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Deutschland lagert 1236 Tonnen Gold in den USA

Дата публикации: 20-10-2026 12:19:00

Deutschland lagert 1236 Tonnen Gold in den USA. Während andere Zentralbanken ihre Reserven verlagern, hält die Bundesbank an ihrer Strategie fest.

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Deutschland hat 1600 Tonnen Gold heimgeholt. Doch weitere 1236 Tonnen lagern in den USA. Andere Zentralbanken ziehen ihre Reserven ab. Verkennt die Bundesbank die Lage?

Deutschland hat seit der Jahrtausendwende mehr als 1600 Tonnen Gold aus ausländischen Tresoren zurückgeholt. Zunächst rund 930 Tonnen aus London, später weitere 674 Tonnen aus New York und Paris. Trotzdem lagert noch immer fast die Hälfte des deutschen Goldschatzes im Ausland – der größte Teil davon in den USA. Während andere Zentralbanken angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen ihre Reserven neu verteilen, hält die Bundesbank an ihrer bisherigen Strategie fest. Doch ist Deutschlands Goldschatz, der zweitgrößte der Welt, tatsächlich für den nächsten großen Krisenfall gerüstet?

147,6 Milliarden Euro in Gold lagern in den USA

Die Dimensionen sind gewaltig: Deutschland besitzt rund 3350 Tonnen Gold, die aktuell einen Wert von etwa 400 Milliarden Euro hatten. Davon lagern 1710 Tonnen in Frankfurt, 1236 Tonnen bei der Federal Reserve in New York und 404 Tonnen bei der Bank of England in London. Allein der amerikanische Bestand ist rund 147,6 Milliarden Euro wert.

Dass die Lagerung im Ausland zunehmend kritisch hinterfragt wird, zeigen jüngste Entscheidungen europäischer Zentralbanken. Frankreich hat zwischen 2025 und Anfang 2026 insgesamt 129 Tonnen Gold in New York verkauft und durch entsprechende Bestände in Europa ersetzt. Die Niederlande verlagerten 2026 rund 86 Tonnen aus Nordamerika, um ihre Krisenvorsorge zu verbessern, zeigen Daten des World Gold Council.

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Niederlande bauen Bestände aus

Bemerkenswert ist dabei das Ziel der Niederländer: Sie brachten das Gold nicht einfach nach Hause, sondern bauten ihre Bestände in London massiv aus. Dort liegt inzwischen sogar mehr niederländisches Gold als im eigenen Land. Der Grund: London ist der wichtigste Handelsplatz für physisches Gold. In einer schweren Finanzkrise lassen sich die Reserven dort besonders schnell mobilisieren.

Damit verändert sich die Rolle des Edelmetalls. Gold ist nicht mehr nur eine eiserne Reserve, die unangetastet in einem sicheren Tresor liegt. Zentralbanken achten zunehmend darauf, wie schnell sie das Edelmetall verkaufen, beleihen oder gegen dringend benötigte Fremdwährungen tauschen können.

Zuverlässige Strategie mit einer Einschränkung

Die Bundesbank begründet die Aufteilung auf Frankfurt, New York und London mit zwei Zielen: Vertrauen durch heimische Lagerung und schnelle Verfügbarkeit von Fremdwährungen an internationalen Handelsplätzen. Grundsätzlich ist das nachvollziehbar. Gold muss nicht erst nach Deutschland transportiert werden, um es beispielsweise in US-Dollar umzutauschen. Befindet es sich bereits an einem bedeutenden Finanzplatz, können entsprechende Geschäfte erheblich schneller abgewickelt werden. New York bietet direkten Zugang zum Dollarraum, London zum weltweit wichtigsten Markt für physisches Gold.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Vorbehalt: Die Strategie funktioniert nur, solange die ausländischen Verwahrer und die internationale Finanzinfrastruktur uneingeschränkt kooperieren. Würde es zu politischen Beschränkungen, Sanktionen oder einer Blockade von Transaktionen kommen, könnte selbst physisch vorhandenes Gold vorübergehend schwer zugänglich sein. Die Strategie Deutschlands funktioniert nur, wenn es zu keinen solchen Hindernissen kommt. Dass die Bundesbank ihre gesamten 1236 Tonnen in New York auch unter solchen Extrembedingungen kurzfristig mobilisieren könnte, ist sehr fraglich.

Bundesbank sieht kein Grund zur Sorge

Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht dennoch keinen Anlass zur Sorge. In einem Interview vom Mai 2026 betonte er, dass das deutsche Gold bei der Federal Reserve einen besonderen Rechtsstatus genieße. Die USA würden sich selbst am meisten schaden, wenn sie diesen infrage stellten und dadurch das Vertrauen der Finanzmärkte erschütterten. Doch reicht dieses Argument angesichts der jüngsten Entwicklungen noch aus?

Donald Trumps Zollpolitik hat gezeigt, dass die US-Regierung bereit ist, erhebliche wirtschaftliche Risiken und Verwerfungen an den Finanzmärkten in Kauf zu nehmen. Auch die Eskalation des Konflikts mit dem Iran verdeutlicht, wie schnell politische Entscheidungen internationale Handels- und Kapitalströme unter Druck setzen können.

Kann Deutschland den USA trauen?

Das bedeutet keineswegs, dass Washington beabsichtigt, deutsches Gold einzubehalten. Dafür gibt es keinerlei Hinweise. Auch wäre ein solcher Eingriff ein schwerer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit der USA als Verwahrort internationaler Währungsreserven.

Für die Krisenvorsorge stellt sich aber die Frage, ob sich Deutschland bei Vermögenswerten dieser Größenordnung wirklich darauf verlassen sollte, dass ein Zugriff der USA darauf für das Land wirtschaftlich unvernünftig wäre?

Goldreserven breiter verteilen statt alles zurückholen

Die naheliegende Forderung lautet, das verbliebene Gold aus New York vollständig zurückzuholen. Allerdings hätte auch das Nachteile. Denn Gold in Frankfurt bietet zwar unmittelbare physische Kontrolle, ist aber nicht automatisch so schnell auf internationalen Märkten einsetzbar wie Gold an einem etablierten Handelsplatz. Die Niederlande zeigen deshalb eine Alternative: die stärkere Verteilung auf mehrere vertrauenswürdige Standorte.

Auch für die Bundesbank wäre denkbar, einen Teil ihrer amerikanischen Reserven nach London zu verlagern, statt ausschließlich die heimischen Tresore zu füllen. Damit ließe sich die Abhängigkeit von den USA reduzieren, ohne auf die Vorteile eines internationalen Goldhandelsplatzes zu verzichten. Allerdings bliebe auch London ein ausländischer Rechtsraum mit eigenen politischen und finanziellen Risiken.

Die Bundesbank steht vor einer neuen Gold-Frage

Deutschlands Goldreserven sind keineswegs schlecht aufgestellt. Die Bundesbank verfügt über große Bestände im Inland und zugleich über direkten Zugang zu zwei wichtigen internationalen Handelsplätzen. Doch ihre Strategie stammt im Kern aus dem Jahr 2013, einer Zeit mit völlig anderen geopolitischen Rahmenbedingungen. 

Dass andere Zentralbanken ihre Lagerkonzepte inzwischen überarbeiten, sollte deshalb zumindest Anlass für eine erneute Prüfung sein. Denn die wichtigste Frage lautet aktuell eher, ob die Bundesbank in der nächsten großen Krise tatsächlich jederzeit darüber verfügen kann.

Von Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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