Am Donnerstag, 27. August, ist der Satellit „MTG-I2“ mit einer „Ariane 62“ gestartet. Er vervollständigt das Ensemble der europäischen Wettersatelliten der neuesten Generation im geostationären Orbit. Seine Arbeit wird in Zeiten zunehmender Waldbrände auch Einsatzkräfte vor Ort unterstützen.
28.08.2026 · 09:52 Uhr
So soll der Start von MTG-I2 mit einer Ariane 62 aussehen, wenn die Nutzlastverkleidung abgeworfen wird.
Foto: ESA–P. CarrillUpdate | Kourou · Am Donnerstag, 27. August, ist der Satellit „MTG-I2“ mit einer „Ariane 62“ gestartet. Er vervollständigt das Ensemble der europäischen Wettersatelliten der neuesten Generation im geostationären Orbit. Seine Arbeit wird in Zeiten zunehmender Waldbrände auch Einsatzkräfte vor Ort unterstützen.
Auf den ersten Blick unterscheidet „MTG-I2“ nicht viel von seinem Bruder - dem 2022 gestarteten Wettersatelliten „MTG-I1“. Der kryptische Name steht dabei für „Meteosat Third Generation: Meteorologischer Satellit der dritten Generation“. Und das „I“ bedeutet „Imager“, also Bildgeber. MTG-I2 ist am 27. August um 22.11 Uhr vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana abgehoben. Eine „Ariane 62“ soll ihn an sein Ziel bringen: einen geostationären Orbit in knapp 36.000 Kilometer Höhe. Von dort blickt er dann mit seinem Kamera-System im sichtbaren, aber auch im infraroten Licht auf die Erde.
Er und sein Bruder werden sich die Aufgabe dabei teilen. Der 2022 gestartete MTG-I1 wird von seiner scheinbar fixen Position am Himmel etwa alle zehn Minuten ein Bild der Erde machen – von Europa über den Atlantik bis nach Afrika. Der neue Satellit aber nimmt alle 2,5 Minuten nur das nördliche Viertel der Erde, also Europa und Nordafrika, auf. „So lassen sich rasch entwickelnde Wetterphänomene besser beobachten“, sagt Alexander Schmid von der europäischen Wetterorganisation Eumetsat. Sie ist verantwortlich für die MTG-Satelliten, die gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation Esa entwickelt und betrieben werden – um meteorologischen Diensten wie dem DWD (Deutscher Wetterdienst) die Daten zur Verfügung zu stellen.
Die Bilder aus dem All helfen aber nicht nur bei Wettervorhersagen. Die bereits im Einsatz befindlichen Satelliten MTG-I1 und MTG-S1 unterstützten im Sommer Einsatzkräfte auch bei den Waldbränden in Europa. Sie nahmen die Feuer und die entstehenden Rauchwolken auf. Feuerwehrleute vor Ort konnten so ihre Einsätze planen, Straßensperrungen koordinieren und Warnhinweise herausgeben. Das ist fast schon zum Standard geworden. „Die Zahl großer Waldbrände ist in jedem Jahr zwischen 2017 und 2024 gestiegen“, sagt Schmid. Allein 2025 sei mehr als eine Million Hektar in Europa dadurch verwüstet worden. Das galt vor einigen Wochen noch als Rekordjahr. „Wahrscheinlich wird diese Zahl für 2026 noch höher ausfallen“, vermutet Schmid.
Die Hauptaufgabe der Satelliten ist aber die Beobachtung des Wettergeschehens. Bislang stehen Meteorologen eher Momentaufnahmen im Abstand von einigen Minuten zur Verfügung. „Mit MTG-I2 bekommen wir alle 150 Sekunden ein Bild und damit quasi einen Film“, sagt Ulrich Blahak vom DWD. Mit einer Auflösung von bis zu 500 mal 500 Metern. Dadurch werden nicht nur die Wettervorhersagen besser. Warnungen vor eher plötzlichen Ereignissen wie Sturzregen, heftigen Gewittern, Hagelstürmen und Starkwinden können schneller erfolgen. Des Weiteren werden Piloten informiert, welche Flugrouten gegebenenfalls problematisch sein können. Zudem profitieren Landwirte von den Daten – ebenso wie alle, die effiziente Standorte von Solaranlagen suchen.
Obwohl MTG-I1 und MTG-I2 nahezu baugleich sind, „haben wir doch ein paar kleine Verbesserungen vorgenommen mit den Erfahrungen des 2022 gestarteten Satelliten“, sagt Martin Peccia, der bei der Esa am MTG-Projekt beteiligt ist. Zudem habe man ein Problem gelöst, das Anfang 2024 den Ingenieuren bei MTG-I1 für einige Monate Kopfschmerzen bereitet hatte. Die Daten konnten nicht verwendet werden, weil die Kalibrierung fehlgeschlagen war. Die bordinternen Systeme dafür hatten nicht funktioniert und man musste improvisieren – indem die Ingenieure Ergebnisse anderer Satelliten nutzten, um die Instrumente abzugleichen. Peccia war damals daran beteiligt. „Wir sind uns sicher, dass dieses Problem nicht noch einmal auftauchen wird.“
Mit dem Start von MTG-I2 wird dabei das Ensemble der drei Satelliten der dritten Generation vervollständigt. Dazu gehört noch der 2025 gestartete MTG-S1, der in drei Dimensionen Daten zur Luftfeuchtigkeit, zur Temperatur und zu Spurengasen erfasst.
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