Donald Trump setzt beim KI-Ausbau auf Tempo statt Leitplanken: Kritiker vergleicht der US-Präsident mit Klimawandelwarnern, Regulierung mit Wachstumsbremse. Doch selbst Tech-Manager und viele Anwohner neuer Rechenzentren schlagen Alarm.
Donald Trump setzt beim KI-Ausbau auf Tempo statt Leitplanken: Kritiker vergleicht der US-Präsident mit Klimawandelwarnern, Regulierung mit Wachstumsbremse. Doch selbst Tech-Manager und viele Anwohner neuer Rechenzentren schlagen Alarm.
22.09.2026, 16.36 Uhr
„Superintelligenz“: Donald Trump will keine Regulierungen für KI
Foto: Stefan Jeremiah / FR171756 AP / AP / dpaDonald Trump (80) hat seine Kampagne für einen möglichst ungebremsten Ausbau künstlicher Intelligenz verschärft. In einer Serie von Beiträgen auf seiner Plattform Truth Social griff der US-Präsident KI-Skeptiker und Experten an, die vor einer zu schnellen Entwicklung der Technologie ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen warnen, wie die Zeitung „Independent “ berichtet. Zuvor hatten etwa KI-Anbieter OpenAI und Google öffentlich gemacht, dass es erhebliche Sicherheitslücken in ihren Systemen gab.
„Dieselben Leute, die sagten: ‚In zwölf Jahren werden wir alle wegen der globalen Erwärmung tot sein‘ (...), sind dieselben Leute, die jetzt behaupten, dass KI uns umbringen wird, dass Roboter uns angreifen werden und dass alles eine Katastrophe ist. Das ist eine noch größere Falschmeldung als die ganze Geschichte mit Russland, Russland, Russland, Ukraine, Ukraine, Ukraine, Ukraine und dem Klimawandel!“
Donald Trump auf Truth Social
Trump stellte die Bedenken in eine Reihe mit Klimawarnungen, die er dabei erneut als „Schwindel“ bezeichnete.
Der US-Präsident sieht KI vor allem als Frage geopolitischer und wirtschaftlicher Stärke. „Wer KI gewinnt, gewinnt“, schrieb er und betonte, die USA lägen derzeit vor China. Die Technologie, die er demonstrativ als „Superintelligenz“ bezeichnet, werde seiner Ansicht nach größer sein als die industrielle Revolution oder das Internet. Regulierungsbemühungen, so seine Argumentation, drohten Amerikas Wachstumsvorsprung zu ersticken.
Damit stellt sich Trump gegen Teile der Technologiebranche selbst. Führende KI-Entwickler und Sicherheitsexperten fordern rechtliche und ethische Leitplanken, weil sie Risiken von missbräuchlicher Nutzung, autonom handelnden Systemen und unzureichend getesteten Modellen sehen. Besonders Anthropic-Chef Dario Amodei (43) warnt vor der raschen Entwicklung sogenannter KI-Agenten, die künftig komplexe Aufgaben eigenständig ausführen und erhebliche wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Schäden verursachen könnten.
Der Widerstand gegen den KI-Boom richtet sich jedoch nicht nur gegen mögliche technologische Risiken. In vielen US-Gemeinden stoßen neue Rechenzentren auf Kritik, weil die riesigen Anlagen große Mengen Strom und Wasser benötigen und hohe Bauvolumina mit sich bringen.
Während republikanische Wähler beim Bau zusätzlicher KI-Rechenzentren nahezu gespalten sind, stehen demokratische und unabhängige Wähler den Projekten laut Umfragen zunehmend skeptisch gegenüber.
Trump will „KI-Zar“ benennenAm Wochenende verkündete Trump zudem, eine „AI Force“ solle sich der „schlechten“ Auswirkungen künstlicher Intelligenz annehmen, im Rahmen der existierenden Strafgesetzordnung. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die in seiner ersten Amtszeit gegründete Space Force, die Gefahren aus dem All abwehren soll. Zudem wolle er in Kürze einen „KI-Zar“ benennen – eine Art Beauftragten der Regierung für die Technologie.
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Bis März agierte der Silicon-Valley-Unternehmer David Sacks in dieser Rolle, zog sich aber zurück, nachdem die Frist für seine Aktivität als externer Regierungsmitarbeiter abgelaufen war. Die Details zu der von Trump angekündigten „AI Force“ sind zunächst unklar. Ihre Gründung könnte zugleich als ein erster Versuch seiner Regierung interpretiert werden, doch eine staatliche Aufsicht der Technologie zu etablieren.
mje mit dpa-afx
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