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Das dreckige Geheimnis hinter dem globalen Goldrausch

Дата публикации: 24-10-2026 05:23:00

Kinderarbeit, Kartelle und gefälschte Berichte: Wie die globale Goldaufsicht schmutziges Gold reinwäscht. Eine Recherche über das Milliardengeschäft.

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Die Grenze zwischen sauberem und schmutzigem Gold existiert nicht. Banken, Kartelle und Regierungen machen Kasse – gedeckt von einer Aufsicht, die wegschaut und fälscht.

Die Grenze zwischen schmutzigem und sauberem Gold ist ein Industriemärchen. Die Wall Street und Regierungen profitieren von Gold aus den Händen von Kriminellen, Gangstern und Ausbeutern von Kindern.

In einer von Missbrauch durchsetzten Branche verlassen sich die Banken und Regierungen der Welt auf eine einzige Instanz, um Gangster, Warlords und Menschenrechtsverletzer davon abzuhalten, Gold in den regulären Markt zu verkaufen.

Diese Gruppe, die London Bullion Market Association, ist die selbsternannte „globale Autorität für Edelmetalle“. Mit der Macht, Unternehmen auf schwarze Listen zu setzen, ist die LBMA das, was für die Multibillionen-Dollar-Industrie einer internationalen Aufsichtsbehörde am nächsten kommt.

Der Mythos vom sauberen Standard

Regierungen stützen sich auf das Siegel des Verbands als Zeichen dafür, dass Gold ohne Menschenrechtsverletzungen, Umweltverwüstung, Finanzsanktionen oder Kriminalität abgebaut wurde. Im wahrsten Sinne des Wortes setzt die LBMA den Goldstandard.

Doch eine Recherche der New York Times hat ergeben, dass der Verband wiederholt Gold auf den Markt gelassen hat, das von Kriminellen, Kartellmitgliedern und Kindern abgebaut wurde. Raffinerien lügen schamlos über die Herkunft ihres Goldes. Die Regeln sind voller Ausnahmen und Unklarheiten – und die LBMA hat sich wiederholt dagegen entschieden, sie durchzusetzen.

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Und im Fall von Madagaskar half die LBMA, wichtige Unterlagen zu ändern und zurückzudatieren, die Gold als frei von Missbrauch zertifizierten.

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Ein 13-jähriger Junge steht über einem der vielen einfachen Stollen, die mehr als 100 Fuß unter die Erde führen, wo Bergleute nach Gold suchen Lynsey Addario / The New York Times
Rekordpreise befeuern den globalen Raubbau

Während die Preise in den letzten Jahren rasant stiegen und Beweise auftauchten, dass Gold bewaffnete Gruppen im Sudan und Umweltsünder im Amazonasgebiet finanzierte, hielt die Industrie an der Vorstellung fest, dass sie solches schmutziges Gold vom Mainstream-Markt fernhalte.

Die Recherche der Times zeigt, dass die Aufteilung in „sauberes“ und „schmutziges“ Gold ein Industriemärchen ist. Es gibt einfach nur Gold. Und während die Wall Street, Zentralbanken und Investoren das Edelmetall horten und handeln, profitieren sie von einem Angebot, das auch Gold aus illegalen Quellen umfasst.

Das ist heute wichtiger denn je. Vor zwei Jahrzehnten wurde Gold noch für etwa 600 Dollar pro Unze gehandelt. Damals war es nicht rentabel, Bergbauschiffe tief in den Amazonas zu steuern oder mit Planierraupen hektarweise Reisfelder in Madagaskar aufzureißen, um nach Gold zu suchen. In diesem Jahr überschritt der Preis die Marke von 5.000 Dollar. Das hat es rentabel gemacht, auf ineffiziente, zerstörerische und politisch destabilisierende Weise Gold abzubauen.

Das geschlossene System der Schmelzen

Die Industrie funktioniert wie folgt: Bergleute und Händler verkaufen Rohgold an Raffinerien, die es schmelzen, Verunreinigungen entfernen und zu Barren verarbeiten. Der große internationale Markt akzeptiert Barren nur von den 67 LBMA-zertifizierten Raffinerien. Diese Raffinerien müssen die Herkunft jeder Unze Gold in jedem Barren dokumentieren. Sie unterliegen unabhängigen Prüfungen, um sicherzustellen, dass ihre Lieferanten nicht mit Kriminellen, Kindesmissbrauch oder Finanzsanktionen in Verbindung stehen.

Die LBMA wird von den größten Akteuren der Goldindustrie finanziert und geleitet. Darunter befinden sich große Raffinerien wie Asahi und Finanzhäuser wie HSBC, Morgan Stanley, J.P. Morgan und die Deutsche Bank.

Die nationalen Regierungen mögen den Bergbau regulieren, aber wenn die LBMA das Gold nicht zertifiziert, ist es auf den weltgrößten Märkten praktisch unverkäuflich.

Papiertiger statt echter Aufsicht

Doch bei all ihrem Gehabe darüber, eine globale Autorität zu sein, ist die LBMA größtenteils eine Zettelsammelstelle. Der Verband verlässt sich darauf, dass die Raffinerien die Minen inspizieren und die Details selbst melden.

Dass der Verband seinen eigenen Behauptungen nicht gerecht wird, lässt sich unter anderem erkennen, wenn man seine öffentlichen Äußerungen mit seinen internen Aussagen vergleicht.

Auf der Website des Verbands erklärt die Hauptgeschäftsführerin Ruth Crowell: „Wir sind die standardsetzende Organisation, die festlegt, wie Edelmetalle auf der ganzen Welt raffiniert und gehandelt werden.“

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Goldschürfen in einer illegalen Mine außerhalb von Morafeno, Madagaskar, im Juni. Lynsey Addario / The New York Times
Flucht vor der Verantwortung im Gerichtssaal

In Gerichtsdokumenten in London – wo Tansanier die LBMA wegen Gewaltanwendung in einer Mine verklagen – distanziert sich die Gruppe genau von diesen Worten: „Die Behauptung, die LBMA sei ‚die standardsetzende Organisation, die festlegt, wie Edelmetalle auf der ganzen Welt raffiniert und gehandelt werden‘, wird bestritten.“

Crowell schrieb im Jahr 2024, die LBMA sei eine globale Autorität, die Standards für „85 Prozent bis 90 Prozent der weltweiten Goldproduktion“ setzt.

Vor Gericht bezeichnet sich der Verband als „kleine, gemeinnützige Organisation“, die „weder über die personellen Kapazitäten noch über das Fachwissen oder die Ressourcen verfügt“, um für das, was in Goldminen geschieht, verantwortlich gemacht zu werden.

Das neue Milliardengeschäft für Kartelle und Despoten

In einem Interview und einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Crowell, die LBMA verpflichte Raffinerien auf „das höchste Niveau internationaler Richtlinien“. Doch sie spielte die Verantwortung des Verbands herunter.

„Die Rolle der LBMA besteht darin, dass wir festlegen, was für den Zugang zu einem Markt akzeptabel ist“, sagte sie. Es sei Sache der Regierungen, die Industrie zu beaufsichtigen, so Crowell weiter.

Da es kaum Leitplanken in der Industrie gibt, haben Gangs ihr Geschäftsmodell von Kokain auf Gold diversifiziert. Islamistische Terrorgruppen sind in das Geschäft eingestiegen. Russland und der Iran nutzen Gold, um ihre Regierungen in Kriegszeiten zu stützen.

Expedition ins Herz der Ausbeutung

Und vor einigen Jahren beschloss die Zentralbank von Madagaskar, aus den boomenden Preisen Kapital zu schlagen, indem sie Gold kaufte und hortete, darunter auch aus illegalen Minen, in denen Kinder arbeiten.

Der Fall Madagaskar offenbart, wie die LBMA bei ihrer Überwachungsaufgabe versagt hat – jener Aufgabe, auf der die gesamte Mainstream-Goldindustrie beruht.

Um zu sehen, wie es dazu kam, fing ich direkt bei den Minen an. Ich nahm ein Propellerflugzeug aus der Hauptstadt Antananarivo und fuhr danach drei Stunden durch Ackerland zu einer Mine namens Madagold. Die Mine liegt in einem trockenen Tal im nördlichen Teil der Insel, umgeben von einem geschäftigen Markt, der von den Geldern des Goldrausches angetrieben wird.

Die bittere Realität vor Ort

Bergleute arbeiten hier seit Generationen, aber der Anstieg des Goldpreises in den letzten Jahren hat einen florierenden, nicht lizenzierten Betrieb geschaffen.

Die LBMA erklärt, sie verbiete Gold, das „die Gesundheit, die Sicherheit oder das seelische Wohl von Kindern mit Wahrscheinlichkeit gefährdet“.

Überall, wohin ich blickte – bei Madagold und in Minen im ganzen Land –, waren Kinder in Gefahr.

Lebensgefahr an den Schächten

In den Minen Madagaskars zermalmten Kinder Felsen und schleppten Eimer voller Erz. Kleinkinder irrten zwischen 30 Meter tiefen Schächten umher.

Steigende Goldpreise haben solche unregulierten Betriebe auf der ganzen Welt angetrieben. Bergleute, die mit einem kolumbianischen Drogenkartell in Verbindung stehen, haben über eine LBMA-zertifizierte Raffinerie Gold in die Lieferkette der US-Prägeanstalt verkauft. Eine illegale Mine in Papua-Neuguinea war diesen Monat voller Kinderarbeiter. Ein Manager zeigte mir eine Quittung. Er verkaufte an eine Tochtergesellschaft einer großen LBMA-zertifizierten Raffinerie.

Der Verband erklärt, dass Minen lizenziert und legal sein müssen und dass sie die Umwelt nicht zerstören dürfen. Doch illegale Minen und Umweltschäden waren in ganz Madagaskar weit verbreitet.

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Arbeit in einem Bergwerk in Andronomavo im Osten Madagaskars. Lynsey Addario / The New York Times
Naturzerstörung im Schatten des Goldrauschs

In der goldreichen Nordregion Diana halten sich die Bergleute an keinerlei Gesetze, erklärte der regionale Bergbaubeauftragte der Regierung, Firmin Razafindratondra. Der gesamte Goldbergbau in diesem Gebiet sei illegal, sagte er.

Vor den Toren von Mananjary an der Ostküste Madagaskars arbeiteten Bergleute trotz behördlicher Schließungsanordnungen weiter. Bagger verwandelten Reisfelder in eine riesige Grube. Im Norden fällten Arbeiter Bäume in einem Naturschutzgebiet, um Balken für Minenschächte herzustellen. Solch eine Zerstörung spielt sich im ganzen Land ab.

„Die Umwelt ist zerstört“, so Elys Karena Hanitriniaina, die Gouverneurin einer anderen Goldabbauregion.

Der Staat kauft aus illegalen Quellen

Also gab es für jeden, der sie besichtigte, offensichtliche Anzeichen dafür, dass für die Minen Madagaskars ein Erreichen der LBMA-Standards äußerst schwierig werden würde. Dennoch gelangte das Gold mühelos auf den Markt.

So kam es dazu:

Vor einigen Jahren beschloss die Zentralbank von Madagaskar, einen nationalen Goldvorrat anzulegen. Bankvertreter kauften Gold aus dem ganzen Land. Regierungsdokumente zeigen, dass ein Teil davon aus Madagold stammte, der Mine, in der Kinder arbeiteten und aus Abwasserrohren tranken.

Kein Vertrauen auf dem Zürcher Parkett

Anderes Gold stammte laut dem Geschäftsführer von Madagold aus schlammigen Gruben in der Nähe. Als ich zu Besuch war, wuschen Kleinkinder dort Gold. Ein Großteil des Rests stammte von Mittelsmännern, die von inoffiziellen Minen gekauft hatten.

Damit dieses Gold überhaupt etwas wert war, musste es „LBMA-zertifiziert“ sein, erklärte der Gouverneur der madagassischen Zentralbank, Aivo Andrianarivelo.

Also entsandte er seinen Goldchef in die Schweiz, um eine Raffinerie zu finden. Anfangs lief das nicht gut. Raffinerien stellten die Herkunft und die Legalität des Goldes in Frage, so Andrianarivelo. „Die Antwort, die wir ihnen gaben, bot den Schweizern nicht genug Zufriedenheit oder Vertrauen“, berichtete er.

Ein kurzer Moment funktionierender Kontrollen

„Niemand wollte dieses Gold anfassen“, erinnerte sich Marc Ummel, ein Spezialist für Goldlieferketten bei der Non-Profit-Organisation SwissAid, der sich während der Reise mit dem Vertreter Madagaskars traf.

Dies war ein Fall, in dem das System funktionierte.

Kleinbergwerke gelten als rotes Tuch. Die Regeln der LBMA besagen, dass jede Raffinerie, die dieses Gold annimmt, verpflichtet ist, Mineninspektionen durchzuführen. Schweizer Raffinerien machten sich Sorgen, dass die Bank nicht einmal alle ihre Quellen identifizieren konnte.

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Lynsey Addario / The New York Times
Der rettende Partner am Bosporus

Selbst wenn sie das hätte tun können, hätten die vorgeschriebenen Inspektionen Kinder, Umweltverschmutzung und Kriminalität ans Licht gebracht. „‚Es ist unmöglich‘“, erinnert sich Ummel, dem Bankier von Madagaskar gesagt zu haben. „‚Sie werden niemals eine LBMA-Raffinerie finden können.‘“

In diesem Punkt lag er falsch.

Die Zentralbank schloss 2023 einen Deal mit der Istanbul Gold Refinery, einer der weltweit größten LBMA-zertifizierten Raffinerien.

Papierene Garantien und zynische Erklärungen

Der Prüfer der türkischen Raffinerie reichte Unterlagen bei der LBMA ein, in denen behauptet wurde, sie „vollzieht keinerlei Geschäfte“ mit Minen, die Warnsignale auslösen, wie von der Times eingesehene Unterlagen zeigen. Diese Behauptung entband das Unternehmen von der Pflicht, Inspektionen durchzuführen.

In einem Interview räumte Andrianarivelo ein, dass in den Minen Madagaskars Kinder arbeiteten, und erklärte, nach seinem Verständnis hätten diese Hilfsarbeiten für die Bergleute geleistet, anstatt selbst auf Gestein einzuhämmern. Er räumte zudem ein, dass die Minen die Sicherheitsgesetze nicht befolgten. Die Arbeiter seien „sehr kleine und sehr arme Menschen“, die glaubten, nur Gott – und nicht Sicherheitsausrüstung – werde sie beschützen.

Das Rohgold wurde in einer Anlage direkt neben dem internationalen Flughafen von Madagaskar zu 12-kg-Barren eingeschmolzen. Von dort aus wurde Gold im Wert von Dutzenden Millionen Dollar in die Türkei verschifft, um in die legale Lieferkette zu gelangen.

Ein System ohne Konsequenzen

Normalerweise wäre die Sache damit erledigt gewesen, dass die türkische Raffinerie die Unterlagen bei der LBMA eingereicht hatte. Sofern keine Unstimmigkeiten auftauchen – etwa durch Whistleblower, Journalisten oder Strafverfolgungsbehörden –, überprüft die LBMA in der Regel nicht unabhängig, ob die Unterlagen mit der Realität übereinstimmen.

Sollten Unstimmigkeiten auftauchen, müssen die Raffinerien selten mit ernsthaften Konsequenzen rechnen.

Vor drei Jahren erfuhr die LBMA beispielsweise, dass eine Raffinerie illegal abgebautes Gold aus dem Amazonasgebiet erhalten hatte. Die Raffinerie gab dem Lieferanten die Schuld, und der Verband unternahm nichts.

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Lynsey Addario / The New York Times
Wegsehen als Geschäftsprinzip

Als eine australische Raffinerie Gold kaufte, das mit Kinderarbeit und anderen Missbräuchen in Papua-Neuguinea in Verbindung stand, setzte der Verband den Prüfer auf die schwarze Liste, nicht aber die Raffinerie. Die LBMA erklärte, sie habe von der Raffinerie nicht näher benannte Verbesserungen im Management verlangt. Das Gold wurde dennoch verkauft.

Und wie E-Mails zeigen, erfuhr die LBMA im Jahr 2021, dass die Istanbul Gold Refinery selbst Gold erhalten hatte, das aus Kleinbergwerken in Mauretanien stammte, wo Zwangsarbeit gut dokumentiert ist. Die Raffinerie hatte dies nicht offengelegt und keine Inspektionen gemeldet. Der Verband befand, dass die Raffinerie gegen keine Regeln verstoßen hatte.

Es war nur ein Zufall, dass sich überhaupt jemand bei der LBMA das Gold aus Madagaskar ansah. Die Europäische Union zog zufällig in Betracht, den Verband für eine neue Überwachungsaufgabe zu zertifizieren. Ein EU-Inspektor wurde auf das Madagaskar-Geschäft aufmerksam und begann, es unter die Lupe zu nehmen.

Ein EU-Prüfer schöpft Verdacht

Wie, so fragte der Inspektor, könne eine Raffinerie Gold aus Madagaskar verarbeiten und dennoch behaupten, es gebe keine Warnsignale? UNICEF hat berichtet, dass mehr als 230.000 Kinder in den Minen des Landes arbeiten. Das US-Justizministerium und der Internationale Währungsfonds haben dortige Missstände in der Industrie festgestellt.

Mitarbeiter der LBMA eskalierten das Problem an ein „Compliance-Gremium“, dem auch die LBMA-Chefin Crowell angehörte. Der Verband hätte die Raffinerie bestrafen können. Stattdessen half die LBMA, das Problem zu vertuschen.

Vertreter des Verbandes arbeiteten mit dem Prüfer der Istanbul Gold Refinery zusammen, um einen neuen Bericht zu erstellen, der es so aussehen ließ, als habe die Raffinerie die Warnsignale von Anfang an offengelegt und Schritte unternommen, um die Lieferkette zu überprüfen, wie aus Dokumenten und Äußerungen der Raffinerie hervorgeht.

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Lynsey Addario / The New York Times
Gefälschte Berichte und rückdatierte Absolution

Der zweite Bericht räumte ein, dass das Unternehmen Gold gekauft hatte, das aus kleinen, eigentlich tabuisierten Betrieben stammte. Doch der Bericht kam zu dem Schluss, dass die Minen „keine Kinderarbeit einsetzen“.

Der Bericht wurde zurückdatiert, so als wäre er in Echtzeit eingereicht worden.

Dieser zurückdatierte Bericht ist nach wie vor auf der Website der LBMA zu finden, ohne jeden Hinweis auf Änderungen. Das Dokument dient als Beweis dafür, dass die Istanbul Gold Refinery ausschließlich Gold verarbeitet hat, das keine Verbindung zu Kinderarbeit oder anderen Missbräuchen aufwies – Behauptungen, die durch das, was ich in den Minen sah, untergraben werden.

Regelbrüche mit Verbandssegen

Ein genauer Blick auf den zurückdatierten Bericht zeigt, dass die Istanbul Gold Refinery selbst nach den Änderungen die Regeln der LBMA in ihrer schriftlichen Fassung nicht befolgt hat. Diese Regeln verlangen von Raffinerien, die Hochrisiko-Gold verarbeiten, entweder die Minen selbst zu inspizieren oder unabhängige Dritte damit zu beauftragen. Die Istanbuler Raffinerie verließ sich stattdessen auf eine Selbstzertifizierung des Verkäufers, der Zentralbank, dass keine Kinderarbeit eingesetzt wurde.

Die geschriebenen Regeln sehen eine solche Selbstzertifizierung nicht vor. Doch Mustafa Salali, der Compliance-Beauftragte der Istanbul Gold Refinery, sagte mir, er habe sich in diesem Fall auf das Wort einer staatlichen Institution, der Bank, verlassen. Was ihn betrifft, so sagte er, sei alles nach Vorschrift abgelaufen, da die LBMA die Prüfung abgesegnet habe.

Als Reaktion auf Fragen zu der zurückdatierten Prüfung räumte Crowell Unregelmäßigkeiten im Verfahren ein und gab zu, „die Chronologie dieser Dokumente hätte klarer erklärt werden können“.

Widersprüche an der Verbandsspitze

Zunächst erklärte sie, die Raffinerie sei bestraft worden, indem sie einer öffentlich bekannt gegebenen Compliance-Untersuchung unterzogen wurde. Später sagte sie, eine solche Untersuchung sei tatsächlich gar nicht angekündigt worden.

Sie ergänzte, die LBMA habe einen „Korrekturmaßnahmenplan“ angeordnet – doch die Raffinerie erklärte, alles, was sie tun musste, sei gewesen, den Bericht zu aktualisieren.

Die Angelegenheit war abgeschlossen. Das Gold wurde als den strengsten Standards der Welt entsprechend zertifiziert.

Freie Bahn für den schmutzigen Boom

Für Madagaskars zerstörerische und ausbeuterische Goldindustrie lief letztendlich alles ziemlich gut.

Damals, als Andrianarivelo in der Schweiz Gold anbot, hatten viele Unternehmen ihn abgewiesen. Jetzt riefen genau diese Raffinerien bei ihm an und wollten Gold kaufen, berichtete er, weil die LBMA erklärt habe, es gebe „keinerlei Probleme“ damit.

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Lynsey Addario / The New York Times

Justin Scheck / The New York Times

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der New York Times

© 2026 The New York Times Company

Dieser Artikel wurde übersetzt von Gilles Bargon

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