Wer übernimmt das Gemeindepräsidium von Herdern? Bislang hat sich noch niemand für die Nachfolge von Ulrich Marti gemeldet. Der amtierende Gemeindepräsident sieht jedoch keinen Grund zur Nervosität. Er spricht über Ideen, Anpassungen und Gründe für die schwierige Suche.
Das Wahrzeichen von Herdern: das Schloss.Bild: Matthias Eggenberger
Darum geht esNoch hat sich niemand gemeldet. Ulrich Marti tritt zum Ende der Legislatur im Mai 2027 als Gemeindepräsident von Herdern zurück. Das nach über zehn Jahren. Entsprechend gilt es, das Amt neu zu besetzen. Doch bereits im ersten Wahlgang vom 27. September blieb die offizielle Wahlliste leer. Entsprechend steht in Herdern am 29. November ein zweiter Wahlgang für das Gemeindepräsidium und zwei freie Sitze in der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission an.
Ende September konnten die vier Gemeinderatssitze besetzt werden. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Marti die Situation bei der Suche nach einer Nachfolge als «noch absolut tiefenentspannt» bezeichnet. Er führt aus: «Weil der Gemeinderat mit Ausnahme des Präsidiums komplett besetzt ist, ist die Handlungsfähigkeit grundsätzlich auch über den Amtsbeginn hinaus am 1. Juni 2027 sichergestellt.» Zudem sei die Wahl frühzeitig angesetzt worden. Entsprechend bleibe genügend Zeit, eine geeignete Person zu finden.
Als nächster Schritt soll demnächst eine Besprechung über die künftige Ausrichtung der Gemeindeorganisation stattfinden. Marti kann sich dabei auch konkrete Einzelansprachen bei geeigneten Persönlichkeiten oder die Einberufung einer Findungskommission vorstellen.
Vereinbarkeit auf Probe gestelltDass sich die Suche nach einer Nachfolge schwierig gestalten könnte, damit habe Marti gerechnet. Ein Grund dafür sei die Herausforderung, das Milizamt mit dem übrigen Berufsleben zu vereinbaren. «Früher war es eine Auszeichnung, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, und wurde von Arbeitgebern aktiv mitunterstützt.»
Nun sei die Situation eine andere, Marti fährt fort: «Heute wird im Sinne der Anforderungen an einen öffentlich-rechtlichen Dienstleister unter gleichzeitiger weiterer Berufstätigkeit, verbunden mit steigender Komplexität sowie zeitlicher und örtlicher Verfügbarkeit, diese Vereinbarkeit auf die Probe gestellt.»
Ulrich Marti, Gemeindepräsident Herdern, 2015 bis 2027.Bild: Andrea Tina Stalder
Marti merkt an, dass er immer das Glück hatte, seine Arbeit als Gemeindepräsident neben seiner Tätigkeit als Landwirt organisieren zu können. Er sagt: «Wenn jemand ebenfalls in solch einer Konstellation ist, dann ist diese Person herzlich eingeladen, sich zu melden.»
Auch eine Anpassung des Pensums sei eine Option, sagt der Gemeindepräsident. Dabei würde er eine Entflechtung von operativen und strategischen Aufgaben favorisieren. «Das trägt zudem dazu bei, dass in der Amtserfüllung ein hohes Mass an persönlicher Freiheit bestehen bleibt.» Marti selbst reduzierte sein Pensum von 60 auf 40 Prozent.
Damit eine Behörde erfolgreich arbeiten könne, müsse sie die Bevölkerung widerspiegeln. Marti ist überzeugt, dass sich die Bevölkerung dieser Verantwortung bewusst ist. Doch: «Dass aus dem Bewusstsein eine konkrete Handlung wird, das ist der grosse Schritt.»
Offen und selbstkritischDas Amt sei facettenreich und biete einen grossen Gestaltungsspielraum, gehe aber auch mit viel Verantwortung einher. Hilfreich sei es, wenn eine Person bereits Erfahrung in einer Milizbehörde mitbringe. Marti hält fest: «Teamplayer und keine Einzelkämpfer sind gesucht.»
Nebst der Teamfähigkeit sagte Marti bereits im August gegenüber dieser Zeitung, dass die künftige Person im Gemeindepräsidium vielfältig interessiert sein, breite Schultern haben und die Gnade besitzen müsse, eigene Fehler einzugestehen. Zudem müsse sie offen und transparent gegenüber allen sein.
Zwei Monate später ergänzt Marti: «Wenn diese Grundvoraussetzungen vorhanden sind, dann bilden sie eine hervorragende Basis. Inhaltlich kann man alles lernen, wenn der Wille da ist.» Wichtig sei zudem eine offene und selbstkritische Art. Abschliessend sagt Marti: «Eine transparente Fehlerkultur gehört damit in den Arbeitsalltag. Kein Mensch ist unfehlbar.»
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