In einer Schlachterei in Kellinghusen werden jährlich bis zu eine Million Schweine getötet. Animal Rights Watch wirft dem Betrieb Tierquälerei vor.
Der Tönnies-Konzern stand schon häufiger wegen Tierquälerei in der Kritik. Ein neuerlicher Vorfall dokumentiert gravierende Missstände im schleswig-holsteinischen Kellinghusen.
Foto: dpa/Friso Gentsch
Hamburg. Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) hat über den NDR heimlich aufgenommene Videos veröffentlicht, die gravierende Tierschutzverstöße in der Großschlachterei R. Thomsen im schleswig-holsteinischen Kellinghusen zeigen. Der Betrieb gehört zum Schlachtkonzern Tönnies.
Die Aufnahmen dokumentieren an mindestens vier Schlachttagen zahlreiche Verstöße gegen das Tierschutzrecht: Schweine werden ins Gesicht geschlagen und in Toren eingeklemmt. Gehunfähige Tiere werden getreten oder gewaltsam mit Maschinen geschoben. Mehreren Schweinen wird bereits vor ihrem Tod ein Fuß abgeschnitten. Regelmäßig wird das zulässige Zeitintervall zwischen Betäubung und Entblutung überschritten. Zudem zeigen die Aufnahmen, wie Tiere mit Anzeichen einer Fehlbetäubung entblutet werden.
»All das machen komplett unterschiedliche Mitarbeitende«, sagt Anna Schubert, Sprecherin von Ariwa, in einer Mitteilung. »Diese Tierquälerei ist ein Systemproblem, keine Ausnahme. Wenn ein Tier nicht laufen will, wird es eben gezwungen. Wenn sich ein Fuß im Förderband verhakt, wird er eben abgeschnitten. Bei dieser Fließbandarbeit darf der Ablauf nicht stillstehen.«
Tönnies kündigte gegenüber dem NDR eine Überprüfung der Vorwürfe an. Sollten sich Verstöße gegen die vorgesehenen Abläufe bestätigen, würden diese sanktioniert, erklärte der Konzern. Schubert kritisierte, Tönnies wälze damit die Verantwortung auf die Angestellten ab, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. »Das Problem sind nicht einzelne Menschen, sondern ein System der industriellen Ausbeutung.«
Die Tierschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Katharina Erdmann, fordert eine konsequente rechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit eine entsprechende Anzeige von Ariwa. Auch das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein betont gegenüber dem NDR, Hinweise aus dem Bildmaterial sehr ernst zu nehmen und ihnen nachzugehen. nd
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