildsensor und die Bildelektronik übernimmt die Pen vom Schwestermodell, der
OM System OM-5 II. Diese Kombi kam schon in ähnlicher Form in vielen Systemkameras von Olympus zum Einsatz. Der Sensor hat eine Auflösung von 20 Megapixeln (5184x3888 Pixel). Der beste Sensor von OM System mit Quad-Pixel-Technik und der stärkere Bildprozessor TruePic X bleiben teureren Modellen wie der
OM-1 Mark IIvorbehalten. Die Bildqualität fällt typisch für eine Kamera mit MicroFourThirds-Sensor (Sensorgröße 13,0x17,3 Millimeter) aus. Bis ISO 1600 sehen die Fotos richtig gut aus. Wer gerne mit ISO 3200 fotografiert, fährt aber mit einer
OM-3oder OM-1 Mark II besser. Und ab ISO 6400 sind Vollformatmodelle wie die
Nikon Z5 IIklar im Vorteil.

Passend zur OM System Pen baut der Hersteller viele kompakte Objektive wie das M.Zuiko 25mm f1.8 II (links).
Foto: Sven Schulz
Typisch für die Pen-Serie: Das Gehäuse ist ein großer Quader, aus dem nur wenig herausragt. Das macht die Pen schön kompakt und sehr taschenfreundlich, hat aber einen Nachteil in der Praxis: Die Griffe der Kamera sind ziemlich mini. Bei Verwendung kleiner und leichter Objektive wie dem neuen Kit-Zoom
M.Zuiko 14-42mm f3.5-5.6 IIIoder leichten Festbrennweiten wie dem
M.Zuiko 25mm f1.8 IIist das kein Problem. Mit großen und schweren Tele-Objektiven wird die Pen aber schnell etwas unhandlich. Da ist dann die OM-5 II die bessere Wahl.
Und: In das kompakte Gehäuse passt kein Blitz mehr. Wer blitzen will, braucht ein externes Modell. Die alten Blitze von OM System passen leider nicht, sind aber auch etwas zu groß und zu schwer für die Pen. Im Test kam daher der
Godox IT22zum Einsatz, den es auch in einer Variante für Systemkameras von OM System und Panasonic gibt. Der ist nicht besonders leistungsstark, reicht als Aufhellblitz aber aus. Der IT22 ist ein echter Mini und wird mit einem eingebauten Akku betrieben. Der wird wie die Pen per USB-C geladen.

Neben dem Objektivbajonett befindet sich ein Drehschalter, mit dem sich die Farbwiedergabe umschalten lässt, etwa für Schwarz-Weiß.
Foto: Sven Schulz
Eine Besonderheit bei neueren Systemkameras von OM System ist die Taste CP. Damit kann eine ganze Reihe von Bildverarbeitungsfunktionen aufgerufen werden, die bereits während der Aufnahme wirken. CP steht für den englischen Begriff "Computational Photography". Die passenden Einstellungen gibt es auf einer eigenen Seite im Kameramenü, etwa die "Hochaufgel. Aufnahme". Dahinter steckt der Pixelshift-Modus: Die Pen erstellt dann Fotos mit 25 oder 50 Megapixeln, indem sie mehrere Aufnahmen in Serie kombiniert – leichte Bewegungen währenddessen werden automatisch ausgeglichen. Die CP-Taste kann aber auch einen elektronischen Graufilter aufrufen. Nachteil der CP-Funktionen: Sie sind sehr rechenintensiv – je nach ausgewähltem Modus rechnet die Pen nach der eigentlichen Aufnahme anschließend noch mehrere Sekunden. Bei Schnappschüssen kann das ein Nachteil sein.

Der Steckplatz für die SD-Karte sitzt gut zugänglich auf der linken Seite.
Foto: Sven Schulz
Neu in der Pen-Serie: Anders als ältere Modelle wie die
Olympus E-P7bringt die Pen wieder einen Sucher mit (gab es zuletzt 2016 bei der
Olympus Pen-F). Der ist nicht riesig (Suchervergrößerung 0,62-fach), lässt sich aber auch mit Brille überblicken. Er zeigt 1024x768 Bildpunkte. Nach Herstellerlesart sind das 2,36 Millionen Bildpunkte (hier zählen alle Unternehmen die Subpixel für Rot, Grün und Blau). Der Sucher der Pen liefert ein detailreiches und helles Bild, nur an sehr sonnigen Tagen reicht das nicht immer. Mehr Helligkeit bieten in dieser Preisklasse allerdings nur wenige Modelle, etwa die
Nikon Z50 II. Der Bildaufbau ist ziemlich schnell, nur bei längeren Serien oder sehr schnellen Schwenks der Kamera kann das Bild leicht ruckeln. Hier sind Kameras mit Zusatzspeicher auf dem Sensor (Stacked Sensor) wie das Top-Modell OM-1 Mark II im Vorteil.

Die OM System Pen bietet nur wenige Einstellungen für die Motiverkennung des Autofokus.
Foto: Sven Schulz
Mit der Bildelektronik übernimmt die Pen auch den Autofokus der OM-5 Mark II. Von den Eckdaten nicht besonders beeindruckend: Es bleibt bei 121 auswählbaren Messfeldern. Im Test machte der Autofokus einen guten Eindruck, erreichte bei der Motiverkennung und der Schärfenachführung aber nicht die Genauigkeit und das Tempo von Systemkameras mit neuerer Bildelektronik. So bietet die Motiverkennung beispielsweise nur die Auswahl zwischen Mensch und Tier (siehe Bild oben).
Bei Video wenig ZusatzfunktionenWie die meisten Kameras von OM System zielt die Pen eher auf Fotografinnen und Fotografen. Videos in 4K nimmt sie natürlich auch auf, sogar wahlweise in UHD (3840x2160 Bildpunkte) oder Cine4K (4096x2160 Bildpunkte). Auch eine Aufnahme im Log-Format (OM-Log 400) ist möglich. Beim Bildausschnitt zeigt sich dann, dass Filmen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Denn die Pen nutzt dabei nicht den ganzen Sensor. Der Bildwinkel verengt sich dadurch – beim Kitobjektiv von 28 auf 33 Millimeter (zum besseren Vergleich ins Kleinbildformat umgerechnet).
Wer damit leben kann und sich mit 4K und maximal 30 Bildern pro Sekunde begnügt, darf lange filmen. Wie lange, hängt von der Umgebungstemperatur ab. Im Test waren fast zwei Stunden am Stück drin, danach schaltete die Kamera wegen Erwärmung ab. Insgesamt sind mit einer Akkuladung über zwei Stunden drin. Die Bildqualität der Videos ist gut, erreicht aber nicht ganz die Detailgenauigkeit von Vollformatmodellen wie der
Panasonic Lumix S9. Der Ton über das eingebaute Mikrofon ist okay, klingt aber wie bei den meisten Kameras etwas hallern.
OM System
1.370,12 EUR
Die OM System Pen ist eine interessante Alternative zu den größeren OM-Modellen. Denn sie liefert eine vergleichbare Qualität für weniger Geld. Das kleinere Gehäuse ist mit kleineren Objektiven ein Vorteil, bei großen und schweren Tele-Objektiven ist es ein Nachteil. In dieser Preisklasse selten: Bei der Pen ist nicht nur das Gehäuse, sondern auch das Kit-Objektiv wettergeschützt.
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