Österreich erhebt eine Paketsteuer auf Onlinebestellungen. Droht auch deutschen Kunden ein Aufpreis von 2,40 Euro? Die Vor- und Nachteile.
Für jede Bestellung bei Amazon, Temu und anderen großen Onlinehändlern können in Österreich neuerdings 2,40 Euro zusätzlich fällig werden. Die Abgabe soll Innenstädte schützen und die Paketflut bremsen.
Ein T-Shirt für zwölf Euro, eine Handyhülle für fünf Euro oder ein Ladekabel für drei Euro: Im Internet sind viele Produkte so günstig, dass selbst kleine Bestellungen kaum ins Gewicht fallen. In Österreich könnte sich das ändern. Seit dem 1. Oktober müssen große Versandhändler eine neue Paketsteuer bezahlen. Erste Unternehmen geben die Kosten direkt an ihre Kunden weiter.
Damit greift Österreich in einen Markt ein, in dem Einkaufen über Jahrzehnte immer einfacher und häufig günstiger geworden ist. Die Steuer soll nun den stationären Handel stärken, Umweltbelastungen verringern und zusätzliche Staatseinnahmen erzielen. Auch für Deutschland stellt sich die Frage, ob eine solche Abgabe den Wettbewerb zwischen Onlineplattformen und Einzelhändlern verändern könnte.
Nach Angaben des österreichischen Finanzministeriums beträgt die neue Paketsteuer zwei Euro pro Paket oder wahlweise pro Bestellung. Geben Händler die Kosten an ihre Kunden weiter, kommen bei regulär besteuerten Waren 20 Prozent Mehrwertsteuer hinzu. Damit kann sich eine Bestellung um 2,40 Euro verteuern.
Betroffen sind Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro österreichischem Versandhandelsumsatz im Vorjahr. Bei Online-Marktplätzen zählt der über die Plattform abgewickelte Umsatz.
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Die Abgabe trifft damit chinesische Anbieter wie Temu oder Shein ebenso wie Amazon, Zalando und andere große Händler. Kleinere Versandunternehmen bleiben grundsätzlich verschont. Laut ORF geben erste Händler die Kosten einschließlich Mehrwertsteuer weiter.
Mit den Einnahmen will die Regierung laut Finanzministerium unter anderem eine Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel gegenfinanzieren.
Eine vergleichbare Paketsteuer gibt es in Deutschland bislang nicht. Allerdings gelten seit dem 1. Juli 2026 strengere EU-Zollregeln. Für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten mit einem Warenwert unter 150 Euro werden drei Euro je Warenkategorie erhoben.
Anders als die österreichische Paketsteuer betrifft diese Regelung vor allem günstige Importe aus Drittstaaten. Lieferungen aus deutschen Versandlagern unterliegen ihr deshalb nicht automatisch.
Spätestens am 1. November 2026 soll zudem eine weitere EU-weite Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen eingeführt werden.
Der stationäre Einzelhandel steht auch hierzulande unter Druck. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) könnte die Zahl der Geschäfte 2026 um 4900 sinken. Gleichzeitig wächst der Onlinehandel: 2025 erreichte er laut HDE einen Umsatz von 92,3 Milliarden Euro.
Eine Paketsteuer könnte die Wettbewerbsbedingungen verändern. Würden große Versandhändler die Kosten weitergeben, verlören günstige Onlinebestellungen einen Teil ihres Preisvorteils. Kleinere Händler könnten profitieren. Ob deshalb tatsächlich mehr Kunden in die Geschäfte zurückkehren, ist allerdings offen.
Wie höhere Abgaben den Onlinehandel beeinflussen können, zeigt sich bereits bei asiatischen Billigplattformen. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) brachen die Umsätze von Temu, Shein und AliExpress im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 35,5 Prozent ein. Als wesentlichen Grund nennt der Verband die neuen EU-Zölle auf Kleinsendungen.
Allerdings konnten heimische Anbieter laut BEVH bislang nicht von der Schwäche ihrer asiatischen Konkurrenten profitieren. Weniger Umsatz bei Billigplattformen bedeutet also nicht automatisch mehr Geschäft für deutsche Händler.
Neben der ungewissen Wirkung auf den Einzelhandel gibt es weitere Einwände. So trifft eine Paketsteuer nicht zwangsläufig die umweltschädlichsten Bestellungen. Ein effizient ausgeliefertes Paket wird ebenso belastet wie eine vermeidbare Einzelbestellung. Ob die Ware aus der Region stammt oder um die halbe Welt transportiert wurde, spielt keine Rolle.
Auch die sozialen Folgen sind umstritten. Menschen mit geringem Einkommen spüren zusätzliche Kosten besonders stark. Wer mangels lokaler Geschäfte oder wegen niedrigerer Preise online einkauft, hat oft kaum Alternativen.
Hinzu kommen mögliche Wettbewerbsverzerrungen, weil große Versandhändler die Steuer zahlen, kleinere Anbieter dagegen nicht. Fahren Kunden stattdessen häufiger mit dem Auto zum Einkaufen, könnte außerdem der ökologische Nutzen schrumpfen.
Rechtlich sind ebenfalls Fragen offen. Zwar gilt die österreichische Steuer unabhängig vom Firmensitz, doch die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro könnte bestimmte Unternehmen faktisch benachteiligen. Ob dies mit dem EU-Binnenmarktrecht vereinbar ist, könnte noch gerichtlich geprüft werden.
Österreich liefert damit einen weiteren Anhaltspunkt dafür, wie zusätzliche Kosten das Einkaufsverhalten verändern. Anders als die EU-Zölle erfasst die Paketsteuer auch Lieferungen großer Händler innerhalb des europäischen Binnenmarkts.
Für Deutschland dürfte besonders interessant sein, ob dadurch mehr Kunden im stationären Handel einkaufen oder lediglich zu anderen Onlineanbietern wechseln. Ebenso muss sich zeigen, ob die Abgabe tatsächlich Umweltbelastungen reduziert oder vor allem die Verbraucher zusätzlich belastet.
Die Erfahrungen aus Österreich könnten damit auch die deutsche Debatte beeinflussen. Denn dass eine Steuer den Onlinehandel verteuert, bedeutet noch nicht, dass sie zugleich die Innenstädte stärkt.
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