Die G7-Staaten wollen 100 Millionen Barrel Öl aus den Reserven freigeben. Das soll den turbulenten Ölmarkt etwas beruhigen.
Die G7-Staaten wollen 100 Millionen Barrel Öl aus den Reserven freigeben. Das soll den turbulenten Ölmarkt etwas beruhigen. Im Großhandel fallen bereits die Preise.
Am Freitag (2. Oktober) teilten die G7-Staaten mit, große Mengen Rohöl und Diesel aus ihren Reserven freigeben zu wollen. Das soll unter der Aufsicht der International Energy Agency (IEA) passieren. In den kommenden Tagen könnte es außerdem zur Freigabe weiterer Diesel-Reserven kommen. Wie das Handelsdatenportal „Trading Economics“ zeigt, sank der Preis für Rohöl im Großhandel um minus 2,78 Prozent und war am Freitagabend 90,2 US-Dollar pro Barrel wert (1 Barrel entspricht 159 Litern). Der Diesel-Börsenpreis sank um 5,28 Prozent auf um die 1380 US-Dollar pro Tonne. Das könnte weitere Entlastungen an der Tankstelle bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze:
Die Analystin Sarah Raffoul von Argus Media erwartet kurzfristig niedrigere Dieselpreise, wenn die G7-Staaten Teile ihrer Diesel- und Rohölreserven freigeben. „Diese Maßnahme dürfte die Knappheit am Spotmarkt verringern und Risikoprämien senken, da zu Beginn der Wintersaison zusätzliche Mengen verfügbar werden“, erklärt sie. Die genaue Aufteilung zwischen Rohöl und Mineralölprodukten steht allerdings noch aus.
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Weil die G7-Staaten das Öl über einen längeren Zeitraum hinweg freigeben, werden auch die Auswirkungen mit zeitlichem Verzug spürbar werden. Raffoul rechnet damit, dass sie sich „vor allem im Oktober und November“ bemerkbar machen, weil dann der Großteil der freigegebenen Mengen auf den Markt kommt. Die Ankündigung der G7 nimmt zudem einen Teil der Sorge bezüglich möglicher Exportbeschränkungen – und sie beinhaltet Zusagen zu einer verstärkten Raffinerieauslastung.
Das soll das Vertrauen in kurzfristige Verfügbarkeit von Diesel wieder stärken.
Im März 2026 hatte die IEA bereits eine ähnliche Maßnahme verkündet. Damals waren es 400 Millionen Barrel an Rohöl und Ölprodukten gewesen, die frisch auf den Markt gespült wurden. Es hatte sich um eine der größten Reservefreigaben überhaupt gehandelt. Deutschlands Anteil daran betrug etwa 19,51 Millionen Barrel.
Katherina Reiche (CDU) hatte sich dazu optimistisch geäußert: „Wenn dem Markt Sorge genommen wird vor Knappheit, entspannen sich Preise und wir gehen definitiv von einem dämpfenden Effekt aus.“
Um das in Relation zu setzen: 100 Millionen Barrel entsprechen laut dem aktuellen Ölmarkt-Bericht der IEA in etwa der Menge, die weltweit an einem Tag produziert wird. Zwischen Juli und August wurden 1,6 Millionen Barrel weniger produziert. Als Grund für den Rückgang gibt die IEA stillgelegte Förderkapazitäten in der Golfregion an. Deutschland verbraucht pro Tag allein um die zwei Millionen Barrel – würde nur die Bundesrepublik das freigegebene Öl benutzen dürfen, entspräche das ungefähr dem Bedarf für 50 Tage.
Zu den Auswirkungen der vorigen Öl-Freigabe: Im Großhandel war Rohöl bis in den April 2026 teurer geworden, ehe er bis Anfang Juli von fast 113 US-Dollar auf um die 70 Dollar pro Barrel abstürzte. An den Tankstellen hatte sich die Entwicklung aus dem Großhandel teilweise widergespiegelt. Zahlen des ADAC zeigen, dass der Liter Diesel zwischen März und Mai 2026 von 2,16 Euro auf 1,99 Euro gesunken ist.
Allerdings war zwischenzeitlich auch ein Tankrabatt in Kraft getreten, der den Kraftstoff verbilligt hat. Eine genaue Angabe darüber, welchen Anteil die freigewordenen Reserven an der Entwicklung hatten, ist schwierig.
Dazu, wie hoch der deutsche Anteil an der neuen Freigabe ist, hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) am Freitagabend keine Stellungnahme mehr gegeben.
Darüber hinaus ändert auch die Freigabe von Reserven nichts an den grundlegenden Problemen, unter denen der Ölmarkt gerade leidet. Raffoul zufolge kommt es immer noch zu Ausfällen asiatischer Raffinerien, was bei chinesischen Ausfuhren größere Unsicherheit erzeugt. Darüber hinaus fehlt viel russischer Diesel auf dem Markt, weil die Treibstoffkrise den Kreml dazu zwingt, Exporte zurückzuhalten. Wenn aber Diesel sowohl in Europa als auch in den USA tatsächlich billiger wird, kann das US-Präsident Trump von seiner kürzlich geäußerten Drohung abbringen, genau wie Russland Dieselexporte zu beschränken.
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