Metz steht am Montag einen Tag lang Kopf. Tausende Pilger und 6.500 Sicherheitskräfte prägen den Papstbesuch. Auch viele Saarländer sind dabei – und hören, wovor Leo XIV. eindringlich warnt.
Metz · Metz steht am Montag einen Tag lang Kopf. Tausende Pilger und 6.500 Sicherheitskräfte prägen den Papstbesuch. Auch viele Saarländer sind dabei – und hören, wovor Leo XIV. eindringlich warnt.
28.09.2026 , 19:31 Uhr
Papst Leo XIV. in Metz – Fotos von seinem Besuch
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Glockengeläut, Friedenspredigt, Pilgermassen: Papst Leo XIV. hat das Zentrum von Metz einen Tag lang in einen Ausnahmezustand versetzt. In der Moselstadt in Lothringen hat der Pontifex an diesem Montag seinen viertägigen Besuch in Frankreich abgeschlossen – dass Metz nicht weit von der Grenze entfernt liegt, nutzten auch viele Pilger aus dem Saarland.
„Ich bin Messdienerin, und für mich wird es der perfekte Tag, wenn wir ihn im Papamobil sehen“, sagt die neunjährige Clara. „Man sieht ihn nicht so oft, das ist etwas Besonderes“, sagt die zehnjährige Malini, auch Messdienerin. Beide sind mit einer Gruppe aus St. Wendel im Zug hergekommen.
„Ich bin immer regelmäßig in die Kirche gegangen, aber seit meiner Krankheit noch öfter. Ich hoffe, dass der Herrgott mir hilft, es einigermaßen gut zu überstehen“, sagt Monika Feith. Die 78-Jährige ist aus Bliesen angereist. Günter Flesch, 71, aus Saarlouis, will ebenfalls den Papst sehen. „Ich gehe so oft in die Kirche, wie ich kann. Der neue Papst macht einen guten Eindruck auf mich, und als ich vor zwei Jahren Papst Franziskus in Luxemburg-Stadt gesehen habe, ist das zu einer Erinnerung geworden, die bleibt.“
Die Pilgergruppe ist aus St. Wendel angereist, um in Metz den Papst zu sehen.
Foto: Sophia SchülkeAm Bahnhof, an den großen Avenues, und je näher man dem Zentrum kommt, umso mehr Sicherheitskräfte, Absperrungen und Sicherheitskontrollen gibt es. Nach Angaben des Presseamtes der Stadt sind 6.500 Sicherheitskräfte im Einsatz. Am Abend wird von rund 30.000 Pilgern gesprochen, die den Pontifex im Zentrum sehen wollten. Dazwischen sind zahlreiche Ehrenamtliche mit im Treiben, sie holen Pilgergruppen ab, bringen Geistliche zu den Seiteneingängen der Kathedrale, begleiten Journalisten durch abgesperrte Zonen zur nächsten Sicherheitskontrolle. Rucksäcke werden von Suchhund Hades durchschnüffelt, dann von Beamten auf chemische Substanzen untersucht und zum Schluss durch Metalldetektoren gereicht.
Nach fast 40 Jahren feiert wieder ein Papst die Messe in der Kathedrale von Metz: Papst Leo XIV. hat hier an diesem Montagnachmittag seinen Frankreichbesuch beendet.
Foto: AP Photo/Gregorio Borgia/Gregorio BorgiaAuch für Händler und Gastronomen der Stadt ist es kein Montag wie jeder andere. Haben sie ihre Lokale in den Straßen, in denen viele Pilger und Neugierige vorbei kommen, öffnen sie trotz Ruhetags oder rücken extra Stände mit Essen zum Mitnehmen auf den Fußweg, so wie das Restaurant „Le Jardin suspendu“ im Bahnhofsviertel. „Heute Morgen zwischen 8 und elf Uhr kam die erste Welle, sie haben Sandwiches, Kaffee und Croissants gekauft. Bis heute Nachmittag werden wir alles verkauft haben“, sagt der Inhaber.
Für Papst Leo XIV. beginnt der Besuch in Metz gegen zehn Uhr auf dem Platz zwischen Centre Pompidou und Robert-Schuman-Kongresszentrum. Erst ein interreligiöses Treffen, dann eine Friedensansprache des Papstes. Dabei hat der 267. Bischof von Rom und geistliches Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken eindringlich für ein geeintes, friedliches Europa geworben und scharfe Kritik an aktuellen sicherheits- und migrationspolitischen Entwicklungen geübt – an dem Ort, an dem der EU-Mitbegründer Robert Schuman einst lebte.
Während sich Europa mit 800 Milliarden Euro bis 2030 kriegstüchtig machen will, sagte Leo XIV.: „Es ist kein Zufall, dass die wiederkehrenden Forderungen nach einer Erhöhung der Militärausgaben und die daraus resultierenden Entscheidungen von vielen Regierenden mit der Gefährlichkeit anderer gerechtfertigt werden.“ Der Papst warnte jedoch vor der „Illusion der Wiederaufrüstung“. Mit Blick auf den Ukrainekrieg beklagte er „ein neues sinnloses Gemetzel, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert“.
In dem Kongresszentrum traf der Pontifex auch zusammen mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, Luxemburgs Premierminister Luc Frieden, dem Großherzog von Luxemburg und Fürst Albert von Monaco. Rehlinger sprach dabei mit Leo XIV. über die deutsch-französische Aussöhnung als „ein Geschenk der Weltgeschichte nach Jahrzehnten des Krieges und die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft für Europa und den Frieden“, wie die Staatskanzlei mitteilt.
Saarbrücken und Metz, zwei Städte, die eng verbunden sind, auch über das Städtenetzwerk Quattropole, aber nicht nur, erklärt Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU), der in der Kathedrale mit 2.000 anderen Gästen auf den Papst wartet. „Historisch betrachtet hat auch Saarbrücken schon zum Bistum in Metz gehört. Und das zeigt ja, dass die Themen der Reise des Papstes, Europa, deutsch-französische Aussöhnung, Frieden, gerade mit unseren beiden Städten eng verbunden sind.“ Deshalb sei der Besuch des Papstes Ausdruck der Geschichte der Region.
Für viele kam der Höhepunkt am Nachmittag, als der Pontifex im Papamobil rund 2,2 Kilometer durchs Zentrum fuhr und anschließend die Messe in der Kathedrale St. Étienne feierte. In seiner Predigt setzte er sich erneut für eine friedliche Lösung von Konflikten ein und führte die Region als gutes Beispiel an. „Ihr, die ihr Kinder dieses Landes seid, das in der Vergangenheit von Bruderkriegen zerrissen wurde, wisst sehr wohl, dass es nicht wahr ist, dass derjenige, der Rache übt, stärker ist als derjenige, der vergibt.“ Leo XIV. führte seinen Gedanken fort, indem er sagte: „Metz und das Département Moselle bezeugen der ganzen Welt, dass Versöhnung nur möglich ist, wenn man den Mut hat, die Kette des Grolls zu durchbrechen.“
Papst Leo XIV. winkt der Menge zu, während er am letzten Tag seines Frankreichbesuchs, im Papamobil durch die Straßen von Metz im Nordosten Frankreichs fährt.
Foto: Jean-Christophe Verhaegen/AFP/dp/Jean-Christophe VerhaegenIn dem Gotteshaus hatten sich etwa 2.000 geladene Gäste eingefunden, darunter Luxemburgs Premierminister Luc Frieden und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Dass der Präsident an der Messe teilgenommen hat, dürfte jenen Franzosen, die es mit der strikten Trennung von Kirche und Staat sehr ernst nehmen, nicht nur positiv aufgefallen sein. Am Ende verließ der Präsident die Kathedrale durch eine Seitentür und schüttelte draußen auf der Place d’Armes noch Hände. Der Papst verabschiedete sich ebenfalls lächelnd und händeschüttelnd, aber durch das mit Blumen geschmückte Haupttor, das sonst verschlossen ist – und eben nur für besondere Anlässe geöffnet wird. (jos)