Chinas Industriepolitik verzerrt den Wettbewerb. Gezielte Zölle müssen durch Reformen ergänzt werden, die Europas Wirtschaft stärken.
Chinas Industriepolitik verzerrt den Wettbewerb. Gezielte Zölle müssen durch Reformen ergänzt werden, die Europas Wirtschaft stärken.
In den vergangenen zehn Jahren konnte China seine Weltmarktanteile in fast allen Absatzregionen erheblich steigern, zunehmend auch in Schlüsselbranchen, in denen deutsche Anbieter über Jahrzehnte führend waren. So hat Deutschland beispielsweise von den wichtigen Branchen inzwischen nur noch im Kraftwagenbau einen höheren Weltmarktanteil als China.
Bertram Brossardt ist ein Jurist und Wirtschaftsverbandsexperte, der sich auf Industrie-, Wirtschafts- und Standortpolitik spezialisiert hat. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Der Konkurrenzdruck aus China wird dabei weiter zunehmen, sowohl in Europa als auch auf den Drittmärkten. Die chinesischen Unternehmen haben in den letzten Jahren technologisch massiv aufgeholt und Deutsche teilweise sogar überholt, gleichzeitig verzerrt aber die chinesische Regierung massiv den Wettbewerb.
Europa steht zum Freihandel. Offene Märkte und Freihandel funktionieren aber nur dann, wenn die Spielregeln zwischen den Wettbewerbern fair ausgestaltet sind. Dem steht die chinesische Industriepolitik klar entgegen. Der Kern der Wirtschaftspolitik der Kommunistischen Partei Chinas beruht auf der staatlichen Förderung von strategischen Wirtschaftszweigen, besonders durch Subventionierung von Unternehmen.
Untersuchungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigen das: So erhielten chinesische Unternehmen zwischen 2005 und 2024 im Schnitt drei bis acht Mal mehr Subventionen als ihre Wettbewerber in OECD-Ländern. Rund 60 Prozent der globalen Marktanteilsgewinne von Chinas Industrie lassen sich auf die Subventionspolitik zurückführen.
ANZEIGE
ANZEIGE
Dazu kommt die staatlich bewusst vorangetriebene Schwächung der chinesischen Währung: Der Yuan liegt laut Schätzungen zufolge um bis zu 30 Prozent unter seinem eigentlichen Wert.
Auch aus diesem Grund konnte China seine Exportmarktanteile auf Kosten anderer Länder in den letzten 20 Jahren beständig ausweiten. Die chinesischen Exporte bleiben günstig, die Importe verteuern sich.
Anstatt die Binnennachfrage beherzt anzukurbeln, ist weiterhin klares Ziel, chinesische Industrieprodukte und Überkapazitäten in großer Menge zu exportieren. So sieht kein fairer Wettbewerb aus.
Europa und Deutschland erleiden dadurch massive Nachteile – sowohl im bilateralen Handel als auch im internationalen Wettbewerb. Diesen Zustand können wir nicht länger hinnehmen.
Wo unfair gespielt wird, muss Europa reagieren. Schutzmaßnahmen müssen jedoch effektiv und zielgenau wirken, zu möglichst geringen eigenen Kosten führen und auch schädliche Nebenwirkungen und Gegenreaktionen vermeiden.
Die viel diskutierten Local-Content-Klauseln wären daher falsch: Neben der hohen Gefahr von Gegenmaßnahmen seitens Chinas würden sie zu hohen volks- und betriebswirtschaftlichen Kosten führen. Ein Level Playing Field erreichen wir so nicht.
Zielgerichtete Anti-Dumping- und Anti-Subventionszölle sind dagegen das geeignetste Mittel, europäische Interessen zu schützen und gleichzeitig eine Zollspirale im Handel mit China zu verhindern.
Sie sind kein Protektionismus, sondern der Versuch, Wettbewerbsverzerrungen neutral und WTO-konform auszugleichen. So bekennt sich Europa weiter zum Freihandel, aber zeigt Stärke gegen unfaire Wettbewerber.
Klar ist auch, dass wir uns insgesamt aus der chinesischen Abhängigkeit lösen müssen, besonders bei den kritischen Rohstoffen. So nutzt die Volksrepublik seine Exportkontrollpolitik bei den Seltenen Erden als geopolitisches Mittel.
Daher ist es richtig und wichtig, dass Brüssel zur Wahrung der europäischen Selbstbestimmung auf den zügigen Abschluss neuer Freihandels- und Rohstoffabkommen setzt. Dieser Kurs muss weitergeführt werden.
Das größte ungenutzte Potenzial der EU liegt nach wie vor innerhalb ihrer eigenen Grenzen: Bestehende Handelsbarrieren, beispielsweise bürokratische Anforderungen beim innereuropäischen Personaleinsatz oder die Bevorzugung nationaler Anbieter bei Ausschreibungen, müssen schnellstmöglich abgebaut werden. Deutschland muss sich mit aller Kraft für eine Weiterentwicklung des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes einsetzen.
Größte Stellschraube bleibt aber die Erneuerung des Standorts in Europa und Deutschland. Im Vergleich zu den großen Wettbewerbern, und insbesondere China, kämpft Europa mit massiven Standortnachteilen.
Vor allem die Arbeits- und Energiekosten sowie die Steuerlasten sind viel zu hoch, hier müssen wir wieder auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau kommen. Zudem brauchen wir einen umfassenden Abbau von Bürokratie und Regulierung, flankiert mit einer ehrgeizigen Innovationsförderung.
Wir müssen uns gegen unfaire Handelspraktiken aus China wehren, faire Wettbewerbsbedingungen sind dafür die Grundvoraussetzung. Um aber in diesem Wettbewerb dann zu bestehen, brauchen wir einen klugen Mix aus fairem Freihandel, mehr europäischem Binnenmarkt und mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Wenn wir das schaffen, werden wir auch zukünftig eine wirtschaftliche Vorreiterrolle einnehmen.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Handelspolitik: DIW-Ökonom warnt: Technologieoffenheit schadet der Industrie | 0 | 6 | 11-07-2026 |
| 2 | Only Protectionism Can Safeguard European Industry | 0 | 10.74 | 21-08-2026 |
| 3 | Europe Is Squandering Its Leverage Over China | 0 | 7.93 | 18-02-2026 |
| 4 | Wettbewerb aus Fernost: China-Schock 2.0 trifft Deutschlands Industrie | -3 | 6 | 11-07-2026 |
| 5 | For its own sake, China should change its growth model | 0 | 7.09 | 11-06-2026 |
| 6 | Der Gegner der Autobauer heißt nicht Peking, sondern Brüssel | 0 | 8.6 | 22-06-2026 |
| 7 | China ya disputa el liderazgo a Europa en el 40% de sus industrias clave | 0 | 11.23 | 20-08-2026 |
| 8 | China-Schock 2.0 trifft Deutschlands Industrie | 0 | 16.06 | 13-07-2026 |
| 9 | A la industria europea le va mejor de lo que podría pensar | 0 | 8.52 | 08-10-2026 |