Kanzler Merz hat eine Kehrtwende in der deutschen China-Politik hingelegt. Doch ein wichtiges Produkt aus Deutschland zeigt, wie kompliziert die neue Härte ist: Elektrostahl aus Gelsenkirchen.

Elektrostahl-Produktion in Gelsenkirchen: Wie groß ist der Druck aus China? Foto: IMAGO / Funke Foto Services, Fabian Strauch
Berlin. Hier sieht es aus, wie viele sich das gesamte Ruhrgebiet noch vorstellen: „Schalker Markt“ in Gelsenkirchen, eine Abbiegung weiter, eine kleine Straße unter einer Autobahnbrücke her, Beton, so weit das Auge reicht. Und dahinter ein Stahlwerk, mindestens genauso grau.
Es ist das Werk einer Thyssenkrupp-Tochter. 1866 ging alles los, so manchen Strukturwandel haben die Hallen schon mitgemacht. Und sie hätten das Potenzial, auch den aktuellen Wandel zu überleben, der die Stahlbranche vor so große Herausforderungen stellt wie vielleicht noch nie zuvor. Denn Thyssenkrupp stellt an dieser Stelle keinen herkömmlichen Stahl, sondern Elektrostahl her.
Das unscheinbare, mit elektrischer Energie statt im Hochofen gefertigte Produkt spielt eine zentrale Rolle bei der Frage, ob Deutschland es gelingen wird, die Energiewende zu meistern. Denn Elektrostahl mit einer speziellen Struktur, im Branchenjargon „kornorientiertes Elektroband“, ist ein wichtiger Bestandteil von Transformatoren.
Ohne Transformatoren funktioniert kein Stromnetz – und schon gar nicht dessen großflächiger Ausbau, der für die Energiewende nötig ist. Die weiteren Anwendungsfälle sind kaum weniger wichtig, mit Rechenzentren sei nur ein Beispiel genannt.
Europaweit gibt es nur zwei Hersteller des Elektrostahls: Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) produziert ihn außer in Gelsenkirchen auch im französischen Isbergue. Zudem gibt es einen Produzenten in Polen. Doch China hat den brummenden Markt mit dem Elektrostahl längst entdeckt. Mit Kampfpreisen, so der Vorwurf, bedroht China die europäischen Hersteller in ihrer Existenz.
Die EU reagiert darauf mit verschiedenen Schutzmaßnahmen – die allerdings unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge haben.
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