Heckler & Koch stand vor dem Aus. Dann kam ein neuer Chef und Russland überfiel die Ukraine. Jetzt bringen Sturmgewehre satte Gewinne – und finanzieren am Firmensitz Feuerwehr und Schwimmbad.

Vorstandschef Jens Bodo Koch, G-95-Sturmgewehr: Profiteur der Zeitenwende. Foto: PR [M]
Oberndorf am Neckar. Vom Bahnhof in Oberndorf, wo sich der Neckar besonders tief in die Landschaft geschnitten hat, geht es gut vier Kilometer den Berg hinauf. Hier hat ein schwäbischer Mittelständler seinen Sitz, der gerne ein „Hidden Champion“ wäre, aber viel zu bekannt ist, um sich zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb wegducken zu können.
Im Wartebereich hinter dem Empfang gibt es Mitbringsel wie Schlüsselanhänger, Taschenmesser, Aufnäher. Dass man es hier nicht mit einem Autozulieferer oder Maschinenbauer zu tun hat, zeigen nicht nur der Nato-Stacheldraht oben am Zaun rund ums Werksgelände und die Drohnen-Verbotsschilder. Sondern auch die mit warmem Licht ausgeleuchteten Vitrinen im Besprechungsraum. Hier zeigt die Firma voller Stolz ihre ganze Produktpalette: Sturmgewehre, Maschinengewehre, Pistolen, Maschinenpistolen, Granatwerfer.
Heckler & Koch macht schon lange Geschäfte mit der Sicherheit – und verdient prächtig seit der Zeitenwende. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 393 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 67,9 Millionen Euro. Obendrein sammelte es neue Aufträge im Volumen von 802 Millionen Euro ein.
Die angespannte Sicherheitslage lässt das Geschäft weiter wachsen: Im ersten Halbjahr ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut um fast 50 Prozent auf 264 Millionen Euro gestiegen. Und Anfang Juli kam die Nachricht, dass die Bundeswehr den Rahmenvertrag über 250.000 G95-Sturmgewehre vollständig abruft. „Der Auftrag wird auf viele Jahre dazu beitragen, unsere Kapazitäten gut auszulasten“, sagt Vorstandschef Jens Bodo Koch, als er Anfang Oktober zum Werksbesuch empfängt.
Das alles ist nicht selbstverständlich. Das Unternehmen stand zeitweise vor dem Aus. Wie hat Koch den Turnaround hinbekommen? Wie hoch ist der Schuldenberg noch? Und hat der Vorstandschef keine Angst, dass seine Waffen in die falschen Hände geraten?
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