Was Anleger aus den 1920er-Jahren lernen können: Vier Lektionen zu Börsencrash, Inflation, Aktien-Hypes und langfristigem Investieren.
Künstliche Intelligenz boomt, während Energiepreise, Kriege und Inflation die Stimmung drücken. Einige Entwicklungen an den Börsen erinnern an die Zeit vor 100 Jahren. Damals endete es im großen Crash.
Bevor am berüchtigten „Schwarzen Freitag“, dem 24. Oktober 1929, die US-Börsen in den Abgrund rauschten, herrschte jahrelang eine merkwürdige Stimmung an den Börsen. Fast die gesamten 1920er Jahre waren von einem Technologie-Boom geprägt. Während heute KI-Aktien die Börsen treiben, sorgten damals Radio-, Auto- und Chemieaktien für den Boom. Vor allem Chemieaktien spielten in Deutschland eine große Rolle. Gleichzeitig stand Deutschlands Wirtschaft durch die Ruhrbesetzung 1923 und die Hyperinflation im selben Jahr unter Druck.
Die explosive Lage der 1920er Jahre ist zwar nicht deckungsgleich mit der heutigen Börsenstimmung, es lassen sich aber viele Parallelen finden. Anleger können daraus vier Lehren ziehen:
Ein Börsencrash kann viel Geld auf einmal vernichten. Bei den sechs Crashs des DAX in diesem Jahrtausend liegen die durchschnittlichen Kursverluste bei rund 40 Prozent. Aber: Wer nicht investiert, verliert sogar noch mehr Geld. Eine durchschnittliche Inflation von zwei Prozent pro Jahr würde die Kaufkraft Ihrer Ersparnisse innerhalb von 30 Jahren ebenfalls um 40 Prozent senken. Aber: Wer sein Geld langfristig breit gestreut anlegt, hat dagegen die Chance, die Inflation durch höhere Renditen auszugleichen.
Um heute 100.000 Euro Vermögen zu besitzen, hätte ein Anleger im Jahr 2000 trotz aller Crashs nur rund 28.000 Euro in den Dax investieren müssen. Wer das Geld stattdessen unter der Matratze gehortet hätte, hätte damals mehr als dreimal so viel deponieren müssen.
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Die Lage der 1920er Jahre war für Kleinanleger ungünstig. Die Hyperinflation hatte viele Vermögen vernichtet. Weil es noch keine ETFs gab, waren Aktien zudem schwer zugänglich. Einzelne Papiere kosteten oft Hunderte Reichsmark. Solche Summen konnten sich Normalverdiener kaum leisten. Der durchschnittliche Monatslohn eines Industriearbeiters lag 1925 bei rund 140 Reichsmark.
Heute sind Aktien gerade über passive ETFs wesentlich einfacher zugänglich. Schon kleine Summen ab 50 Euro pro Monat können Sie heute investieren. Allein mit dem Dax hätten Sie damit in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt rund acht Prozent pro Jahr verdient. Auf 100 Jahre gesehen sind es laut der Deutschen Bank immerhin 4,9 Prozent. Was Anleger heute vom Kauf abhält, ist meist Angst. 51 Prozent gaben erst kürzlich in einer Umfrage der ING an, mit ihren Ersparnissen kein Risiko eingehen zu wollen. Es war der Hauptgrund, nicht an der Börse zu investieren.
Während heute Nvidia, Apple und Alphabet mit Halbleitern, Smartphones und KI-Anwendungen die Börse dominieren, waren es vor 100 Jahren andere Unternehmen und Branchen. Die Radio Corporation of America (RCA) war in den USA der Börsenstar. Ihr Kurs stieg von 1928 auf 1929 um mehr als 500 Prozent. In Deutschland dominierte das Chemiekonglomerat I.G. Farben die Börse. In seiner Größe ist es heute mit SAP oder Siemens vergleichbar.
Wer sein Geld damals aber in diese beiden Unternehmen steckte, wurde arg enttäuscht. Die Aktie von RCA fiel im Börsencrash 1929 um 98 Prozent. I.G. Farben arbeitete im Dritten Reich eng mit dem NS-Regime zusammen und wurde nach dem Krieg von den Alliierten zerschlagen.
Die Lehre für heute: Setzen Sie nicht nur auf Börsenstars wie Nvidia, Apple oder Tesla. Kurzfristig sind hier hohe Gewinne möglich. Das Risiko ist aber auch enorm. Ein diversifiziertes Portfolio senkt hingegen das Risiko, dass der Absturz einzelner Aktien große Teile Ihres Vermögens vernichtet.
Börsencrashs sind unvermeidbar. Nach dem großen Crash von 1929 verlor der Dow Jones bis zu seinem Tiefpunkt 1932 rund 89 Prozent seines Wertes. Erst 1954 erreichte der Index wieder seinen alten Höchststand. Auch beim Platzen der Dotcom-Blase ab 2000, während der Finanzkrise 2008/09 und zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 brachen die Kurse massiv ein. Auf jeden Absturz folgte bisher aber auch eine Erholung.
Die Lehre: Verkaufen Sie nicht aus Panik, wenn die Kurse einbrechen. Wer breit gestreut investiert und einen langen Anlagehorizont hat, kann schlechte Börsenphasen aussitzen. Besonders teuer kann es dagegen werden, nach einem Crash auszusteigen und dadurch die anschließende Erholung zu verpassen.
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