1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Grundsicherung. Warum die Langzeitarbeitslosigkeit steigt und der Arbeitsmarkt unter Druck steht.
Zwei von fünf Betroffenen beziehen die staatliche Leistung seit mindestens fünf Jahren. Gleichzeitig steigt die Langzeitarbeitslosigkeit – und die Beschäftigungsaussichten werden schlechter.
Laut einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage der AfD im Bundestag haben zuletzt rund 1,4 Millionen Menschen mindestens fünf Jahre lang Grundsicherung bezogen. Das entspricht etwa zwei von fünf Leistungsbeziehern. Den höchsten Anteil gab es Ende 2025 in Berlin mit rund 45 Prozent und in Bremen mit 43 Prozent. Das geht aus Daten hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Im September bezogen 3,7 Millionen erwerbsfähige Menschen in Deutschland Grundsicherung. Das waren 145.000 weniger als im Vorjahresmonat. Langzeitarbeitslose gibt es dagegen wieder mehr.
Nachdem die Zahlen über Jahre gesunken waren, steigen sie seit 2023 wieder. Hintergrund ist die wirtschaftliche Schwächephase, die sich zunehmend auch auf die Langzeitarbeitslosigkeit auswirkt: Seit 2024 nimmt auch sie wieder zu. 2025 gab es mehr als eine Million Langzeitarbeitslose. Der erneute Anstieg fällt in eine Zeit, in der die deutsche Wirtschaft schwächelt und Unternehmen bei Einstellungen zurückhaltender sind.
Auch jüngere Menschen waren unter den Langzeitbeziehern vertreten: 199.229 Betroffene waren jünger als 25 Jahre. Die Zahlen zeigen damit, dass der langjährige Bezug nicht allein ältere Menschen betrifft.
Die Bundesagentur für Arbeit nennt vor allem fehlende Berufsabschlüsse als Hauptgrund für die Arbeitslosigkeit junger Menschen. 76 Prozent der arbeitslosen Unter-25-Jährigen hatten keinen Berufsabschluss. 2015 lag der Anteil noch elf Prozentpunkte niedriger.
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Das „Bürgergeld“ heißt zwar inzwischen Grundsicherung, doch durch strengere Regeln soll Druck auf die Empfänger ausgewirkt werden. Wer bei der Arbeitssuche nicht ausreichend mitwirkt, muss seit dem 1. Juli mit empfindlichen Kürzungen rechnen. Außerdem werden neue Maßnahmen umgesetzt:
Wie angespannt die Lage am Arbeitsmarkt ist, zeigt sich nicht nur an der steigenden Arbeitslosigkeit, sondern auch an den Beschäftigungsaussichten. Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB ordnet die Situation am Arbeitsmarkt kritisch ein:
„Die Aussichten für die Beschäftigung sind schwächer als für die Arbeitslosigkeit: Der Arbeitsmarkt schrumpft.“
Die von der AfD angefragten Daten geben auch Aufschluss über die Staatsangehörigkeit der Menschen, die zuletzt mindestens fünf Jahre Bürgergeld bezogen hatten. Demnach waren 62,2 Prozent Deutsche, 37,8 Prozent hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Warum Menschen über Jahre hinweg arbeitslos bleiben oder Grundsicherung beziehen, kann unterschiedliche Ursachen haben. Das IAB verweist insbesondere auf sogenannte Vermittlungshemmnisse. Dazu zählen eine geringe formale Qualifikation und gesundheitliche Einschränkungen. Sie können es erschweren, eine passende Stelle zu finden oder eine Beschäftigung aufzunehmen.
Die Dauer des Leistungsbezugs allein erklärt allerdings nicht, welche Hindernisse bei den einzelnen Betroffenen vorliegen. Die Zahlen machen zunächst deutlich, wie viele Menschen über einen langen Zeitraum auf Unterstützung angewiesen sind. Für die Arbeitsmarktpolitik bleibt die Frage, wie sich Vermittlungshemmnisse abbauen und mehr Menschen dauerhaft in Beschäftigung bringen lassen.
Je länger Menschen arbeitslos sind, desto schwieriger kann die Rückkehr in den Job werden. Fehlende Berufsabschlüsse, lange Phasen ohne Beschäftigung und ein schwacher Arbeitsmarkt erschweren die Suche nach einer neuen Stelle. Umso wichtiger ist es, die eigenen Chancen gezielt zu verbessern.
Tipp 1: Bewerbungsunterlagen optimieren
Aktuelle und übersichtliche Bewerbungsunterlagen sind ein wichtiger erster Schritt. Ein aussagekräftiger Lebenslauf, ein individuell formuliertes Anschreiben und passende Zeugnisse helfen dabei, Arbeitgeber von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen. Ein Deckblatt oder Bewerbungsfoto sind dagegen meist optional.
Tipp 2: Aktiv nach Stellen suchen
Nicht alle Stellenangebote landen auf großen Jobportalen. Auch auf den Karriereseiten von Unternehmen lohnt sich ein Blick. Wer sich initiativ bewirbt, kann zudem Arbeitgeber erreichen, die gerade keine passende Stelle ausgeschrieben haben.
Tipp 3: Eine Umschulung prüfen
Bleibt die Jobsuche erfolglos, kann ein beruflicher Neustart neue Perspektiven eröffnen. Eine Umschulung ist besonders dann sinnvoll, wenn der bisherige Beruf weniger gefragt ist. Wichtig ist, dass die neue Tätigkeit zu den eigenen Fähigkeiten passt und gute Beschäftigungschancen bietet.
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