Der Entsorgungsverband Saar errichtet in Rohrbach gerade ein neues Pumpwerk und bald auch ein sehr großes Regenrückhaltebecken. 6,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen.
Rohrbach · Der Entsorgungsverband Saar errichtet in Rohrbach gerade ein neues Pumpwerk und bald auch ein sehr großes Regenrückhaltebecken. 6,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen.
28.09.2026 , 05:00 Uhr
Zehn Meter tief ist die Grube; die Bewährungen für die Fundamente sind am Fuß schon zu erkennen. Hier wird bald der 13 Meter hohe Turm in die Höhe wachsen.
Foto: Eric KollingDas runde Loch an der Oberen Kaiserstraße in Rohrbach neben dem früheren Melfor-Gelände ist gewaltig: Auf 20 Metern Breite geht es hier zehn Meter in die Tiefe. Auf dem Grund der Baugrube, deren Außenwände für die Dauer der Arbeiten mit Spritzbeton verschlossen wurden, sind Bauarbeiter am Werk. Nach unten kommen sie durch einen Wandkorb – eine Art abgeschlossener Metallkäfig. Künftig wird es einen Treppenturm geben, den ein Kran in die Tiefe bugsiert und der dann am Rand verankert wird. Bei unserem Termin wird der gerade gebaut.
Am Boden sind die stahlbewährten Fundament-Ansätze zu erkennen, die später in Abschnitten von je drei bis vier Metern unter anderem zu einem rund 13 Meter hohen Turm wachsen sollen. Ist das Gebäude mit den enthaltenen drei EVS-Pumpen und einer der Stadt St. Ingbert fertig, wird der Beton entfernt und bis zu den Außenmauern des Bauwerks verfüllt. Dann bleibt als sichtbares Zeichen des neuen Pumpwerks des Entsorgungsverbands Saar (EVS) „nur“ noch das Türmchen an der Landstraße. 6,7 Millionen Euro investiert der EVS in die aufwändige Baumaßnahme, erläutert Thomas Uckschies, der EVS-Leiter Bau und Sanierung. Über die Pumpen wird nicht nur das gestaute Regenwasser als stark verdünntes Abwasser Richtung Kläranlage in Brebach geleitet, sondern über das Pumpwerk der Stadt auch das Schmutzwasser, das aus Rohrbach ankommt.
Der Pumpenturm ist dabei längst nicht alles. Unmittelbar daran wird sich rund 40 Meter Richtung Feld und 6,5 Meter tief ein gewaltiges Regenrückhaltebecken anschließen, entsprechende Rohre werden durch die Wände verlegt. Es kann mit 2.300 Kubikmetern beinahe so viel Wasser zwischenspeichern wie in ein olympisches Schwimmbecken passen. Bisher konnte der Kanal nur rund 700 Kubikmeter aufnehmen. Die Arbeiten für das neue Becken sollen ab dem 15. Dezember starten. Das schwere Baugerät kann dann parallel in beiden Gruben genutzt werden, nennt Uckschies einen Vorteil. Wenn diese Grube ausgehoben ist, dürfte man von der Straße aus sehr hohe Erdhaufen sehen.
Thomas Uckschies, EVS-Leiter für Bauen und Sanierung, erläutert die Pläne für neue Pumpwerk des Entsorgungsverbands Saar an der Oberen Kaiserstraße neben dem früheren Melfor-Gebäude.
Foto: Eric KollingBisher laufen die Arbeiten im Plan, berichtet Uckschies zufrieden. Aus der tiefen Grube wird Grundwasser abgepumpt – der trockene Sommer war für die Bauarbeiten von Vorteil. Es sei gerade die „blödeste Phase“ der Arbeiten, sagt Uckschies im Hinblick auf die offene Riesengrube. Normaler Regen sei gut händelbar, aber bei Starkregen würden starke Pumpen gebraucht. „Bei einem Ereignis wie an Pfingsten 2024 hätten wir hier vorübergehend einen kleinen Swimmingpool.“
Es bleiben später Schächte über dem Becken, durch die man in die Tiefe klettern kann. Der Hintergrund ist, dass sich aus dem Schmutzwasser Sedimente absetzen. Wenn es schließlich aus dem Becken gepumpt beziehungsweise in den Rohrbach abgelaufen ist, bleibt diese Schlammschicht über. „Diese wirbeln wir auf, damit sie auch abgepumpt werden kann“, erklärt Uckschies.
Vor einigen Wochen hatte die BUND-Regionalgruppe Bliesgau unter anderem gefordert, dass der EVS mittels Sensoren überwachen müsse, wie viel und wie oft Abwasser ins Netz gelange. Uckschies sagt dazu, es gebe im künftigen Becken selbst eine Höhenstandsmessung. Daraus könne man darauf schließen, wie oft es überlaufe. Dazu werde überwacht, wie viel Wasser weitergepumpt werde: „Wir sind nicht völlig ohne Messtechnik unterwegs. Ansonsten machen wir, was wir behördlich machen müssen.“ Würde der EVS alle Bauwerke im Saarland mit Sensoren massiv aufrüsten, würde das einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten, aber nichts erleichtern“. Geplant würden die Becken anhand einer hydraulischen Simulation, wie viel Wasser bei einem Regenguss zwischengespeichert werden könne und an wie vielen Tagen im Jahr es dennoch zu einem Überlauf (hier in den Rohrbach) komme könne. „Mit der Höhenstandsmessung können wir prüfen, ob die Berechnung stimmt.“ (mbe)