Holyvolt setzt 45 Millionen Dollar und KI ein, um neue Materialien zu entwickeln und die Abhängigkeit von Chinas Batterien zu verringern.
Er kennt noch die Zeiten, als man sein Mobiltelefon in einer Tasche transportierte, weil es so schwer war. Jetzt will Steven Prast im Kampf um die Batterie der Zukunft gegen China antreten.
Steven Prast ist alt genug, um sich noch an Zeiten zu erinnern, als ein Mobiltelefon mit einer Tasche geliefert wurde. Es war zu schwer, um es mit sich herumzutragen, weshalb die meisten Menschen es im Auto montierten. In einem Zoom-Interview mit Fortune argumentierte Prast, es sei eher die Batterie als der Transistor gewesen, die das Gerät schrumpfen ließ – bis hin zu etwas, das man am Handgelenk trägt. Er hielt sein eigenes Telefon als Beweis hoch.
„Das, was uns von dort hierhin gebracht hat, ist die Batterie“, erklärte Prast, ein ehemaliger Produktionsleiter bei Tesla, der jetzt Chief Operating Officer des Batteriematerial-Start-ups Holyvolt ist.
Nach seiner Einschätzung ist die Lithium-Ionen-Technologie bestenfalls zu 20 Prozent auf ihrer Entwicklungskurve vorangekommen, konservativ geschätzt vielleicht zu 10 Prozent. Der Westen werde den Rest dieser Kurve nicht für sich beanspruchen können, meinte er, indem er mit China um den Teil kämpfe, der bereits gelaufen ist.
„Wir werden China nicht mit den eigenen Waffen schlagen – auf einem Schlachtfeld, das China geprägt hat“, so Prast. „Sie sind Weltmeister darin, China zu sein.“
Holyvolt setzt 45 Millionen Dollar auf die Alternative – alles in Form von Eigenkapital. Das in Stockholm ansässige Start-up teilte Fortune mit, dass es Finanzierung von Fifth Wall, Zone II, CC.VC sowie mehreren Angel-Investoren aus der Verteidigungs- und Finanzbranche eingeworben hat, um nach chemischen Formeln für Batterien zu suchen, die nicht von China kontrolliert werden. Nach dieser Finanzierungsrunde liegt Holyvolts Wert laut einer mit dem Unternehmen vertrauten Person bei 245 Millionen Dollar.
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Die Lücke, die Holyvolt zu überbrücken versucht, ist enorm. China stellt rund 85 Prozent des weltweiten Kathodenaktivmaterials her – der Teil einer Batterie, der weitgehend bestimmt, wie viel Energie sie speichert und was sie kostet. Das Land fertigt etwa 80 Prozent der weltweiten Batteriezellen. Sein Vorsprung rührt vom Skalieren der zwei Batteriechemien her, die das Feld heutzutage dominieren: NMC und Lithium-Eisenphosphat, oder LFP.
„Wenn wir LFP nehmen und versuchen, China bei LFP zu überholen, werden wir verlieren“, meinte Prast. „Dieses Rennen werden wir jeden Tag verlieren.“
Die Antwort sei, so erklärte er in einer Stellungnahme, „bessere Materialien und Prozesse zu erfinden und diese im Westen aufzubauen“. Er erklärte gegenüber Fortune, dass er glaube, es müsse „noch ein Dutzend anderer Kathodenmaterialien geben, die die Menschheit schlicht noch nicht entschlüsselt hat“.
Wenn Batterien noch so weit von der Reife entfernt sind, warum folgen sie dann nicht der stetigen, vorhersehbaren Kurve von Computerchips? Prasts Antwort lautet, dass das Mooresche Gesetz aus der Physik stammt – einer Wissenschaft, die der Mensch gut genug versteht, um sie auf dem Papier zu lösen –, während Batterien einer anderen Tradition angehören.
„Wenn Sie ein Flugzeug konstruieren und das computergestützt tun, steige ich in dieses Flugzeug ein“, so Prast. „Bei der Chemie gibt es noch immer riesige Rätsel.“
„Das Problem bei der Batterie ist, dass es ein Chemie-Problem und kein Physik-Problem ist“, erklärte er. „Wäre es ein Physik-Problem, hätten wir das Mooresche Gesetz.“
Das bringt Holyvolt auf eine Seite einer Spaltung innerhalb der KI-gestützten Wissenschaft. Der Großteil des Feldes, so Prast, glaube, die Chemie rechnerisch lösen zu können. Ein kleineres Lager ist der Ansicht, dass die KI nach wie vor ein physisches Labor benötigt, um ihre Ergebnisse zu überprüfen. Holyvolt gehört zum zweiten Lager. „Wir müssen ins Labor gehen und wir müssen testen“, erklärte Prast.
Holyvolts Labor ist Wildcat Discovery Technologies. Holyvolt fusionierte mit dem Unternehmen aus San Diego im Rahmen eines Deals, den The Next Web im März auf 73 Millionen Dollar bezifferte – eine Zahl, die die Firma als zutreffend bestätigte. Gegründet vom Scripps-Chemiker Peter Schultz, baute Wildcat ein Hochdurchsatz-System auf, das parallel Tausende von Batteriematerialien testet. Über einen Zeitraum von 18 Jahren hat die Plattform nach Unternehmensangaben mehr als 225 Projekte für mehr als 85 Kunden, darunter BMW, durchgeführt und mehr als 500.000 Zellen getestet.
Dieser Datenberg ist das Gut, auf dessen Basis der schwedische Gründer und CEO von Holyvolt, Mathias Ingvarsson, das Unternehmen aufgebaut hat. Ingvarsson war einer der zentralen Treiber hinter der internationalen Expansion von Tempur-Pedic und dessen Erfolg vor und nach dem Börsengang an der New York Stock Exchange; zudem leitete er nach der Notierung sechs Jahre lang das Europageschäft des Unternehmens. Er erklärte gegenüber Fortune, dass Holyvolt nach der Fusion KI-Modelle mit den Ergebnissen von Wildcat trainiert und diese wieder in das Labor zurückgekoppelt hat, sodass jede Runde von Praxistests die nächste Vorhersage präzisiert. Die Daten und das Labor bilden laut ihm das Fundament für die KI-Modelle, die entwickelt werden, um die vom Markt gesuchten Prognosen zu liefern; zudem beschleunigen sie die Forschung und Entwicklung und ermöglichen die Entstehung bahnbrechender Chemie der nächsten Generation.
Die meisten KI-Start-ups im Wissenschaftsbereich fangen mit Modellen an und suchen dann nach Daten. Ingvarsson erläuterte gegenüber Fortune, dass Holyvolt die Sache aus der entgegengesetzten Richtung angegangen sei, mit „dem bestärkenden Lernen, das wir seit 20 Jahren durchführen und das die KI benötigt, um tatsächlich zu lernen und darauf aufzubauen“.
„Wir nähern uns der Sache von der anderen Seite – und das ist sehr, sehr schwierig aufzubauen“, sagte er. „So etwas dauert Jahre und Jahre und Jahre.“
Ingvarsson zufolge arbeitet das Labor – basierend auf einer mit einem Kunden abgeschlossenen Fallstudie – bereits 10-mal schneller als konventionelle F&E. Holyvolt geht jedoch davon aus, dass das Schließen des Kreislaufs mit KI diese Zahl im Vergleich zur herkömmlichen F&E noch weiter nach oben treiben wird. „Ich würde so weit gehen zu sagen, dass wir den Code geknackt haben, wie man das macht.“
Das Erste, das aus diesem Kreislauf hervorgeht, ist DRX, die Abkürzung für eine Klasse von Kathodenmaterialien mit ungeordneter Steinsalzstruktur, die weder Nickel noch Kobalt verwenden. Prast beschrieb deren Leistung als „NMC-ähnlich“ – „besser als oder gleichwertig mit“ Zusammensetzungen auf Nickelbasis – und das zu Einstandskosten, die mit denen von LFP in Nordamerika vergleichbar seien. Eine zentrale Designanforderung sei gewesen, dass die Lieferkette von DRX „ausnahmslos aus befreundeten Staaten“ stammen müsse, sagte er. Er lehnte es ab, Lieferanten zu nennen. Zu DRX wurden Leistungsdaten auf wissenschaftlichen Konferenzen veröffentlicht, darunter auf der International Battery Conference im März 2026.
Der Zeitplan beinhaltet eine eingebaute Frist. Mit Wirkung zum 1. Oktober 2027 untersagt Artikel 154 des Verteidigungshaushaltsgesetzes aus dem Jahr 2024 dem Pentagon den Kauf von Batterien von CATL, BYD und vier weiteren namentlich genannten chinesischen Herstellern, selbst während das Militär darauf drängt, seinen Einsatz von Drohnen auszuweiten. Holyvolt plant, die Kommerzialisierung von DRX im Jahr 2027 zu beginnen – zunächst mit unbemannten Luftfahrzeugen, bevor der Schritt in den Mobilitätssektor erfolgt. Das Unternehmen arbeite zudem an Rezepturen für Automobilhersteller sowie an einer für Rechenzentren, die sehr hohe Leistungsschübe benötigen, wenn GPUs hochfahren, so Prast.
Für Prast ist der Kampf persönlich. „Ich bin im Norden von Michigan aufgewachsen. Lange Familiengeschichte in der Autoindustrie“, erzählte er. „Ich kenne das Spiel schon. Ich weiß, wie es ausgeht.“
Er sehe es eher als eine Frage von Stabilität denn als eine von Rivalität: „Es ist nicht stabil, wenn man an einem einzelnen Ort eine zu starke Konzentration hat.“
Ingvarsson vertrat eine ähnliche Haltung. „Ich habe nichts gegen China“, erklärte er. Dann merkte er an, dass Volvo Cars, der bekannteste Autohersteller seines Heimatlandes, „heutzutage zufälligerweise chinesisch ist“ (das in China ansässige Unternehmen Geely besitzt die Mehrheit an dem Unternehmen).
Holyvolt plant nicht, Gigafactories zu bauen. Prast führte aus, das Unternehmen sei offen für Lizenzierungen, Auftragsfertigung oder Joint Ventures und würde die industrielle Skalierung Partnern überlassen.
„Der Übergang von dort zur tatsächlichen industriellen Skalierung ist der Todesstoß.“
Nick Lichtenberg / The New York Times
© 2026 The New York Times Company
Dieser Artikel wurde übersetzt von Gilles Bargon
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