Staaten wollen Preise und Zinsen lenken. Doch Anleihemärkte, Schwarzarbeit und historische Beispiele zeigen die Grenzen politischer Eingriffe.
Regierungen setzen Leitzinsen, Preisgrenzen und Verbote. Doch Angebot und Nachfrage lassen sich langfristig kaum außer Kraft setzen – mit teuren Folgen für Staaten und Bürger.
In einem sind sich demokratische und autoritäre Staaten zum Verwechseln ähnlich: Beide glauben, sie seien stärker, klüger und effizienter als die Marktwirtschaft.
Doch an ihr beißen sich alle die Zähne aus. Die Demokratie kann man suspendieren, Grenzen kann man verschieben, liberale Parteien wie die FDP kann man abwählen, Oppositionelle kann man hinrichten, aber die Märkte wird man niemals los. Sie besitzen eine Ewigkeitsgarantie, auch wenn das weder in einer Verfassung noch in der Bibel steht.
Selbst der Preis des Geldes, also der Zinssatz, wird von freien Märkten festgelegt und nicht von Notenbanken, auch wenn alle Medien etwas anderes behaupten. In diesen Tagen können wir es erleben. Der Balanceakt der Notenbankchefs Kevin Warsh und Christine Lagarde, die entscheiden müssen zwischen politischer Sehnsucht (nach niedrigem Zins) und der Notwendigkeit zur Verteuerung des Geldes, funktioniert nicht. Der Leitzins leitet gar nicht.
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Damit wird die Finanzierung der Staatsschuld für die Schuldner immer teurer. Und dem Staat – der das Risiko seiner Schuldenpolitik offenbar falsch einschätzt – ist die Macht zur Preisfestsetzung genommen.
Selbst wenn die Staaten, was sie schon öfter getan haben, groß angelegte Kaufprogramme starten, bei denen sie die auf dem Markt unverkäuflichen Schuldscheine in die Bilanz der Notenbank schieben – „Quantitative Easing“ nennen das die Experten –, wird keine Linderung der Schmerzen eintreten. Der Schmerz wird nur unterdrückt. Aber er verschwindet nicht.
Irgendwann müssen diese Staatsanleihen der Notenbank wieder das Licht der Welt erblicken und auf dem freien Markt verkauft werden. Und dann passiert das, was derzeit zu besichtigen ist: Die Anleger verlangen Risikoaufschläge. Es gibt mehr Angebot als Nachfrage, weshalb insbesondere für die Staatsanleihen von Italien, Frankreich, Japan und den USA heftige Prämien verlangt werden.
Rechenbeispiel: Bei einer Refinanzierung der gesamten Staatsschuld der USA (40,26 Billionen Dollar) zum aktuellen Zins der dreißigjährigen Staatsanleihe (5,66 Prozent) bedeutet das eine jährliche Zinsbelastung von 2,28 Billionen Dollar. Gegenüber der prognostizierten Zinslast für das Haushaltsjahr 2026 wäre das mehr als eine Verdopplung.
Das ist die Lektion der letzten Jahrzehnte, dass der Staat die Preise nur kurzzeitig deckeln, subventionieren oder sonst wie verformen, aber nie dauerhaft festsetzen kann. Die Ökonomen sprechen vom „Wasserbetteffekt“: Drückt man an einer Stelle, hebt sich die Matratze an einer anderen.
Am 20. Juni 1948 waren die Schaufenster in Westdeutschland leer. Wenige Tage später waren sie gut gefüllt. An diesem Tag löste nicht nur die D-Mark die wertlose Reichsmark ab, sondern Ludwig Erhard auch – gegen den Widerstand der Alliierten – die bis dahin staatlich festgelegten Höchstpreise.
Die Waren waren nicht über Nacht produziert worden. Sie hatten sich zuvor in Kellern und Lagerhäusern versteckt und auf einen Preis gewartet, der dem Hersteller einen Gewinn versprach.
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Die amerikanische Prohibition hat den Alkoholkonsum nicht beendet. Sie hat ihn nur ins Hinterzimmer verlegt und einem Mann namens Al Capone ein Geschäftsmodell geschenkt. Das Verbot beseitigte nicht die Nachfrage, sondern nur den legalen Anbieter. Den Rest erledigte das Verbrechen, effizient, brutal und steuerfrei.
Das ist die traurigste Bestätigung für die unsichtbare Hand des Marktes. Seit Jahrzehnten führen Staaten mit Polizei, Zoll, Militär und Milliardenbudgets einen Krieg gegen Angebot und Nachfrage. Trotzdem ist Kokain heute in jeder westlichen Großstadt verfügbar, oft schneller geliefert als eine Pizza.
Man muss deshalb nicht für die Legalisierung von Drogen eintreten (was ich definitiv nicht tue), aber das Muster sollten wir erkennen. Der Staat kann das Risiko steigern und damit den Preis erhöhen. Den Tausch selbst kann er nicht verhindern, solange es auf beiden Seiten Menschen gibt, die tauschen wollen.
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Weniger dramatisch, aber ökonomisch ebenso lehrreich ist der Arbeitsmarkt. Finden Angebot und Nachfrage nicht zu einem beiderseits akzeptierten Preis zusammen, wandert die Fabrik mitsamt ihren Arbeitsplätzen ab.
Dasselbe passiert im Inland. Schwarzarbeit ist die stille Abstimmung der Bürger über die Höhe der Abgaben. Wenn zwischen dem Bruttolohn des Handwerkers und dem, was der Kunde dafür bekommt, eine Lücke klafft, die beide als unverschämt empfinden, einigen sie sich ohne den Staat.
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Die Moral von der Geschicht: Politik gegen die Märkte lohnt sich nicht. Eher verschwindet ein Staat, siehe die DDR, die Sowjetunion und bald Kuba, als dass der Markt verschwindet. Politiker, die es dennoch versuchen, werden die unsichtbare Hand des Marktes zu spüren bekommen – im schlimmsten Fall an ihrer Kehle.
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