Profiboxer Jürgen Doberstein aus Kleinblittersdorf will erneut Weltmeister werden – gleicher Verband, aber andere Gewichtsklasse.
Saarbrücken · Profiboxer Jürgen Doberstein aus Kleinblittersdorf will erneut Weltmeister werden – gleicher Verband, aber andere Gewichtsklasse.
24.10.2026 , 09:05 Uhr
Den WM-Gürtel des Verbandes Global Boxing Council im Supermittelgewicht gewann Jürgen Doberstein im September 2024 in Saarbrücken.
Foto: Thomas WieckEinen Gürtel in den Händen halten, ist ein erhabenes Gefühl. Und weil es im Boxsport inflationär viele Gürtel und Titel gibt und Außenstehende selten den Überblick behalten, sollte es bestenfalls ein besonderer sein. Weltmeister zum Beispiel. Jürgen Doberstein kennt diesen Moment, einen WM-Titel zu gewinnen, den Gürtel in die Luft zu strecken, sich unschlagbar zu fühlen, auch wenn der Profiboxer aus Kleinblittersdorf nur in einem kleineren Verband, dem Global Boxing Council (GBC), im Supermittelgewicht an der Spitze war und nicht bei einem der großen vier Verbände WBO, WBC, IBF und WBA.
Dobersteins Regentschaft hielt bekanntlich ein anderthalbes Jahr – von September 2024, als der inzwischen 37-Jährige den vakanten Titel in der Joachim-Deckarm-Halle in Saarbrücken gegen Twaha Kassim aus Tansania gewann, bis Februar diesen Jahres und der K.o.-Niederlage in der ausverkauften Saarlouiser Stadtgartenhalle gegen den Franzosen Pierre Hubert Dibombe.
Zehn Monate nach dem Titelverlust will Doberstein wieder einen WM-Titel in den Händen halten. Aber nicht den, den er gegen Dibombe verloren hat. Sondern den vakanten im Mittelgewicht, eine Gewichtsklasse unterhalb des Supermittelgewichts. „Der Rückkampf gegen Dibombe war vertraglich nicht geregelt. Wir haben es ihm angeboten, er wollte nicht“, sagt Doberstein: „Das muss man akzeptieren. Aber ich beschäftige mich nicht mit ihm und seinen Plänen, sondern mit meinen. Ich schaue nur nach vorne.“ Nach vorne heißt für ihn: auf den 18. Dezember.
Bei der „Christmas Fight Night“ in der Festhalle in Zweibrücken tritt Doberstein gegen den Mexikaner Luciano Chaporro Araujo (32) an. „Es war klar, dass ich die Chance bekomme, um diesen Titel zu kämpfen, wenn ich meinen Kampf in Berlin gewinne“, blickt Doberstein auf die letzten Wochen und Monate zurück. Nach der Niederlage gegen Dibombe hatte er im Mai in der Bundeshauptstadt einen Aufbaukampf gegen Emran Aliju bestritten und sich bestens erholt gezeigt. Und weil Dibombe nicht wollte und der bisherige GBC-Weltmeister im Mittelgewicht, Maurice Milcke, selbst einen Gewichtsklassen-Wechsel vornimmt, bot sich diese Chance. „Der Titel ist vakant, und ich will ihn haben“, sagt Doberstein.
Ganz unkompliziert ist der Schritt nicht – denn Doberstein darf im Mittelgewicht maximal 72,575 Kilo auf die Waage bringen. Im Supermittelgewicht sind es 76,364 Kilo. Vier müssen also runter. Wer den 1,87 Meter großen Doberstein im Ring schon mal gesehen hat, durchtrainiert bis in die letzte Faser, der fragt sich, wo diese vier Kilo herkommen sollen. „Ich gehe ins Mittelgewicht, weil ich die Möglichkeit habe, Weltmeister zu werden“, sagt Doberstein und ergänzt lachend: „Dafür kann ich mich auch runterhungern.“ Er sei überzeugt, dass er es „mit meiner Disziplin“ schaffe. Auf die Ernährung werde er „noch krasser“ achten, der Schlüssel sei, wie viel Wasser er in der Woche vor dem Kampf zu sich nehme. Wer einen Titel will, muss auch zu leiden bereit sein. Doberstein weiß das.
Das gilt auch für die Minuten im Ring. Gegen den Mexikaner Araujo, der lediglich 17 seiner 30 Profikämpfe gewonnen hat (Doberstein 34 von 41), ist er klarer Favorit – auch dank des Heimvorteils. Er sagt aber auch: „Mexikaner sind immer verrückte Boxer. Er hat gegen viele starke Leute gekämpft, gegen einige gewonnen, gegen andere verloren. Ich nehme den Kampf hundertprozentig ernst, so wie jeden anderen vorher auch.“
Und doch liebäugelt der 37-Jährige bereits damit, was im kommenden Jahr folgen könnte. Eine Rückkehr ins Supermittelgewicht ist natürlich Thema, auch ein erneuter Kampf um den WM-Gürtel des GBC. „Zwei WM-Titel gleichzeitig zu halten, wäre doch nicht schlecht“, sagt Doberstein und lacht wieder. „Ich weiß auf jeden Fall, dass ich noch einige große Kämpfe machen möchte“, sagt er. An ein Karriereende angesichts seines inzwischen reiferen Alters verschwendet er jedenfalls keinen Gedanken: „Darauf könnt ihr noch lange warten.“
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