Frühere Schätzungen gingen von zehn Prozent aus, doch die Allianz sieht Ablenkung bei mindestens jedem dritten Unfall als Auslöser oder Faktor. Das verändert den Blick auf die Gefahr im Cockpit.
21.10.2026 · 14:24 Uhr
Ein Mann startet den WhatsApp Messenger auf einem Smartphone im Auto. (Symbol)
Foto: Jan Woitas/dpa/Jan WoitasMünchen · Frühere Schätzungen gingen von zehn Prozent aus, doch die Allianz sieht Ablenkung bei mindestens jedem dritten Unfall als Auslöser oder Faktor. Das verändert den Blick auf die Gefahr im Cockpit.
Die Ablenkung von Fahrern durch moderne Bedienfelder oder Touchscreens spielt nach einer Untersuchung der Allianz bei mehr Verkehrsunfällen eine Rolle als gedacht. Ablenkung sei bei mindestens jedem dritten Unfall entweder dessen direkter Auslöser oder zumindest ein entscheidender Faktor, berichtete der Versicherungsriese am Mittwoch in Unterföhring bei München. „Das ist deutlich häufiger als bislang angenommen“, sagte Frank Sommerfeld, der Chef der deutschen Sachversicherungs-Tochter der Allianz. Frühere Schätzungen seien dagegen von einem Anteil von zehn Prozent ausgegangen. Abgelenkte Fahrer hätten in kritischen Situationen sogar schlechter abgeschnitten als Fahrer mit dem Grenzwert von 0,8 Promille Alkohol im Blut.
Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) hatte zusammen mit dem Unternehmen CogniBit kritische Situationen im Verkehr simuliert. Bei einer Notbremsung des vorausfahrenden Autos kam es dabei mit einem aufmerksamen Fahrer in 18,2 Prozent der Fälle zu einem Auffahrunfall - war der Fahrer abgelenkt, verdreifachte sich das Risiko auf 54,3 Prozent.
Die Allianz appellierte deshalb auch an die Hersteller, die Bedienung von Radio oder Klimaanlage im Auto zu vereinfachen. „Ablenkung ist nicht nur eine Frage des Verhaltens, sondern auch der Benutzeroberfläche. Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert“, sagte der für das Deutschland-Geschäft zuständige Allianz-Vorstand Klaus-Peter Röhler. „Aber ein Auto ist kein Smartphone. Wenn es um Sicherheit geht, muss Design der Funktion folgen.“ Das decke sich mit den Erwartungen der Fahrer: 72 Prozent der Lenker, die in den vergangenen drei Jahren einen Unfall verursacht haben, hielten Ablenkung einer Umfrage der Allianz zufolge für eine definitive oder mögliche Ursache. 70 Prozent sprächen sich für klassische Schalter und Tasten statt Touchscreen-Menüs aus.
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